Kreuzberg

Das sagt der Macher zu der umstrittenen Dealer-Schau

Die umstrittene Ausstellung über die Herkunft von afrikanischen Dealern öffnet am Dienstagabend in Kreuzberg.

Scott Holmquist hat die umstrittene Austellung über die afrikanischstämmigen Drogendealer konzipiert

Scott Holmquist hat die umstrittene Austellung über die afrikanischstämmigen Drogendealer konzipiert

Foto: Gisa Bodenstein

Menschliche Silhouetten aus hellbrauner Wellpappe stehen im Raum verteilt, darauf geheftet sind ein paar Fotos in unterschiedlich guter Auflösung von Alltagssituationen afrikanischer Länder, eine Karte mit einer eingezeichneten Migrationsroute und ein kurzer Text in einer afrikanischen Sprache, der auf dem Boden auf Deutsch und Englisch ausliegt. Die Ausstellung im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg-Museum soll die Herkunft afrikanischstämmiger Drogendealer aus dem Görlitzer Park und der Hasenheide skizzieren.

Die Schau, die der Bezirk zum einen mit rund 800 Euro bezuschusst und der er zum anderen kostenlos seine Museumsräume zur Verfügung stellt, hatte vorab für Aufregung gesorgt: Der Künstler Scott Holmquist, der "Andere Heimaten: Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks" konzipierte, hatte über Dealer gesagt: "Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Widerstände arbeiten Drogenverkäufer unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum" – dieser Satz alarmierte.

"Museum feiert Drogendealer" lautete eine Schlagzeile. "Ist der Künstler Holmquist verrückt geworden?" fragte eine andere Zeitung, und: "Wie kann ein Berliner Bezirksamt das unterstützen?" Auch die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg warf dem Künstler vor, afrikanische Drogenverkäufer zu glorifizieren. In der letzten BVV-Sitzung war sie allerdings mit einem Antrag gescheitert, die Ausstellung zu verhindern. Kulturstadträtin Clara Herrmann (Grüne) weist den Vorwurf zurück. Es gehe um ein Thema, das die Kieze bewege und das diskutiert werden müsse. Bisher drehe sich die Debatte aber nur um diese Äußerung und nicht um die Schau selbst.

"Das Thema der Ausstellung ist eigentlich Rassismus"

Dieser Auffassung ist auch Scott Holmquist. Zu seiner umstrittenen Aussage will er vor der Eröffnung am Dienstag nichts mehr sagen. Er bemüht sich, den Fokus auf das zu lenken, was er ursprünglich aussagen wollte: Dadurch, dass es viele afrikanischstämmige Drogendealer gebe, würden dunkelhäutige Menschen generell mit Rauschgifthandel in Verbindung gebracht. Das Thema sei also Rassismus. Das Bild, das viele Medien von diesen Menschen zeichneten, befördere die Stigmatisierung.

An einer Seite des Raumes aufgereiht stehen Papp-Pulte, auf denen verschiedene Artikel zum Thema ausliegen. Berichte, die sich für eine Legalisierung von Drogen aussprechen genauso wie rechtsradikale Texte, in denen Afrikaner als "Neger" beschimpft werden. Auch mehrere Ordner, die die Schlagzeilen über den Handel mit Rauschmitteln der letzten Jahre gesammelt enthalten, finden sich dort.

Ziel der Ausstellung sei es, den Besuchern "die Herkunftsorte einzelner schwarzafrikanischer Männer als reale Orte näherzubringen". Neben dem, was in den Texten der Befragten zu lesen ist (vor allem poetisch wirkende geografische Bestandsaufnahmen), kann man an einem Computer auch fiktiv eine Reise buchen. Auf die Beweggründe, warum die Menschen ihre Heimat verließen und warum sie hier zu Rauschgifthändlern wurden, wird nicht eingegangen. Das sei privat, antwortet Künstler Holmquist auf Nachfrage.

Was stattdessen diskutiert werden solle, sei die widersprüchliche Drogenpolitik. So wurde im Görlitzer Park erst kürzlich die Null-Toleranz-Grenze aufgehoben, der Konsum und Besitz von 15 Gramm Cannabis ist jetzt wieder geduldet. Für diese Debatte solle mit der Ausstellung ein "diskursiver Raum" geschaffen werden, so Stéphane Bauer, Fachbereichsleiter Kultur und Geschichte des Bezirksamtes.

"Andere Heimaten: Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks", FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstraße 95a, Kreuzberg, Tel. 50 58 52 33, Eröffnung: Dienstag, 21. November, 19 Uhr

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