Baudenkmal am Tiergarten

Nach der Sanierung: Die „Rosa Röhre“ sticht wieder heraus

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Brigitte Schmiemann
Der „Umlauftank 2“ von Ludwig Leo nach der Sanierung

Der „Umlauftank 2“ von Ludwig Leo nach der Sanierung

Foto: Silas Stein / dpa

Architektur- und Denkmalfans sind begeistert: Die „Rosa Röhre“ ist fertig saniert. Finanziert hat die Arbeiten die Wüstenrot-Stiftung.

Berlin. Besser hätte Architekt HG Merz seine Freude und seinen Respekt über das fertig restaurierte Gebäude nicht zeigen können: Zur Feier des Tages hatte er sich in Rosa und Blau gekleidet – in den Farben, die Ludwig Leo dem prägnanten Umlauftank 2 (UT 2) der ehemaligen Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau 1974 gegeben hatte und die jetzt wieder leuchten.

„Diese Farbe einer Maschine zu geben ist einfach frech, es ist sowieso ein rotzfreches Teil, das der Achse mit Ernst-Reuter-Platz, Charlottenburger Tor und Siegessäule die Zunge rausstreckt“, begeisterte sich Merz über das denkmalgeschützte Gebäude, das er im Auftrag der Wüstenrot-Stiftung saniert hat. Sein Büro habe den Auftrag gehabt, jemanden vor dem Botox zu retten – eben die Falten mit rüberzubringen.

Architekt Ludwig Leo war und ist Avantgarde

Architekt Ludwig Leo (1924–2012), einer der eigenwilligsten Architekten nach 1945, ist laut Merz „einer der Heroen gewesen. Er gehörte zur Avant­garde und ist nach wie vor Avantgarde, weil er eine Moderne geschaffen hat, die nicht alt geworden ist“, lobte Merz Leos Werk. Er habe wenig gebaut, beispielsweise auch die großartige DLRG-Station in Wannsee, aber ein Drittel seiner Werke sei schon zu seinen Lebzeiten unter Schutz gestellt worden.

3,5 Millionen Euro hat sich die Wüstenrot-Stiftung die Sanierung des gefährdeten Bauwerks, das relativ jung ist, aber an dem sehr viel Materialforschung möglich war, kosten lassen. Fünf Jahre engagierten Arbeitens waren nötig. Das teuerste Gewerk war das Gerüst, denn es musste an der Fassade schweben, da das Bauwerk auf einer Insel am Rande des Tiergartens steht.

Denkmal sollte „maximal authentisch“ erhalten werden

Für Philip Kurz, den Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, war es wichtig, das Bauwerk „maximal authentisch zu erhalten“, auch den kompletten Innenraum mit seinen Farben und Materialien: Das Grün auf den Stahlstreben sei nicht einfach neu gestrichen, sondern restauratorisch überarbeitet worden.

Entsprechend viel Kleinarbeit war zu leisten. Wobei entschieden worden sei, aus Respekt vor dem Alten die vorhandenen Gegenstände zu überarbeiten, statt sie gegen neue auszutauschen. Fast alle Materialien wie die blauen Paneelen oder auch Sanitärgegenstände gibt es nämlich noch zu kaufen.

Der Umlauftank gilt als der größte der Welt

Die Technische Universität nutzt den Bau als Labor für Versuche an Schiffsmodellen in ei­nem Wasserstrom, den zwei Dieselmotoren in der Rosa Röhre erzeugen. In diesem Umlauftank, er gilt mit einer Tiefe von bis zu drei Metern, einer Breite von fünf Metern und einer Messstrecke von elf Metern als der weltweit größte, werden sechs bis sieben Meter große Schiffsmodelle getestet, beispielsweise ihr Widerstand oder ihre Antriebsleistung.

Außerdem gibt es noch ein 8 mal 120 Meter großes Flachwasserbecken für Tests von Modellschiffen im Seegang und eine 250 mal 8 Meter große Schlepprinne, ebenfalls für Schiffsmodelle. 1,5 Millionen Euro will die TU für den Umlauftank 2018 investieren. Dabei sollen auch die Außenanlagen auf der Schleuseninsel instand gesetzt werden.