Nach Air-Berlin-Aus

Lufthansa-Jumbos bringen Flughafen Tegel an seine Grenzen

Die Lufthansa setzt jetzt das zweitgrößte Passagierflugzeug der Welt auf der Strecke nach Frankfurt/Main ein. Das sorgt für Probleme.

Eine Boeing 747-400 der Lufthansa

Eine Boeing 747-400 der Lufthansa

Foto: Ingrid Friedl / Lufthansa

Berlin. Beim Anflug auf den Flughafen 280 Stundenkilometer schnell, ungefähr 260 Tonnen schwer und an Bord bis zu 350 Passagiere – das sind die Daten für eine Boeing 747. Mit der Landung des Fluges LH 168 am Mittwoch um 18.25 Uhr in Tegel beginnt für den Flughafen und seine Mitarbeiter ein Monat der Herausforderungen. Denn von Mittwochabend an setzt die Lufthansa (LH) auf der Kurzstrecke zwischen Frankfurt/Main und Berlin den Jumbojet, das zweitgrößte Passagierflugzeug der Welt ein. Die Boeing 747-400 wird mehr als 60 Mal zu den verkehrsreichsten Zeiten des Tages zu Gast in Tegel sein, statt der sonst üblichen Kurzstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A320 und A321.

Die Lufthansa begründet diese Maßnahme mit der derzeit außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Tickets auf der Strecke zwischen Berlin und Frankfurt. Auf der Strecke war bislang auch die Air Berlin geflogen, doch die Airline musste bekanntermaßen am 27. Oktober ihren Betrieb einstellen.

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„Mit den bisherigen Flugzeugkapazitäten wäre das nicht zu bewältigen“, sagte LH-Sprecher Wolfgang Weber. Man fliege bereits im Stundentakt, mehr ginge nicht. „Der Einsatz der 747-400 in Tegel durch die Lufthansa ist für die geplante befristete Dauer operativ in der Abfertigung möglich“, sagte Flughafensprecher Lars Wagner. Der Betrieb in TXL sei allerdings nicht längerfristig für Maschinen dieser Größe ausgelegt.

Letzter Air-Berlin-Flug am Flughafen Berlin Tegel gelandet
Letzter Air-Berlin-Flug am Flughafen Berlin Tegel gelandet

Flughafen Tegel ist für Jumbojets nicht ausgelegt

„Eigentlich gibt es keinen Platz für die 747-400 in Tegel, aber den nutzen wir sehr gut aus“, sagte LH-Operations-Managerin Katrin Pasinli. „Wir haben für alle offenen Fragen bislang pragmatische Lösungen gefunden.“ Seit etwa Mitte September werde mit Hochdruck an den Vorbereitungen gearbeitet. Zusätzlich zum täglichen Geschäft. Tägliche interne Abstimmungen, Telefonate und Gespräche mit allen beteiligten Dienstleistern, die weit mehr Zeit erfordern als ein normaler Arbeitstag von acht Stunden. Es sei eine riesige Herausforderung für den Flughafen, sagte sie. Einen Vorgeschmack auf die Starts und Landungen großer Maschinen bekamen die Mitarbeiter des Flughafens Ende des vergangenen Monats.

Zwischen dem 23. und 25. Oktober setzten die drei zum Lufthansa-Konzern gehörenden Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian bereits Großraumflugzeuge wie den Airbus A340-300 und A340-600 ein. Durch den Einsatz der größeren Flugzeuge ließen sich deutlich mehr Fluggäste transportieren, sodass möglichst viele Reisewünsche der Berliner erfüllt werden können, hieß es.

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„Das hat nur so gut funktioniert, weil die Mitarbeiter in Tegel alle ihr Handwerk verstehen, die Zusammenarbeit mit dem Flughafen reibungslos geklappt hat und die Lufthansa intern sehr gut organisiert ist“, sagte die Operations-Managerin. So habe man Passagiere im Terminal B abgefertigt und am Terminal C einsteigen lassen. Oder es gab das walk boarding, bei dem die Passagiere zu Fuß zu den Maschinen gehen. „Dabei musste natürlich zusätzliches Personal den Weg absichern.“

Nach der Landung einer 747 beginnt dann ein Kampf gegen die Uhr. Denn für den Jumbo beträgt die geplante Standzeit zwischen Landung und Start nur 50 Minuten. Nahezu unmöglich, sagen Insider, „ambitioniert“ nennen es LH-Mitarbeiter. „Die Maschinen werden in Frankfurt schon so betankt, dass die Menge für den Hin- und Rückflug reicht“, erklärte Pasinli. „Damit sparen wir viel Zeit in Berlin.“ Auch das Catering für den Rückflug werde bereits in Frankfurt an Bord gebracht.

Oberdeck der 747 bleibt beim Kurzstreckenflug geschlossen

Eine Besonderheit der Boeing 747 werden die Passagiere beim Kurzstreckenflug allerdings vermissen. „Aus zeitlichen Gründen muss das Oberdeck in den Jumbojets leider geschlossen bleiben“, sagte Weber. „Wir würden sonst beim Ein- und Ausstieg der Fluggäste zu viel Zeit verlieren.“ Dennoch müssen in weniger als einer Stunde die mehr als 300 Passagiere die Maschine verlassen, sie muss be- und entladen sowie gereinigt werden, und die Passagiere nach Frankfurt müssen einsteigen.

Ein weiteres Problem: Die 747-400 ist für ein Andocken an die Fluggastbrücken in Tegel zu groß, daher werde die Maschine grundsätzlich auf einer Vorfeldposition stehen. „Anhand der Buchungszahlen müssen bis zu vier Busse für den Transport der Passagiere zum Terminal eingesetzt werden“, erklärte Pasinli. Auch das Pushback-Fahrzeug, das die 747-400 auf den Rollweg schieben kann, ist vorhanden und eine mobile Enteisungsanlage für Flugzeuge dieser Größe. Eine Ausnahme bildet in diesem Fall der Ramp Agent.

Er ist der Ansprechpartner für die Cockpit- und Kabinenbesatzung und ist das Bindeglied zwischen Operations Office, Einsatzzentrale der Fluggesellschaft, dem Personal am Gate, der Technik und den Vorfeldarbeitern. „Er überwacht und koordiniert alle Dienstleistungen, die an der 747 während der Bodenzeit geleistet werden“, erklärte Pasinli. „Normalerweise machen das die Ramp Agents an den jeweiligen Flughäfen, für die Boeing 747 wird er in diesem Fall für jede Abfertigung mit den Passagieren nach Berlin fliegen.“

Je nach Volumen der Beladung würden auch mehrere Ladegruppen mit je drei bis fünf Mitarbeitern im Einsatz sein. Besonderes Augenmerk gilt dem Check-in. „Wir benötigen ausreichend Personal und Equipment an den Schaltern, um bis zu 350 Passagiere schnell für den Flug einzuchecken“, sagte die Managerin. Dafür werde voraussichtlich Terminal B genutzt. „Terminal C ist im Moment noch keine Option, da fehlt es noch an der Logistik.“

Die Jumbo-Flüge nach Tegel sind nicht unumstritten. Anwohner befürchten eine deutlich höhere Lärmbelastung durch die vierstrahligen Maschinen. Nach derzeitigem Stand ist der Einsatz der B747 bis Ende November befristet.

Video Playlist Insolvenz Air Berlin
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