Berliner Polizei

Ausbilder: "Türkischer Nationalismus" an Polizeiakademie

In der Debatte um die Ausbildung an der Polizeiakademie tauchen neue Vorwürfe auf. Es gebe ein Problem mit türkischem Nationalismus.

Die Polizeiakademie in Spandau ist in die Kritik geraten. Angeblich gibt es Probleme bei der Eignung der Polizeischüler

Die Polizeiakademie in Spandau ist in die Kritik geraten. Angeblich gibt es Probleme bei der Eignung der Polizeischüler

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

In der Debatte um die Ausbildung an der Polizeiakademie in Spandau tauchen neue Vorwürfe auf. Ausbildende Beamte bestätigen die Kritik an der mangelnden Qualität der Absolventen. Wie der "Spiegel" berichtet, sei vor einiger Zeit fast eine ganze Klasse bei Übungen des Schießtrainings durchgefallen und zitiert dabei einen Beamten. "Wenn die schon praktisch nichts können, wie sieht es dann erst mit den rechtlichen Grundlagen aus?"

Polizeitrainer würden sich in der theoretischen Ausbildung auch um die Fächer Politische Bildung und Geschichte sorgen. Diese seien so wichtig wie der richtige Umgang mit der Schusswaffe, sagte ein Lehrer dem Magazin. "Wenn das schiefgeht, haben wir in ein paar Jahren die Hölle auf der Straße." Ein Sprecher der Berliner Polizei wies diese Darstellungen allerdings zurück: "Es erschließt sich mir ganz und gar nicht, welcher Zusammenhang hier zwischen den Leistungen beim Schießtraining und möglichen Kompetenzen in der Rechtsmaterie konstruiert worden ist", sagte ein Polizeisprecher der Berliner Morgenpost. "Das ist bizarr." Zutreffend sei, dass eine Klasse wegen der bestehenden Engpässe an den Schießständen später als geplant im Rahmen der Ausbildung die Schießprüfungen absolviert und erfolgreich bestanden habe. "Selbstverständlich ist es ein sehr wichtiges Ziel der Verantwortlichen an der Polizeiakademie, Auszubildende rechtzeitig zu erkennen, deren Eignung insbesondere im Hinblick auf Rechtsstaatlichkeit und persönliche Integrität zweifelhaft ist", fügte er hinzu. "Sofern diese Zweifel Substanz und Gewicht haben, trennen wir uns von diesen Auszubildenden."

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), forderte: "Die Strukturreform an der Polizeiakademie muss sofort gestoppt und die Probleme an der Wurzel gepackt werden." Es müsse während der Ausbildung ganz genau darauf geschaut werden, ob der oder die Auszubildende zum Beruf passt. Jendro betonte, dass sich nicht die Einstellungsvoraussetzungen geändert hätten, aber die Prüfungsanforderungen. "Heute bestehen Absolventen der Akademie die Prüfungen, die vor ein paar Jahren noch durchgefallen wären."

Erdogan-Anhänger unter jungen Polizisten

Wie der "Spiegel" weiter berichtet, gebe es unter den Nachwuchskräften zudem antidemokratische Einstellungen und türkischen Nationalismus. "Keine Ahnung, wie lange es gut geht, wenn harte Erdogan-Fans auf kurdischen Demonstrationen im Einsatz sind", sagte ein Ausbilder. Ein Beamter, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will, bestätigte dies gegenüber der Morgenpost: "Es ist eine Tatsache, dass wir unter unseren türkischen Auszubildenden strenge Erdogan-Anhänger haben", sagte er. "Ich persönlich sehe das sehr kritisch, aber in der Behörde wird das als Meinungsfreiheit geduldet."

Kritik übt der langjährige Polizist auch an einzelnen Ausbildern. Sie hätten wenig Durchsetzungsvermögen, sagte er. "Die Auszubildenden sind Beamte auf Widerruf, und wenn die Ausbilder dieses Druckmittel nicht einsetzen können, um für Ordnung, Pünktlichkeit und Disziplin zu sorgen, sollten sie sich hinterfragen", sagte er.

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Kaum ein Auszubildender möchte über die Vorwürfe gegen die Polizeiakademie sprechen. "Vielleicht haben die Leute, die die anonymen Briefe schreiben, ja einfach ein Problem mit Ausländern", sagt etwa Ercan am Eingang zur Polizeiakademie in Ruhleben. Er ist Sohn einer türkischen Einwandererfamilie und seit einigen Monaten in Polizeiausbildung. Keiner will von Gewalt oder rassistischem Hass unter Mitschülern gehört haben. Aber viele befürchten, dass die negative Berichterstattung auf alle Polizeianwärter mit Migrationshintergrund zurückfallen könnte. Auch Hassan, ein stämmiger junger Mann mit Polizeiwappen an der Halskette, sagt: "Ich habe keine Lust, dass ich jetzt in der Akademie schief angeschaut werde, nur weil meine Eltern aus der Türkei sind." Er habe nun mal den Einstellungstest bestanden und wolle Polizist werden. Jetzt müsse er Leistung bringen, so wie alle andern.

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