Kunst in Berlin

„The Haus“ ist weg, die Idee lebt weiter

Das Gebäude an der Nürnberger Straße ist abgerissen. Die Street-Art-Künstler haben für das kommende Jahr neue Projekte.

Die Macher von „The Haus“: Bolle, Jörni und Kimo (v.l.) gehören zur Berliner Street-Art-Gruppe „Die Dixons“

Die Macher von „The Haus“: Bolle, Jörni und Kimo (v.l.) gehören zur Berliner Street-Art-Gruppe „Die Dixons“

Foto: David Heerde

Berlin. Es war das Spektakel des Sommers. Kaum ein Berliner oder Berlin-Besucher konnte sich dem Zauber der Idee entziehen, die sich in einem leer stehenden Haus an der Nürnberger Straße Bahn gebrochen hatte. Unter dem schlichten Titel „The Haus“ hatte der Verein Berlin Art Bang ein ehemaliges Gebäude der Berliner Volksbank in die größte temporäre Street-Art-Galerie der Welt verwandelt. 165 lokale, nationale und internationale Künstler sämtlicher Stilrichtungen waren zusammengekommen, um auf 10.000 Quadratmetern den öden Ort in eine einzigartige Kunstwelt mitten in Berlins zu verwandeln. Jetzt ist „The Haus“ verschwunden. An der Stelle, die so viele angelockt hatte, klafft nur noch eine Lücke.

Das Besondere des Projekts war die Endlichkeit

Das Besondere von „The Haus“ war letztlich seine Endlichkeit: Zu sehen waren die Bilder, Räume und Installationen nämlich nur im engen Zeitrahmen von knapp fünf Monaten. Besucher durften keine Fotos im Haus machen. Ende August war Schluss.

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„Wir haben dann die meisten Sachen abgerissen und entsorgt“, sagt Kimo von Rekowski, der einfach nur Kimo genannt werden möchte. Zwar habe es viele, zum Teil fünfstellige Angebote für Bilder oder Objekte gegeben, aber „das hatten wir ja von Anfang an ausgeschlossen“, sagt der Kreative, der zur Künstlergruppe „Die Dixons“ gehört, die das Projekt initiiert hat. „Der Gedanke, Streetart zu verkaufen hat uns einfach nicht gefallen, auch wenn es durchaus die eine oder andere längere Diskussion mit einigen der Künstler gab“, räumt Kimo ein.

Gleichwohl sind Fragmente aus jedem Raum erhalten geblieben, wohl verpackt im Magazin des Berliner Stadtmuseums. Direktor Paul Spies hatte die Künstler darum gebeten, „Schachteln“ zu packen, um es irgendwann für eine Retrospektive zu Urban Art zu verwenden. „Wenn wir die Schachteln, die die Künstler gepackt haben, öffnen, ist das wie ein archäologischer Fund, der uns das Event auch in der Zukunft wieder sinnlich erlebbar macht“, sagt Spies.

Berliner Mauer oder bescheidenes Klein-Klein

Auch wenn sich das Projekt nicht direkt in barer Münze für die Künstler ausgezahlt habe, sieht Kimo „The Haus“ als Erfolg. „Wir haben alle mehr Sichtbarkeit für das bekommen, was wir tun und viele haben ja auch Folgeaufträge erhalten.“ In Berlin will Berlin Art Bang das Projekt nicht wiederholen. „Ganz ausschließen wollen wir das zwar nicht, aber wir würden die Idee und die Synergien eigentlich lieber in ein anderes Land tragen“, sagt Kimo.

Für Berlin plant die Gruppe für den Mai nächsten Jahres erneut mit vielen Künstlern aus Berlin und der ganzen Welt das „Berlin Mural Festival“. Mit der Berliner Mauer oder bescheidenem Klein-Klein hat das neue Projekt nichts zu tun.

Wir werden in der ganzen Stadt verteilt, draußen dieses Mal, auf rund 300 bis 400 Quadratmeter großen Brandschutzwänden die größte Open-Air-Galerie auf die Beine stellen, die Berlin je gesehen hat“, gibt sich Kimo durchaus selbstbewusst. Beteiligen werden sich daran auch Berliner Künstler wie Ben Wagin und einer, der wahrlich Bescheid weiß mit großflächigen Gemälden: der Wilmersdorfer Fassadenkünstler Gert Neuhaus.

„Die Einzelhandelsflächen sind bereits verkauft“

Statt „The Haus“ entsteht nun auf dem Grundstück an der Nürnberger Straße „Pandion The Haus“ nach Plänen der Potsdamer Architekten Annette Axthelm und Henner Rolvien. Neben 65 Eigentumswohnungen mit insgesamt rund 3800 Quadratmetern Wohnfläche soll es auch zwei Läden mit rund 350 Quadratmetern Fläche im Erdgeschoss geben.

„Die Einzelhandelsflächen sind bereits verkauft“, sagt Tobias Frank, Sprecher des Kölner Projektentwicklers Pandion. Das sei, so Frank, ein Beleg dafür, dass die Käufer auf die weitere positive Entwicklung der Achse vom Tauentzien zum Bikini Berlin setzten. Auch von den Wohnungen mit ihrer metallischen Fassade mit den geschwungenen Erkern, die sich über zwei Etagen erstecken, seien 40 Prozent bereits vergeben.

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Käuferkreis für die neuen Wohnungen ist international

Ein Schnäppchen sind die Wohnungen nicht. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 48,98 Quadratmetern kostest 421.900 Euro. „Der Käuferkreis ist sehr international. Käufer kommen aus Ägypten, Hongkong, Israel, Zypern, den Vereinigten Arabischen Emiraten – und es sind auch zwei Berliner Käufer darunter“, sagt der Pandion-Sprecher.

In dieser Wochen würden die Abrissarbeiten beendet sein, danach erfolge in den nächsten Wochen der Abtransport des Schutts. Zum Jahresende sollen die Tiefbauarbeiten beginnen. Bezugsfertig ist das neue Haus Frank zufolge dann im Herbst 2019.

Kunst und Kultur im Rahmen einer Zwischennutzung oder Aktionen auf seinen Berliner Grundstücken will das Unternehmen auch künftig unterstützen. „Aktuell werden entsprechende Möglichkeiten bei einem neu angekauften Objekt geprüft“, sagt Frank. Details will er aber noch nicht verraten.

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