Rathenow

Rotte Wildschweine stoppt ICE München–Berlin

Zug wird abgeschleppt, Fahrgäste bleiben unverletzt

Rathenow. Bei Rathenow (Havelland) westlich von Berlin ist ein ICE der Deutschen Bahn am Dienstagabend mit einer Rotte Wildschweine zusammengestoßen, die wohl dabei war, die Bahngleise zu überqueren. Bei dem Zusammenprall mit den Tieren, die wahrscheinlich alle starben, wurde die Front des Zuges so stark beschädigt, dass er nicht mehr weiterfahren konnte. Die Feuerwehr musste die Frontpartie des ICE aufsägen, damit man eine Diesellok ankoppeln konnte, die den Schnellzug anschließend abschleppte, sagte Burkhard Ahlert, Sprecher der Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Menschen kamen bei dem Unfall laut Bundespolizei nicht zu Schaden. Die rund 400 Fahrgäste, die von München über Stuttgart nach Berlin unterwegs waren, mussten auf offener Strecke über Aluminiumbrücken in einen anderen Zug umsteigen, der aus Basel an der Unfallstelle vorbeikam. Statt wie geplant um 20.29 Uhr erreichten die Reisenden die Hauptstadt erst gegen Mitternacht. So lange blieb auch der Streckenabschnitt zwischen Rathenow und Schönhausen in Sachsen-Anhalt gesperrt. Am Mittwochmorgen normalisierte sich der Zugverkehr wieder. Die Strecke ist Teil der wichtigen Verbindung zwischen Berlin und Wolfsburg. Hier fahren Züge in Richtung Nordrhein-Westfalen, Frankfurt am Main und Stuttgart.

„Wir können nicht alle Strecken einzäunen“

Solche Unfälle kämen gelegentlich vor, sagte Bahnsprecher Ahlert. Es sei aber kein gravierendes Problem und die Situation habe sich in den vergangenen Jahren auch nicht verändert. Im November sei es erst der zweite Wildunfall im Nordosten Deutschlands gewesen. Es gebe zwar teilweise Zäune, beispielsweise in Waldstücken, ein Ausbau sei aber nicht geplant. „Wir können nicht alle Strecken einzäunen“, so Ahlert.

Die Schwarzwildpopulation in Brandenburg ist angewachsen. Zählen könne man die Tiere nicht, man habe nur Angaben zu gejagten und anderweitig gestorbenen Wildschweinen als Referenzgröße, sagte Jan Engel, Pressesprecher des Landesbetriebs Forst Brandenburg. Im Jagdjahr 2016/17 waren es 76.512 Tiere. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Er selbst sei sowohl Jäger als auch Feuerwehrmann und habe schon einige Wildschweinunfälle mit Zügen erlebt, so Engel. Er habe bei der Evakuierung sowie bei der Bergung der Tiere geholfen und auch selbst schon verletzten Wildschweinen den Gnadenschuss versetzen müssen. Was seiner Meinung nach getan werden müsste? „Schießen, schießen, schießen.“ Der Bestand sei viel zu hoch, auch die Wildschäden nähmen immer weiter zu, so Engel.