"Karneval der Kulturen"

Bericht: Nachrichten an toten Amri lösten Terror-Alarm aus

Der "Karneval der Kulturen" 2017 in Berlin stand kurz vor der Absage, heißt es in einem Bericht. Auslöser waren Nachrichten an den toten Amri.

Fahndungsfotos  von Anis Amri (Archiv)

Fahndungsfotos von Anis Amri (Archiv)

Foto: Arne Dedert / dpa

Mitteilungen, die nach dem Tod des Berlin-Attentäters Anis Amri in dessen Handy-Speicher landeten, haben die deutschen Sicherheitsbehörden vor Pfingsten 2017 in Alarmbereitschaft versetzt. Das berichtet der "Focus".

Demnach habe ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA) im März 2017 bei der Überprüfung von Amris Handy teils verschlüsselte Nachrichten eines Absenders aus dem Sudan entdeckt.

Darin hieß es unter anderem, dass die "Brüder aus Belgien" bereit seien, so der "Focus". In einer weiteren Mitteilung sei eine "große Hochzeit" angekündigt worden. Die Sicherheitsbehörden hätten daraus geschlossen, dass der "Karneval der Kulturen" in Kreuzberg stark gefährdet sei. Die von Hunderttausenden besuchte Veranstaltung sei daraufhin von der Absage bedroht gewesen, heißt es in dem Bericht. Spezialeinheiten wie GSG9 und SEK seien in ständige Alarmbereitschaft versetzt worden.

Die Tragödie am Breitscheidplatz

Parallel hätten BKA und Bundesnachrichtendienst (BND) ausländische Geheimdienste darum gebeten, den Absender der Nachrichten zu ermitteln. Laut "Focus" habe sich daraufhin die spanische Polizei gemeldet und mitgeteilt, ein verdeckt arbeitender V-Mann habe ohne Auftrag Amris Telefon angerufen, um den Verbleib des Handys zu klären und Reaktionen mutmaßlicher Islamisten zu testen. Das BKA habe daraufhin die spanischen Sicherheitsbehörden scharf kritisiert.

So wurde die Akte von Anis Amri gefälscht

Der Berliner Terroropfer-Anwalt Andreas Schulz sagte dem Bericht zufolge zu den Vorfällen: "Die Aktion der spanischen Polizei legt die Gewissheit nahe, dass Attentäter Anis Amri in Verbindung zu einem ausländischen Geheimdienst stand."

Recherchen von "Morgenpost" und RBB haben darüberhinaus ergeben, dass ein V-Mann des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts im Verdacht steht, Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri zu seinem Terroranschlag angestiftet zu haben.

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