Wohnen in Berlin

Senatorin: 20.000 Wohnungen werden dieses Jahr fertig

Bausenatorin Katrin Lompscher hält an ihrem Ziel fest. Sie lehnt eine Bebauung der Elisabeth-Aue in Pankow weiterhin ab.

In Berlin fehlen Tausende Wohnungen

In Berlin fehlen Tausende Wohnungen

Foto: Daniel Naupold / dpa

Berlin.  Katrin Lompscher (Linke) hält den Bau von 20.000 Wohnungen in diesem Jahr für realistisch. Das sagte die Bausenatorin im Interview der Berliner Morgenpost. „Es ist aber klar, dass wir diese große Aufgabe nur lösen können, wenn alle Seiten mit Hochdruck arbeiten“, sagte Lompscher. Sie wies zugleich Kritik des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) zurück, dass sich ihre Verwaltung zu sehr dem Schutz von preiswerten Mieten widme und dadurch den Neubau vernachlässige. „Dass Wohnungsneubau eine Schwerpunktaufgabe dieser Koalition ist, ist in jedem Fall seit der Unterschrift unter dem Koalitionsvertrag klar“, sagte Lompscher.

Aus einem Zwischenbericht zum Stadtentwicklungsplan 2030 geht hervor, dass in Berlin bis 2030 mindestens 194.000 neue Wohnungen gebaut werden müssen, um mit der wachsenden Stadt Schritt zu halten und den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Im aktuellen Stadtentwicklungsplan 2025 ging der Senat noch von einem Bedarf von 10.000 Neubauwohnungen im Jahr aus. Laut dem Zwischenbericht benötigt die Stadt nun mehr als doppelt so viel Bautätigkeit. Denn nach der jüngsten Bevölkerungsprognose wächst Berlin bis 2030 um gut 180.000 Einwohner. Das entspricht etwa der Größe einer Stadt wie Saarbrücken. Allein bis 2020 kommen zu den derzeit knapp 3,7 Millionen Hauptstädtern etwa 106.000 Menschen dazu, dann könnte sich der Zuwachs etwas abschwächen.

Um die Aufgabe zu bewältigen sollen laut Lompscher im Haushalt für die kommenden zwei Jahre 146 zusätzliche Stellen in der Stadtentwicklungsverwaltung beschlossen werden. Da aufgrund des Volksentscheids für die Offenhaltung von Tegel eine Bebauung des Flughafengeländes derzeit ungewiss ist, kommt nun die Erschließung der Elisabeth-Aue im Norden Pankows wieder ins Gespräch. Dort könnten etwa 5000 Wohnungen für 12.500 Menschen entstehen. Eigentlich hatte Rot-Rot-Grün beschlossen, auf der Freifläche zwischen den Ortsteilen Französisch-Buchholz und Rosenthal nicht zu bauen. Der Regierende Bürgermeister Müller hatte das Thema jedoch unlängst im Abgeordnetenhaus wieder aufgerufen. Nun sagt seine Bausenatorin: „Wir haben uns im Koalitionsvertrag klar zur Elisabeth-Aue verständigt – davon jetzt abzurücken, weil die Wohnungsbaupotenziale in Tegel vielleicht verloren gehen, halte ich nicht für zielführend.“

Suche nach weiteren Flächen im Stadtgebiet läuft

Man müsse laut Lompscher zunächst abwarten, wie sich die anderen BER-Gesellschafter, also der Bund und das Land Brandenburg zum Volksentscheid Tegel positionieren. „Solange dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist, ist das Wohnungspotenzial noch nicht verloren.“ Insgesamt könnten im Umfeld des Flughafens 25.000 Wohnungen entstehen.

Sie plädierte dafür, den Stadtentwicklungsplan 2030 abzuwarten. „Wenn wir bessere Flächenpotenziale finden als die Elisabeth-Aue, dann werde ich diese immer bevorzugen“, sagte die Senatorin. Einen Entwurf des Plans will sie im Sommer 2018 vorstellen.

Kritik an der erneuten Beschäftigung ihres ehemaligen Staatssekretärs Andrej Holm hält die Bausenatorin für unbegründet. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass der Gentrifizierungsexperte Holm in einem wichtigen Beratergremium mitarbeitet, das sich um den Berliner Stadtentwicklungsplan kümmert. Lompscher hatte Holm beim Start von Rot-Rot-Grün im Dezember 2016 zum Staatssekretär berufen, gut einen Monat später musste er wegen falscher Angaben zu seiner Stasitätigkeit in der Wendezeit zurücktreten.

CDU, FDP und AfD forderten am Donnerstag im Abgeordnetenhaus, die Besetzung zu missbilligen oder den Stadtsoziologen zu entlassen. Lompscher hält die Kritik für unangebracht und verwies auf die wissenschaftliche Expertise des Stadtsoziologen Holm. Sie sagte zudem, die rot-rot-grüne Koalition wisse seit einem halben Jahr von der Besetzung des Beratungsgremiums. Der Missbilligungsantrag der AfD war am Donnerstag im Parlament gescheitert.

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