Sturmschäden

Sturm „Xavier“: Schäden machen Berlin noch immer viel Ärger

Auch zwei Wochen nach Sturm „Xavier“ sorgen die etwa 56.000 beschädigten Bäume in Spielplätzen, Parks und Friedhöfen für Probleme.

Wie hier in Zehlendorf waren durch Sturm "Xavier" berlinweit etwa 56.000 Bäume beschädigt worden (Archiv)

Wie hier in Zehlendorf waren durch Sturm "Xavier" berlinweit etwa 56.000 Bäume beschädigt worden (Archiv)

Foto: Ralf Hirschberger / ZB

Zwei Wochen nachdem Sturm „Xavier“ durch Berlin gefegt ist, bekommen die Berliner noch immer die Folgen zu spüren. In Parks und Sportanlagen sind weiterhin Wege gesperrt. Die Forstämter warnen vor dem Betreten der Wälder. Die Forst- und Grünflächenämter kommen mit der Beseitigung der Millionenschäden nicht hinterher. Auch der technische Dienst der Berliner Feuerwehr ist noch immer nahezu täglich mit der Beseitigung von Sturmschäden beschäftigt.

Zu einem Einsatz von höchster Dringlichkeit wurde die Feuerwehr am Donnerstagmorgen in Mitte gerufen. Auf einem Spielplatz an der Rosenthaler Straße drohte ein durch den Sturm beschädigter Baum herabzustürzen. Anwohner hatten zunächst das Bezirksamt über die Gefahrensituation informiert, die Behörde sperrte den Spielplatz daraufhin und alarmierte um kurz nach 10 Uhr die Feuerwehr.

Das hat Sturmtief "Xavier" angerichtet
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Feuerwehr beseitigt und zerteilt gefährlichen Baum

Die sei umgehend mit Spezialisten des technischen Dienstes und schwerem Gerät, darunter ein Bergungskran, angerückt, sagte Feuerwehrsprecher André Mrázek. Der Baum wurde abgesägt und zerteilt. Nach Ende des Einsatzes konnte der nunmehr gefahrlos zu nutzende Spielplatz wieder freigegeben werden.

Eine mögliche Gefährdung spielender Kinder war nach Angaben von Mrázek bereits vor Tagen entdeckt worden. Daraufhin hatte die Feuerwehr den Baum zunächst abgestützt und mit einer Stahlschlinge gesichert. Am Donnerstag wurde diese erste Sicherungsmaßnahme dann als nicht mehr ausreichend bewertet.

Bezirke kommen beim Beseitigen der Schäden kaum voran

In allen zwölf Berliner Bezirken haben die Grünflächenämter Probleme, die zum Teil verheerenden Sturmschäden zu beseitigen – mit gravierenden Folgen für die Bürger. So dürfen auf dem Spandauer Friedhof In den Kisseln Familien ihre Verstorbenen nicht bestatten, Trauernde die Gräber ihrer Lieben nicht besuchen – Sturm „Xavier“ hat dort vor zwei Wochen solche Verwüstungen angerichtet, dass die Anlage seither komplett gesperrt ist.

Nach Einschätzung des Bezirksamtes Spandau wird das noch mindestens zwei Wochen so bleiben. Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU) spricht von einer „Katastrophe“. Doch das Betreten des Friedhofsgeländes an der Pionierstraße sei „derzeit einfach lebensgefährlich“.

Bestattungen müssen verschoben werden

Der waldartige Friedhof In den Kisseln ist mit 62 Hektar Fläche einer der größten in Berlin. Durchschnittlich sieben Bestattungen täglich finden dort bei normalem Betrieb statt. Derzeit müssen Familien Trauerfeiern an alternative Standorte, wie zum Beispiel das Krematorium Ruhleben, verlegen, die Bestattung aber verschieben, bis der Friedhof wieder sicher ist.

So legt Sturmtief Xavier Deutschland lahm
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Es seien auch ganze Grabsteinreihen von umstürzenden Bäumen zerschlagen worden. Die Betroffenen würden unterschiedlich reagieren, sagt Stefan Pasch. „Einige stehen weinend im Büro des Stadtrates“, so der Spandauer Fachbereichsleiter für Grünflächen. Manche würden auch auf andere Friedhöfe ausweichen.

Bezirke und Forste mahnen Spaziergänger zur Vorsicht

Das Sturmtief hatte in Spandau besonders stark gewütet. 555 Bäume hat der Orkan im Bezirk gefällt, 135 davon auf dem Friedhof In den Kisseln, weitere 500 Bäume an Straßen, auf Friedhöfen, Parks und Sportplätzen so stark geschädigt, dass sie fachgerecht saniert werden müssten. Die Sturmschäden durch „Xavier“ schätzt allein das Bezirksamt Spandau auf zwei Millionen Euro.

Eine Gesamtbilanz der jüngsten Sturmschäden in Berlin sei noch nicht möglich, sagte der Sprecher der Senatsumweltverwaltung, Matthias Tang. Die zwölf Bezirke seien noch immer mit der Aufnahme der umgeknickten, entwurzelten und beschädigten Bäume beschäftigt.

Weiterhin gilt Vorsicht in Grünflächen

Selbst in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo mit 180 Bäumen die Schadensbilanz geringer ausfällt als in Spandau, mahnt Grünflächenamtsleiter Walter Schläger zur Vorsicht in öffentlichen Grünanlagen. Es werde noch eine ganze Weile dauern, bis alle Gefahrenstellen beseitigt seien.

Das Bezirksamt Mitte hat zwar zu Wochenbeginn seine ebenfalls wegen Sturmschäden gesperrten Friedhöfe wieder freigegeben. Das Straßen- und Grünflächenamt bittet aber um Verständnis, „dass die Nutzung der Parks wegen der laufenden Arbeiten und der erforderlichen Sperren weiterhin nur sehr eingeschränkt möglich ist“.

Rund 46.000 Waldbäume beschädigt

Vor allem waldartige Stellen und Trampelpfade sollten Erholungssuchende weiterhin meiden, hieß es im Büro von Umweltstadträtin Sabine Weißler (Grüne). „Es können immer noch angebrochene Baumkronen unvermittelt abbrechen.“ Auch in den Berliner Wäldern hat „Xavier“ mehr Schäden angerichtet als zunächst gedacht.

Rund 46.000 Waldbäume, doppelt so viele wie nach ersten Schätzungen, seien durch den Sturm beschädigt worden, sagte Tang. Die Forste seien dabei, wenigstens die Hauptwege zu räumen. Die gesperrten Waldspielplätze könnten frühestens Ende kommender Woche wieder freigegeben werden.

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