Berlin

Strom: Netzentgelte in Berlin sinken im nächsten Jahr

Konzessionsstreit zwischen Land und Vattenfall erneut vor Gericht

Berliner Haushalte können für das Jahr 2018 mit sinkenden Netzentgelten rechnen. Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von 2200 Kilowattstunden (kWh) bedeutet dies in der Summe eine Einsparung von 18 Euro im Jahr, sagte Thomas Schäfer, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall. Dies entspräche einem Preisrückgang von rund zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2017.

Im Vergleich der 16 Landeshauptstädte schneidet Berlin damit vergleichsweise gut ab. Berlin liegt mit Netzkosten von 205 Euro im Jahr bei einem Bundesweiten Durchschnittsverbrauch von 3500 kWh pro Jahr im unteren Mittelfeld. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt bei 247 Euro. Da die Berliner, den vielen Singlehaushalten geschuldet, jedoch durchschnittlich lediglich 2200 Kilowattstunden verbrauchen, werden sie im kommenden Jahr voraussichtlich 172 Euro Netzentgelt zahlen – statt 190 Euro im Jahr 2017.

Unternehmen rechnet mit einem Urteil im November

Die Netzentgelte machen knapp 26 Prozent des Strompreises für private Haushalte aus. Die Festlegung der Höhe erfolgt nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur. Das Gesetz schreibt auch fest, dass die Höhe der Übertragungsnetzentgelte ab 2019 teilweise und ab 2023 vollständig bundesweit einheitlich festgelegt werden sollen. "Auch wenn wir keine Prognosen abgeben können, wie sich die Gesamtkosten insgesamt entwickeln, so gehen wir für das Berliner Verteilungsnetz eher von geringeren Kosten aus", so Thomas Schäfer weiter.

Unterdessen geht der Streit um die Konzession für das Berliner Stromnetz in die nächste Runde. Am 14. November wird das Landgericht Berlin über die Klage von Vattenfall gegen die Kriterien im Vergabeverfahren behandeln. Die bisherige Konzession war Ende 2014 ausgelaufen. "Wir rechnen zwar mit einem Urteil", so Stromnetz-Geschäftsführer Schäfer. Allerdings sei das zähe Verfahren damit noch lange nicht abgeschlossen. "Bekommen wir Recht, wird vermutlich das Land Berlin in Berufung gehen", sagte Schäfer. Falls die Stadt Recht bekomme, werde wohl Vattenfall in die zweite Instanz gehen. Das energiepolitische Ziel der rot-rot-grünen Koalition, das Stromnetz zu rekommunalisieren, rückt somit erneut in weite Ferne.

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