Raubüberfall

21-Jähriger stirbt nach Messerangriff in Wilmersdorf

An der Bundesallee in Wilmersdorf wurde ein 21-Jähriger bei einem Raubüberfall erstochen. Seine Mutter war dabei.

Einsatzkräfte sperrten am Montag den Tatort ab. Rettungskräfte versuchten noch am Abend das Leben des Mannes zu retten

Einsatzkräfte sperrten am Montag den Tatort ab. Rettungskräfte versuchten noch am Abend das Leben des Mannes zu retten

Foto: Paul Zinken / dpa

Es war um 22.45 Uhr, als die verzweifelten Hilfeschreie einer Frau die Stille des Sonntagabends durchbrachen. Ihr 21-jähriger Sohn war auf einem Parkplatz an der Bundesallee in Wilmersdorf von einem bis jetzt Unbekannten mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt worden – er starb vor der eigenen Wohnungstür. Die von einem Anwohner alarmierten Rettungskräfte konnten das Leben des Mannes nicht mehr retten. Die Mordkommission ermittelt nun im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft.

Noch einen Tag später ist die Blutlache zu sehen

Am Tag danach blieb der Spätkauf der Familie des Opfers an der Bundesallee, unweit der Trautenaustraße und nördlichen Eingangs zum U-Bahnhof Güntzelstraße, geschlossen. Einzig 35 „Winkekatzen“, so genannte Maneki-neko-Figuren, winkten aus dem Schaufenster.

Der Heimweg der Betreiberin und Mutter des Opfers ist von dort keine 100 Meter weit, und doch weit genug für eine Tat, die für den gutbürgerlichen Stadtteil Wilmersdorf äußerst unüblich ist: Mord – vermutlich.

Die Vietnamesin spazierte am Sonntagabend in Begleitung ihres Sohnes in Richtung ihrer Wohnung. Auf dem Parkplatz direkt vor der Wohnungstür ließ noch am Montag eine Blutlache erahnen, was dann passierte. Offenbar wollte die Frau die Einnahmen wegbringen, als sie mit ihrem Sohn Opfer eines bewaffneten Raubüberfalles wurde. Die Berliner Polizei konnte dies am Montag „weder bestätigen, noch dementieren“. Sicher ist: Der Täter zückte ein Messer und stach auf den 21-Jährigen ein. Ein Mitarbeiter des Motorradgeschäftes „Polo“, das seinen Hintereingang direkt in Richtung des Parkplatzes hat, sagt, der Täter stach in den Hals.

Das Blut auf dem Boden vor der Hausnummer 196 verteilt sich noch am Montag über einige Meter. Das Absperrband der Polizei liegt dort zusammengeknüllt auf einem Haufen, selbst die blauen, mit Blut verschmierten Gummihandschuhe haben die Ermittler zurückgelassen. Die Verpackung einer Mullkompresse zeugt von den Hilfeleistungen der Rettungskräfte. „Es gibt noch keine Erkenntnisse zum Motiv“, erklärt ein Sprecher der Berliner Polizei – auch nicht zum Täter. Die Mutter des Toten habe noch nicht befragt werden können, sie selbst sei noch in ärztlicher Behandlung im Krankenhaus. Es ist eine Tat, die Fragen aufwirft.

Um diese zu klären, ermittelt die Kriminalpolizei in alle Richtungen, befragte Anwohner und Mitarbeiter der umliegenden Geschäfte. So auch Thi Lap Ho, Inhaberin des Restaurants „Mai Lin Quan“ und selbst Vietnamesin. Sie habe sich am Morgen über die vielen Streifenwagen erschrocken und sagt: „Die Polizei hat mich befragt, aber ich habe keine Ahnung, was passiert ist.“ Gleiches gilt für Isak Avca, Mitarbeiter des Motorradgeschäftes „Polo“. Es sei wohl um Geld gegangen, erzählt Avca. Die Mutter des Opfers wohne hinter dem Geschäft, ab und zu sei man sich begegnet, wenn sie von ihrem Spätkauf kam.

Die Mutter des Opfers ist noch in ärzlicher Behandlung

Eine davon ist Roswitha Birkholz. Sie wohnt seit 30 Jahren dort, wo nun ein Tatort ist. Bewohner der U-förmigen Mehrfamilienhäuser haben aus ihren Wohnungen einen direkten Blick auf den Parkplatz. Birkholz selbst habe die Schreie der Frau am Abend nicht vernommen, erzählt sie, der Schreck kam für sie am nächsten Tag: „Eigentlich ist das ein ganz friedliches Wohnen hier“, sagt sie. Auch der erstochene 21-Jährige sei eher ruhig gewesen, unauffällig, stets gut gekleidet. Die Tat erscheint Birkholz genauso schleierhaft wie der Staatsanwaltschaft – zumindest bis jetzt. Die Mutter des Opfers soll vernommen werden, sobald sie nicht mehr in ärztlicher Behandlung ist.

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