Anonyme Voice-Mail

Berliner Polizei prüft Vorwürfe gegen Polizeiakademie

In einer Audio-Datei beklagt sich ein Ausbilder über unhaltbare Zustände an der Berliner Polizeiakademie. Doch daran gibt es Zweifel.

Die Landespolizeischule in Spandau (Archivbild)

Die Landespolizeischule in Spandau (Archivbild)

Foto: Körner,Michael / action press

Berlin. Die Berliner Polizei überprüft eine Audio-Datei, in der ein Dozent unhaltbare Zustände an der Polizeiakademie in Spandau beklagt. Die anonyme Voice-Mail, die der Berliner Morgenpost vorliegt, stammt aus einem privaten Chat und wird derzeit über diverse Whatsapp-Gruppen verteilt. Darin beklagt der Sanitäter die Verhaltensweisen von Migranten in der Polizeiakademie und spricht "vom Feind in unseren Reihen".

Bereits in der vergangenen Woche wurde Polizeipräsident Klaus Kandt die Datei vertraulich von einem Mitarbeiter übermittelt. An der Echtheit der Aufnahme bestehe kein Zweifel, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. "Wir werden uns die Schule genauer anschauen, mit Schülern und Auszubildenden sprechen, was dort für Missstände herrschen." In der Aufnahme beklagt sich ein Mann über Hass, Lernverweigerung und Gewalt in einer Klasse mit vielen Polizeischülern mit Migrationshintergrund. Demnach kommt der Mann zu dem Fazit: "Das sind keine Kollegen, das ist der Feind. Das ist der Feind in unseren Reihen."

Erhebliche Zweifel an den drastischen Aussagen

Inzwischen gibt es erhebliche Zweifel an den drastischen Aussagen des Sanitäters. Demnach konnte man etwa bestätigen, dass die Polizeischüler Basecaps im Unterricht getragen und nicht auf Nachfragen reagiert hätten. Über Gewalt sei laut Polizei aber nichts bekannt. Die Klasse, in der jener Sanitäter mit einem Kollegen zusammen eine Stunde gab, besteht aus kommenden Schutzpolizisten. Die Schüler sind zum großen Teil erst 16 und 17 Jahre alt und seit wenigen Wochen an der Polizeiakademie.

An der Akademie komme es immer wieder zu Problemen, sagte Neuendorf. Auch begingen Schüler Straftaten. So sorgten etwa dealende Brüder und ein Polizeischüler der mit Dealerware handelte für Schlagzeilen. Die Beschwerden des Ausbilders hätten jedoch eine andere Qualität. "Sie wurden sehr emotional vorgetragen", so der Sprecher. "Kritik ist in Ordnung. Der Ton und die Form waren jedoch nicht angemessen." Man hätte sich gewünscht, dass sich der Ausbilder direkt an seine Vorgesetzten wendet. Das sei nicht geschehen.

"Frechheiten und Disziplinlosigkeiten werden wir nicht zulassen"

Den Angaben des Mannes werde jetzt trotzdem nachgegangen. "Frechheiten und Disziplinlosigkeiten werden wir nicht zulassen", so Neuendorf. "Wir brauchen Schüler, die einen vernünftigen Umgang mit Vorgesetzten und Klassenkameraden pflegen."

Der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist der Vorfall ebenfalls bekannt. Seit geraumer Zeit gebe es immer wieder Äußerungen über die Akademie, an der jährlich mehr als 1200 Menschen ausgebildet würden, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. "Das ist aber nichts Handfestes, sondern immer nur vom Hörensagen. Unser Problem ist, dass sich bei uns noch niemand gemeldet hat." Auffällig sei jedoch, dass sich die Beschuldigungen immer gegen Menschen mit Migrationshintergrund richteten.

Die Berliner Polizei hat einen Migrantenanteil von mehr als 30 Prozent. Zudem sei von den verschiedenen Polizeibehörden in Berlin noch nie etwas Vergleichbares geäußert worden. In einem Fall habe sich auch herausgestellt, dass die Vorwürfe nicht stimmen konnten. Jendro forderte diejenigen, die etwas wissen, auf, sich zu melden. (mit dpa)

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