Intranet der Polizei

Polizeiakademie-Skandal: Kandt und Koppers schreiben Brief

Im Intranet der Polizei wenden sich der Polizeipräsident und seine Stellvertreterin an die Kollegen und nehmen zu Vorwürfen Stellung.

Margarete Koppers und Klaus Kandt

Margarete Koppers und Klaus Kandt

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Flegelhaftes Verhalten gegenüber Ausbildern, Respektlosigkeit und der Vorwurf der Unterwanderung durch kriminelle Großfamilien - die Polizeiakademie in Spandau ist in den vergangenen Tagen in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Vorwürfe wiegen schwer. Am Mittwoch wird sich auch der Innenausschuss mit der Thematik befassen. Im Intranet der Polizei nehmen Klaus Kandt und Margarete Koppers nun Stellung. Die Berliner Morgenpost zitiert wichtige Auszüge aus dem Brief.

„In der letzten Woche hat sich in unserer Behörde und in der öffentlichen Diskussion über unsere Behörde eine Dynamik entwickelt, die uns große Sorgen bereitet und die wir deshalb zum Anlass nehmen wollen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen“, heißt es in dem offenen Brief. Zunächst gehen Kandt und Koppers auf die anonyme Sprachnachricht ein, die ein Hospitant des Polizeiärztlichen Dienstes (PÄD) nach seiner ersten Unterrichtsstunde an der Akademie per WhatsApp an einen ehemaligen Streifenpartner schickte. „Ein Teil der Klasse, darunter auch Auszubildende mit türkischen oder arabischen Wurzeln, hat sich dem Unterricht dadurch entzogen, dass sie sich nach der Schilderung der beiden Kollegen schlichtweg flegelhaft benommen haben“, schreiben Koppers und Kandt.

Der als Hospitant eingesetzte Kollege sei schockiert gewesen und habe seinen Frust in drastischen Worten zum Ausdruck gebracht. Er habe aber nicht daran gedacht, dass „diese Sprachnachricht einen Weg in die Öffentlichkeit finden könnte“. Das Verhalten der Auszubildenden werde nach deren Rückkehr aus dem Urlaub aufgegriffen und gegebenenfalls auch disziplinarisch nachbearbeitet, verspricht die Polizeiführung.

Kandt und Koppers: Frust nicht in rassistischer Sprache formulieren

Deutlichen Ärger drücken Kandt und Koppers über den Brief eines vermeintlichen LKA-Mitarbeiters aus, der ebenfalls den Weg in die Öffentlichkeit fand. „Wir wollen den Wortlaut nicht wiedergeben, weil der Brief in einem diffamierenden und diskriminierenden Stil verfasst ist. Inhaltlich geht es dem Verfasser, der behauptet Kollege zu sein, darum, die Wahrnehmungen des Kollegen der PA zu bestätigen, die Haltung der Behördenleitung anzuprangern und zu suggerieren, die Behörde würde von Mitgliedern arabischer Großfamilien unterwandert. Der Brief wirkt auf uns hasserfüllt. Der Verfasser rechtfertigt sein anonymes Vorgehen mit einer Repressionskultur in unserer Behörde“, schreiben Kandt und Koppers.

Beide drücken ihre Überzeugung aus, dass „die in der Polizei Berlin arbeitenden Menschen hinter den Grundwerten unserer Verfassung stehen“. Gleichzeitig versprechen die Polizeichefs: „Aber natürlich verschließen wir die Augen nicht davor, dass Vielfalt anstrengend ist und Anstrengungen von uns allen erfordert. Wir müssen uns darum kümmern und sind schon dabei, allen, vor allem Führungskräften das nötige Rüstzeug dafür zur Verfügung zu stellen.“ Sachlich vorgetragene Kritik solle ernst genommen werden. Der Frust dürfe allerdings nicht in einer Sprache formuliert werden, die „rassistisch anmutet“. Jeder Polizist müsse sich Gedanken machen über „Feindbilder in unseren Köpfen“.

Abschließend kündigen Kandt und Koppers die Einrichtung eins Blogs an, in dem die Polizeichefs mit den Polizisten in einen Austausch treten wollen. „Dazu gehört das Thema Umgang mit Vielfalt ebenso wie das Thema Umgang mit Straftaten von Kollegen oder Kolleginnen und das Feindbild Strafverteidiger“, heißt es weiter. Auch auf Facebook nahm die Berliner Polizei Stellung:

GdP: Polizeiführung nimmt Vorwürfe nicht ernst

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich damit nicht zufrieden. GdP-Sprecher Benjamin Jendro sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Schreiben wirke nicht so, als würden die Vorwürfe ernst genommen. Kollegen würden sich bei Problemen nicht freiwillig an die Führung wenden. „Es gibt keine klare Kritikkultur.“ Auch bei der Gewerkschaft habe sich bislang niemand direkt gemeldet.

Aus Sicht der GdP gibt es strukturelle Defizite an der Polizeiakademie. Früher gab es fünf Ausbildungs-Polizisten für jede Klasse. Sie hätten Werte vermittelt, Fehlentwicklungen frühzeitig gesehen. Jetzt gebe es lediglich einen Klassenlehrer, so Jendro. „Keiner begleitet die jungen Menschen. Das finden wir nicht gut.“

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