Berlin

400 bis 600 Wohnungen im Norden

Grünes Licht für ein Neubauprojekt auf dem Tetra-Pak-Gelände in Reinickendorf. 2020 könnte es losgehen

Berlin. Jetzt ist es offiziell: Am Nieder Neuendorfer See, wo die Tetra-Pak-Fabrik seit Jahren brachliegt, sind die Tage der Industrieruine gezählt. Laut Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU), zuständig für Stadtentwicklung in Reinickendorf, haben sich Eigentümer, Senat und Bezirksamt darauf geeinigt, dass hier zwischen 400 und 600 Wohnungen entstehen sollen, davon 30 Prozent im geschützten Marktsegment mit staatlicher Förderung. Balzer sprach im Ausschuss für Stadtentwicklung vom größten Wohnungsbauprojekt des Bezirkes und stellte einen Baubeginn ab 2020 in Aussicht.

Bislang stand dem Projekt ein Flächennutzungsplan entgegen, der das 80.000 Quadratmeter große Gelände als Industriestandort ausweist. Doch eine Änderung des Planes sei nun erstmals von allen Seiten gewollt, erklärte Balzer. „Entscheidend war, dass die Senatsverwaltung für Wirtschaft ihre Bereitschaft erklärt, den Gewerbestandort aufzugeben, um den Flächennutzungsplan auf Wohnen ändern zu lassen. Genau dies ist jetzt passiert.“

20.000 Quadratmeter bleiben naturbelassen

Kurz nach der Entscheidung habe Senatsbaudirektorin Regula Lüscher dem Bezirk mitgeteilt, „dass man das Wohnungsbauvorhaben positiv sieht und konstruktiv begleiten will“. Der Senat werde das Abgeordnetenhaus nun bitten, den Flächennutzungsplan zu ändern. Gleichzeitig soll der Bezirk jetzt damit beginnen, den Bebauungsplan für eine Wohnnutzung aufzustellen. Nachdem ein Investor, den das Bezirksamt nicht namentlich nennen will, schon vor Monaten angekündigt hatte, auf dem Te­tra-Pak-Areal ein neues Quartier bauen zu wollen, gibt es nun keinen politischen Widerstand dagegen mehr.

Fraglich bleibe aber, wie umfangreich die Bebauung ausfallen kann, erklärte Marius Helmuth-Paland, der Leiter des Stadtentwicklungsamtes. Denn bislang prägen in Heiligensee Einfamilienhäuser und Viertel mit geringer Baudichte das Bild. Bei der künftigen Bebauung aber geht es um Geschosswohnungsbau. Eine Bebauung ähnlich den Häusern von Genossenschaften an der S-Bahntrasse sei auf dem Tetra-Pak-Areal kein Problem, so der Amtsleiter.

Für das Stadtplanungsamt steht bereits fest, dass nicht die gesamte Fläche zubetoniert wird. „Am Nieder Neuendorfer See hat sich ein Gebiet ökologisch entwickelt. Das sind 20.000 von 80.000 Quadratmetern, die wir aus Naturschutzgründen herausnehmen müssen“, so Helmuth-Paland. Dieser Auffassung stimmte Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu. „Der Uferbereich des Sees ist im Flächennutzungsplan als Ufergrünzug dargestellt und darf durch eine Bebauung der Grundstücke nicht beeinträchtigt werden“, sagte sie am Dienstag. Eine weitere Einschränkung: Die Lärmeinwirkung durch die angrenzende S-Bahntrasse. Die Züge fahren nur etwa 100 Meter am künftigen Kiez vorbei. Ohne Schallschutz wird man deshalb wohl nicht auskommen.

Ausdrücklich im Gespräch sind laut Bezirksamt besondere Nutzungsformen des Quartiers, zum Beispiel nach dem Modell der autofreien Stadt oder der „Smart City“, hieß es im Ausschuss. Dann würden für den Bauherren besondere ökologische Anforderungen gelten. Balzer deutete an, dass sich der Investor auch eine Baumasse vorstellen kann, die weit über die 600 Wohneinheiten hinausgeht. „Aber das wäre aus unserer Sicht für ein Gebiet wie Heiligensee nicht akzeptabel.“ Einvernehmen mit dem Eigentümer des Areals besteht laut Balzer darin, dass bei dieser Größenordnung neue Schul- und Kitaplätze nötig sind.

Vor allem die Idee einer energieeffizienten „Smart City“ und ein Anteil von geförderten Wohnungen kommt bei SPD und Grünen gut an. Die Sozialdemokraten wollen einen Architektenwettbewerb anregen und legen großen Wert darauf, dass das Seeufer öffentlich zugänglich sein wird. „Es wäre tatsächlich unser Ziel, dass es eine Möglichkeit gibt, von dem Gelände ans Wasser zu kommen“, sagte Bürgermeister Balzer.

Unberührt von dem neuen Projekt bleibt der jetzige Mietvertrag zwischen dem Eigentümer und der Berliner Immobilienmanagement GmbH (Bim). Wie berichtet werden für das Land Berlin derzeit pro Jahr 1,5 Millionen Euro Miete fällig, damit auf dem Fabrikgelände Flüchtlinge untergebracht werden können. Man hat dieses Vorhaben zwar aufgegeben, bleibt aber an den Vertrag gebunden.