Entdeckt in Berlin

Polizei verfolgte schon länger Spur zu John Lennons Nachlass

Diebe hatten Yoko Ono im Jahr 2006 Gegenstände aus dem Nachlass ihres Mannes gestohlen. Jetzt nahm die Polizei einen Hehler fest.

John Lennon mit seiner Ehefrau Yoko Ono. Hier im Hilton Hotel Amsterdam im März 1969

John Lennon mit seiner Ehefrau Yoko Ono. Hier im Hilton Hotel Amsterdam im März 1969

Foto: Getty Images / Mirrorpix/Getty Images

Vor elf Jahren verschwanden aus einer Wohnung in Manhattan mehrere Gegenstände aus dem Nachlass des Beatles-Gründers John Lennon. Nun sind einige davon wieder aufgetaucht – ausgerechnet in Berlin. Die Polizei nahm am Montagmorgen einen 58 Jahre alten Hehler fest. Außer einer Brille von Lennon konnten auch einige Tagebücher der britischen Musik-Legende sichergestellt werden. Einem weiteren Verdächtigen drohen vorerst keine Konsequenzen. Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft teilte mit, dass der zweite Tatverdächtige in der Türkei lebe und daher für die deutschen Behörden „derzeit nicht greifbar“ sei.

Nachlass der Ikone gestohlen

Nach der Ermordung von John Lennon im Jahr 1980 durch den psychisch verwirrten David Mark Chapman blieben seiner Frau, der amerikanisch-japanischen Avantgarde-Künstlerin Yoko Ono, vor allem die persönlichen Gegenstände ihres Ehemannes als Erinnerung. Einige davon wurden Ono jedoch im Jahr 2006 aus einem New Yorker Apartment gestohlen. Verdächtigt wurde damals Onos Chauffeur: Koral K. – ein türkischer Staatsbürger. Vor einem New Yorker Gericht musste sich K. damals wegen Diebstahls und Erpressung verantworten.

Aufgrund eines Deals, dem Lennons Witwe zustimme, kam K. jedoch frei und verließ die USA. Die gestohlenen Gegenstände blieben verschwunden. Bis heute. Ob K. der Mann ist, der sich vor dem Zugriff der Berliner Staatsanwaltschaft in die Türkei abgesetzt hat? Dazu sagte Sprecher Martin Steltner der Berliner Morgenpost: „Das werde ich nicht dementieren.“

Allerdings war das Geschehen im Jahr 2006 nicht der erste Diebstahl aus Lennons Nachlass: Sein persönlicher Assistent, Frederic Seaman, hatte bereits vor der Jahrtausendwende Fotos und Dokumente von Lennon entwendet. Ein Gericht verurteilte ihn damals zu fünf Jahren auf Bewährung. Gegen den am Montag in Berlin festgenommenen 58 Jahre alten Verdächtigen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft indes wegen Betrug und Hehlerei. Dem Mann droht im schlimmsten Fall das Gefängnis: Sowohl bei Betrug als auch bei Hehlerei kann auf bis zu fünf Jahre Haft geurteilt werden.

2014 erstmals aufgetaucht

Staatsanwaltschaftssprecher Steltner teilte indes mit, dass die Gegenstände aus Lennons Nachlass bereits im Jahr 2014 erstmals in der Kunstszene aufgetaucht seien. Im Zuge der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft konnten sie aber erst in diesem Jahr sichergestellt werden. Im Zuge dieser Sicherstellung erfolgte auch die Festnahme am Montag. Da die Ermittlungen noch andauern, konnte die Staatsanwaltschaft die Beweismittel bislang aber nicht freigeben und eventuell an Lennons Witwe übergeben. Steltner kündigte jedoch an, die persönlichen Gegenstände Lennons am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium zu zeigen und weitere Einzelheiten zum Fall bekannt zu geben.

Während also ein Modell von Lennons berühmten Brillen wieder aufgetaucht ist, wird ein Mann wohl für immer abseits der Öffentlichkeit bleiben: sein Mörder, Mark David Chapman. Erst im Sommer vergangenen Jahres scheiterte Chapman bereits zum neunten Mal mit einem Antrag auf Freilassung – mittlerweile ist er seit 36 Jahren in Haft. Sehr zur Beruhigung Yoko Onos, die forderte, dass der Mörder ihres Mannes nie wieder freikommen solle. In einem Brief an den Bewährungsausschuss beschrieb sie, wie sie sich um das Leben ihrer Söhne sorge: „Wir würden uns den Rest unseres Lebens nicht sicher fühlen.“

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