Adventszeit

Weihnachtsmärkte - Mehr Sicherheit und dafür weniger Buden

Betonpoller und Videoüberwachung: Polizei, Veranstalter und Bezirke beraten über Maßnahmen für die Weihnachtsmärkte.

Betonbarrieren sichern die „Winterwelt“ am Potsdamer Platz. Auch andere Weihnachtsmärkte werden voraussichtlich damit ausgestattet

Betonbarrieren sichern die „Winterwelt“ am Potsdamer Platz. Auch andere Weihnachtsmärkte werden voraussichtlich damit ausgestattet

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Glühwein, gebrannte Mandeln und Getümmel auf den Weihnachtsmärkten: Anfang November schon an Weihnachten zu denken, fällt den meisten noch schwer. Aber die Vorbereitungen für die Weihnachtsmärkte in Berlin laufen auf Hochtouren. Spätestens am 27. November, dem Montag nach Totensonntag, wird die Weihnachtsmarktsaison beginnen.

Und die zentrale Frage lautet, wie sicher der Besuch auf einem Weihnachtsmarkt gemacht werden kann – besonders vor dem Hintergrund des Anschlags im vergangenen Jahr auf dem Breitscheidplatz in Charlottenburg. Am 19. Dezember war der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem gestohlenen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt rund um die Gedächtniskirche gerast. Elf Besucher des Marktes kamen bei dem Anschlag ums Leben, außerdem der erschossene polnische Fahrer des Lkw.

Vor der Eröffnung der aktuellen Weihnachtsmarktsaison beraten derzeit Polizei, Veranstalter und die Bezirke über Sicherheitskonzepte der einzelnen Veranstaltungen. „Wir haben mit den Abstimmungen der Sicherheitskonzepte begonnen“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf der Berliner Morgenpost. Man stehe aber bereits seit Jahren in Kontakt zu den Veranstaltern, hieß es. „Es wird auf jeden Fall auf den großen Weihnachtsmärkten Betonpoller geben.“ Dazu werde natürlich auch der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Charlottenburg zählen.

Die Veranstalter müssen ihre erarbeiteten Sicherheitskonzepte den jeweiligen Bezirksämtern vorstellen. Diese prüfen sie anschließend in Absprache mit der Polizei. Für mögliche Veränderungen gibt es dann wieder Absprachen mit den Veranstaltern. „Es gibt kein generelles Sicherheitskonzept für alle Weihnachtsmärkte“, sagte Neuendorf. Es käme auf die Größe an, und wo die Märkte stattfinden.

Rettungswege müssen frei bleiben

„Die Weihnachtsmärkte haben unterschiedliche Gefährdungspotentiale.“ Er sprach von etwa einem Dutzend großer Märkte wie etwa auf dem Alexanderplatz, dem Breitscheidplatz, oder auf dem Potsdamer Platz. Nach Angaben Neuendorfs sei auch geplant, zusätzlich Polizeifahrzeuge an besonders gefährdeten Stellen zu platzieren. Auch Zufahrten könnten verbaut werden. Das kann auch dazu führen, dass einige Weihnachtsmärkte weniger Buden aufbauen, als in den Jahren zuvor, da für die Betonpoller Platz benötigt wird, aber auch die Rettungswege frei bleiben müssen.

„Wir werden als Polizei auf den Weihnachtsmärkten zu sehen sein“, sagte Neuendorf, betonte aber, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gebe. „Wir haben alle einen möglichen Anschlag mit einem Fahrzeug im Kopf.“ Es gebe aber noch andere Formen des Terrorismus. „Sollte sich aufgrund aktueller Ereignisse die Gefährdungslage ändern, dann werden auch die Sicherheitskonzepte kurzfristig angepasst.“

Video: Mindestens zwölf Tote auf dem Weihnachtsmarkt

Neben Pollern, Polizeifahrzeugen und -präsenz setzen andere Städte auch auf mehr Kommunikation und Videoüberwachung. Auf dem weltweit bekannten Nürnberger Christkindelmarkt etwa werden alle Markthändler über einen SMS-Verteiler benachrichtigt, wenn Gefahr droht. Darunter können auch Warnungen vor Taschendieben oder Unwettern sein. Zusätzlich gibt es auch Lautsprecheranlagen. Zum Konzept der Stadt Tübingen gehört eine deutliche Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege. In München und Frankfurt sollen große Weihnachtsmärkte mit Videokameras überwacht werden.

Bei der „Winterwelt“ auf dem Potsdamer Platz in Mitte, die am vergangenen Freitagabend bereits begonnen hat, sind die Betonpoller deutlich sichtbar. Veranstalter Arnold Bergmann sagte gegenüber dem Sender RBB, dass der „Platz mit mehreren Tonnen Beton eingepollert wurde“. Zusätzlich würde man mehr Sicherheitsmitarbeiter auf dem Platz einsetzen, die extra geschult wurden. Insgesamt 40 Betonpoller sollen die „Winterwelt“ schützen. Dadurch würden zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 50.000 Euro entstehen.

Polizei plant Kampagne gegen Taschendiebstahl

Neben allen Sicherheitsvorkehrungen plant die Polizei am ersten Adventswochenende zudem eine Kampagne gegen Taschendiebstähle. Das geht aus der Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor. Bereits 2016 hatten die Beamten gemeinsam mit der Bundespolizei auf großen Bahnhöfen und auf Weihnachtsmärkten vor Taschendieben gewarnt.

Polizei Berlin: Mit Aufklebern gegen Taschendiebstähle

Bei Streifen auf Weihnachtsmärkten wird die Polizei auch gemeinsam mit Polizisten aus Rumänien unterwegs sein. Die Zusammenarbeit erfolge im Rahmen einer Kooperation mit Rumänien, die auch 2018 fortgesetzt werden soll. Diese Zusammenarbeit besteht bereits seit vier Jahren. Ende August 2013 hatte der ehemalige Innensenator Frank Henkel (CDU) eine Vereinbarung über wechselseitige Hospitationen unterzeichnet – zum Erfahrungs- und Kulturaustausch unter Polizisten.