Plan für neue Gebäude

Unternehmer entwickeln Hochhausvisionen für die City West

In der City West übernehmen Geschäftsleute die Stadtgestaltung – weil der Senat keinen Hochhausplan hat.

Neue Hochhauspläne für den Hardenbergplatz des Architekten Christoph Langhof.

Neue Hochhauspläne für den Hardenbergplatz des Architekten Christoph Langhof.

Foto: Christoph Langhof Architekten

Normalerweise lädt die Politik die Bürger ein, um ihnen neue Infrastrukturprojekte, eine Olympiabewerbung oder auch die Gestaltung der historischen Mitte nahe zu bringen. In der City West ist das anders: "Die Zivilgesellschaft lädt die Politik ein, um ihnen Anregungen zu geben, wie die moderne Stadt aussehen soll", sagt der frühere Berliner Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU), heute Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens.

Denn es besteht akuter Handlungsbedarf: In weiten Teilen atmet die City West immer noch den Mief der Mauerstadt. Die AG City hatte deshalb am Mittwoch zum Workshop "Wachsende Stadt City West" eingeladen – und rund 200 Architekten, Planer, Bauträger, Projektentwickler und Geschäftsinhaber waren gekommen, um der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Zukunftsideen zu liefern, die diese "ziemlich nötig hat", sagte AG-City- Vorstand Gottfried Kupsch.

Hochhausentwicklungsplan lässt auf sich warten

Tatsächlich hat Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), nunmehr seit knapp einem Jahr im Amt, noch immer nicht den sogenannten Hochhausentwicklungsplan vorgelegt, nach dem auch in der City West weitere Türme geplant werden könnten. Und, noch schlimmer aus Sicht des versammelten Fachpublikums: "Auch die Arbeitsgruppe, die den Hochhausplan auf den Weg bringen soll, ist noch nicht einmal zusammengekommen", kritisierte Oliver Schruoffeneger, grüner Baustadtrat des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.

Im Koalitionsvertrag von Rot-Rot-Grün ist die Aufstellung eines solchen Plans jedoch festgeschrieben. Die Nachfrage der Berliner Morgenpost bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, warum dies so lange dauert, blieb am Mittwoch bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Es sei Zeit, dass am Kudamm etwas passiert, das rockt

In dem planerische Vakuum preschte nun die AG City vor, die bereits eifrig dabei ist, mit ihren Visionen der westlichen Innenstadt ein neues Gesicht zu geben. "Wir haben ,The Haus' gemacht, weil wir finden, dass es an der Zeit war, dass am Kudamm etwas passiert, das rockt", sagt Matthias Groß, Niederlassungsleiter der Pandion GmbH, die vor dem Abriss ein leeres Geschäftshaus an der Nürnberger Straße 175 Künstlern überlies, die daraus ein spektakuläres Gesamtkunstwerk machten, das im Sommer rund 80.000 Gäste anzog.

Inzwischen ist das Gebäude abgerissen, in Kürze soll die Baugrube für ein Haus mit 65 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten entstehen. An dieser Stelle einen Neuanfang zu wagen, direkt gegenüber vom unattraktiven Parkhaus des Europacenters, habe schon eine ganze Menge Mut gebraucht, so Groß.

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wartet auf grünes Licht für 100-Meter-Turm

Auf den Mut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, für das Areal unmittelbar hinter dem Bahnhof Zoo, zwischen Jebensstraße, Fasanenstraße, und Hertzallee, hofft auch Jörg Musial, Verkaufsleiter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Die Bima möchte dort einen baulichen Neuanfang starten, an dessen Ende alle Beschäftigten in Berlin und Potsdam, rund 1300 an der Zahl, Platz finden – bislang reicht der Bau nur für 600 Beschäftigte.

Aber noch habe es kein grünes Licht dafür gegeben, dass auf dem Areal unter anderem ein modernes Bürohaus mit einer Höhe von 100 Metern entstehen könnte. "Wenn wir alle Gebäude so lassen, wie sie derzeit sind, werden wir das Ziel einer gemeinsamen Zentrale nicht realisieren können", sagte Musial.

Pläne Für 200-Meter-Haus am Hardenbergplatz

Auf mehr Mut bei den verantwortlichen Stadtplanern hofft unverdrossen auch der Architekt Christoph Langhof, der bereits vor drei Jahren gemeinsam mit der AG City Pläne für einen 209 Meter hohen Turm auf dem Hardenbergplatz direkt am Bahnhof Zoo vorgestellt hatte.

Diese Entwürfe hat er in den vergangenen Jahren unverdrossen weiter überarbeitet – auch wenn eine Baugenehmigung in weiter Ferne ist. Doch Langhof setzt auf den Handlungsdruck, weil der Hardenbergplatz, statt ein repräsentatives Entrée in die City West zu sein, "trotz aller Absichtserklärungen immer noch nicht mehr ist als ein Abstellplatz für Taxis, Busse und andere Fahrzeuge".

Energieneutrales Hochhaus soll Hardenbergplatz aufwerten

Der 52-stöckige gläserne Turm soll "das erste Null-Energie-Hochhaus werden, der Platz ist ein idealer Ort dafür das Hochhaus der Zukunft zu präsentieren", so der Planer. Zusammen mit technischen Experten hat Langhof das Gebäude so entwickelt, dass auf dem Dach ein horizontales Windrad geräuscharm und vor allem ohne Schattenwurf den Wind nutzt, die Fassade mit Solarzellen ausgestattet ist und selbst die Fahrstühle Energie erzeugen. Zudem sollen zwei Stockwerke Garagentore für anfliegende Drohnen bereithalten – "der Transport mit Drohnen und Flugtaxis ist etwa bei Airbus längst in der Entwicklung", begründete der Architekt.

Der Hardenbergplatz werde durch das Hochhaus in der Mitte nicht ab-, sondern aufgewertet: Es ergeben sich auf allen vier Seiten spannende urbane Freiräume, mit hoher Aufenthaltsqualität. "Das Hochhaus selbst soll Platz bieten für ein Hotel, Büros und rund 90 Wohnungen." Ganz oben ist eine Aussichtsterrasse vorgesehen.

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