Personalmangel

Post räumt Fehler bei Zustellung von Briefen ein

Personalmangel und Krankheitsausfälle bei der Post treffen in Berlin vor allem die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau.

Die Post hat zurzeit bei der Zustellung Probleme

Die Post hat zurzeit bei der Zustellung Probleme

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Berlin. Nach den vielen Beschwerden von Berlinern über die Post und ihrer Paket-Tochter DHL hat das Unternehmen Probleme eingestanden. "Leider müssen wir einräumen, dass die Zustellsituation in Berlin – vor allem im Zeitraum September bis Oktober – nicht zufriedenstellend war", heißt es in einem Brief des Zentralbereichsleiters Politik und Unternehmensverantwortung, Rainer Wend, an den Berliner Bundestagsabgeordneten Swen Schulz (SPD). Das Unternehmen habe Personalsorgen, bemühe sich aber um Lösungen, so die Bonner Zentrale der Deutschen Post DHL.

Bei Berliner Politikern, Medien und in sozialen Netzwerken hatten viele Post- und DHL-Kunden ihrem Ärger über ausbleibende Sendungen Luft gemacht. Besonders in Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf würden oft tagelang keine Briefe ausgetragen, DHL-Boten würden gar nicht erst versuchen, Pakete dem Empfänger zu übergeben, sondern sie in den Filialen oder bei Nachbarn hinterlegen, lauteten die Vorwürfe.

Auch das Verkehrschaos habe die Lage erschwert

Die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde hatte die Post aufgefordert, Abhilfe zu schaffen. Grund für die Pannen sei ein starker Zuwachs der Sendungsmengen im Raum Berlin. Die dafür erforderlichen Mitarbeiter zu rekrutieren, sei "uns nicht überall flächendeckend gelungen", so Wend. Auch das Verkehrschaos durch den Sturm "Xavier" und Stromausfälle sowie Blitzschäden an den Maschinen der Sortierzentren hätten die Lage erschwert. In einigen Berliner Zustellbezirken habe es einen "außerplanmäßig hohen Krankenstand" geben, der nicht mehr mit Aushilfskräften ausgeglichen werden konnte, teilte Wend mit. Die Post habe eine Taskforce eingerichtet.

Die habe das Koordinierungsteam verstärkt und personelle Unterstützung aus anderen Bereichen für die unterbesetzten Zustellbezirke angefordert. Die Zahl der Beschwerden in seinem Büro sei tatsächlich zurückgegangen, hat Swen Schulz festgestellt. Mit den zusätzlichen Belastungen im Weihnachtsgeschäft könnten sich auch die Pannen wieder häufen, warnte er.

Über die Zahl der offenen Stellen bei DHL macht die Post keine Angaben

137 neue Mitarbeiter hat die Post für ihre beiden Berliner Briefzentren nach Wends Angaben bereits eingestellt. 100 würden bis zum Jahresende noch benötigt. Über die Zahl der offenen Stellen bei ihrer Tochter DHL macht die Post "aus Wettbewerbsgründen" keine Angaben. "Angesichts des traditionell erhöhten Sendungsaufkommens an Briefen und Paketen in der Weihnachtszeit haben wir auch hier bereits eine Reihe zusätzlicher Kräfte eingestellt", so Sprecherin Anke Blenn. Weitere Boten würden gesucht.

Thomas Cosmar vom Berliner Fachgruppenvorstand Postdienste der Gewerkschaft Verdi schätzt, dass Post und DHL rund 250 Mitarbeiter fehlen, um ein geordnetes Weihnachtgeschäft und einen dauerhaft stabilen Zustellbetrieb zu gewährleisten. "Die werden sie aber wohl nicht finden", sagte er der Berliner Morgenpost. Cosmar war am Montag auf dem Weg nach Darmstadt. Dort wollen Gewerkschafter mit der Führung Post/DHL über die bundesweiten Personalengpässe beraten.

Mehr zum Thema:

So sieht der Arbeitstag eines Fahrradkuriers aus

Post-Chef glaubt an E-Autos und Lebensmittellieferungen

Deutsche Logistiker erwarten Rekord-Paketflut im Advent

Kuriere stellen aus Angst vor Gewalt einige Pakete nicht zu

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.