Statistik

An diesen Berliner Orten gibt es die meisten Verkehrunfälle

Die Senatsverwaltung legt eine Liste vor aus der hervorgeht, wo es für Verkehrsteilnehmer am gefährlichsten ist.

Ein weißes Fahrrad, Grablichter und ein Schild mit der Aufschrift "Radfahrerin 08.12.2016" steht auf dem Grünstreifen einer Straße im Berliner Stadtteil Charlottenburg. [ Rechtehinweis: (c) dpa ]

Ein weißes Fahrrad, Grablichter und ein Schild mit der Aufschrift "Radfahrerin 08.12.2016" steht auf dem Grünstreifen einer Straße im Berliner Stadtteil Charlottenburg. [ Rechtehinweis: (c) dpa ]

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache

Die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Tempelhof-Schöneberg bleiben Berlins Unfallschwerpunkte. Das geht aus einer umfangreichen Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage der Linke-Abgeordneten Niklas Schrader, Anne Helm und Harald Wolf hervor.

Demnach erfasste die Polizei (Stand Oktober 2017) in diesem Jahr 11.487 Unfälle in Mitte, 11.166 in Charlottenburg-Wilmersdorf und 8658 in Tempelhof-Schöneberg. Die Werte entsprechen etwa jenen aus den Vorjahren. Rechnet man alle Unfälle in allen Berliner Bezirken in den ersten drei Quartalen dieses Jahres zusammen, kommen die Statistiker auf 82.970 Unfälle. Von den 9987 Verunglückten waren 2939 Fahrradfahrer und 1297 Fußgänger.

Geringer Sicherheitsabstand, Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren

Die meisten der Radunfälle (2742) ereigneten sich zwischen Fahrradfahrern und Autos. Interessant ist ein Blick in die Verursacherstatistik. Daraus wird ersichtlich, dass bei Abbiege-Unfällen in den überwiegenden Fällen die Autofahrer schuld sind, ähnlich sieht es beim zu knappen Überholen aus.

Zu den häufigsten Verstößen der Autofahrer bei Unfällen mit Radfahrern gehören laut Polizei zu geringer Sicherheitsabstand, Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren und fehlerhaftes Wechseln in den Fahrradstreifen. Umgekehrt sind die häufigsten Verstöße von Fahrradfahrern ungenügender Sicherheitsabstand, fehlerhaftes Einfahren in den Fließverkehr und die verbotswidrige Benutzung der Fahrbahn und anderer Straßenbereiche.

Linke-Abgeordneter fordert mehr Tempo bei Radgesetz

Der Linke-Abgeordnete Niklas Schrader forderte angesichts der Zahlen, dass man beim Radgesetz "endlich auf die Tube drücken muss". "Wir müssen auch dringend Radwege ausbauen und Kreuzungen sichern", sagte Schrader der Berliner Morgenpost und griff damit eine Forderung der Initiative Volksentscheid Fahrrad auf. Diese hatte kürzlich kritisiert, dass das Berliner Mobilitätsgesetz, zu dem das Radgesetz gehört, nur schleppend vorankomme. Mit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr rechnet eigentlich niemand mehr. Grund für die Verzögerung seien die mehr als 600 Einwendungen, die alle noch abgearbeitet werden müssen.

Wie berichtet soll aber die Fahrradstaffel der Berliner Polizei ausgebaut werden. Pläne hierfür befinden sich gerade in Abstimmung. Auch das Ordnungsamt Mitte ist mittlerweile mit Fahrradstreifen unterwegs. Ein besonderes Augenmerk bei den Kontrollen liegt auf dem Parken auf Radwegen, auf Busspuren und in zweiter Reihe. In dieser Woche läuft dazu ein Schwerpunkteinsatz.

Das abrupte Öffnen der Fahrzeugtür ist laut Polizei kein Erfassungskriterium

Allein im vergangenen Jahr sei es in Berlin zur Anzeige von 31.693 Halt- und Parkverstößen, 22.409 Verstößen auf Busspuren und 55.900 Verstößen in zweiter Reihe gekommen. Die Polizei betonte, auf Radwegen und Busspuren dürfe grundsätzlich weder kurzfristig gehalten noch geparkt werden. 2016 waren in Berlin 17 Radfahrer ums Leben gekommen. Das war der höchste Wert der vergangenen Jahre. In den ersten neun Monaten 2017 starben sieben Radfahrer. Für Schlagzeilen sorgte ein Unfall an der Hermannstraße im Juni dieses Jahres. Dort war ein 51-jähriger Radfahrer gegen die plötzlich aufgerissene Tür eines Diplomatenwagens geprallt und verstorben.

Erst diesen Donnerstag war es wieder zu einem ähnlichen Unfall mit einem Radfahrer gekommen. Der 35-Jährige hatte sich beim Aufprall gegen eine achtlos geöffnete Autotür schwere Verletzungen zugezogen. Der Mann war nach Polizeiangaben auf der Oranienstraße in Kreuzberg unterwegs, als ein Autofahrer nach dem Einparken die Tür öffnete. Infolge der Kollision wurde der Radfahrer ins Krankenhaus auf die Intensivstation gebracht, der Unfallverursacher blieb unverletzt. Das abrupte Öffnen der Fahrzeugtür ist laut Polizei aber kein Erfassungskriterium. Solche Verkehrsunfälle würden mit der Ursache "verkehrswidriges Verhalten beim Ein- oder Aussteigen" erfasst und in die Gesamtstatistik einfließen.

Mehr zum Thema:

Wieder schwerer Unfall mit Carsharing-Auto

Tödlicher Unfall: Zweites Unfallopfer auf Intensivstation

Tödlicher Unfall mit Smart - Fahrer und Opfer kannten sich

Geöffnete Autotür - Wieder Radfahrerin verletzt

Seniorin überrollt - 2700 Euro Strafe für LKW-Fahrer

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.