Polizei

Die Berliner Fahrradstaffel wird ausgebaut

Mehr Polizisten sollen auf dem Rad Streife fahren – auch in der City West. Das Modellprojekt in Mitte hat sich bewährt.

Auf Streife mit der Fahrradstaffel

Wir haben die Fahrradstaffel der Berliner Polizei begleitet. Die Abteilung soll künftig auch in der City-West Streife fahren.
Fr, 29.09.2017, 17.49 Uhr

Auf Streife mit der Fahrradstaffel

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Berlin.  Die Fahrradstaffel der Berliner Polizei soll ausgebaut werden. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Koalitionskreisen. Bislang hieß es, dass keine Vergrößerung geplant sei. Doch nun sollen auch zusätzliche Einsatzgebiete hinzukommen. In der City West auf dem Kurfürstendamm werden demnach Polizisten auf dem Rad bald Streife fahren. Über die exakte Zahl der Personalaufstockung herrscht indes noch keine Einigkeit. Genaue Pläne sollen aber in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.

Seit etwa drei Jahren sind in Berlin 20 Polizisten auf dem Fahrrad unterwegs. 2014 war die Staffel als Modellversuch zwischen Alexanderplatz und Regierungsviertel gestartet. Zum Revier gehören Tiergarten, Alexanderplatz, Potsdamer Platz, Brandenburger Tor, Leipziger und Turmstraße.

Auf Streife mit der Berliner Fahrradstaffel

Am Pilotprojekt Fahrradstaffel sind viele Institutionen beteiligt. Die Unfallforschung der Versicherer, die Innen- und die Verkehrsverwaltung sowie die Polizei. Noch in diesem Herbst wollen die Beteiligten die Ergebnisse der dritten Beurteilung der Staffel sowie deren Zukunft der Öffentlichkeit vorstellen. Bei diesem Termin soll auch die Ausweitung verkündet werden. Bei einer repräsentativen Befragung Ende 2016 hatten zwei Drittel der Berliner die Fahrradstaffel für sinnvoll erachtet. Vor dem Start waren es nur 43 Prozent.

Zunächst war die Pilotphase bis Mitte 2017 befristet. Untersuchungen der Versicherer ergaben jedoch, dass die Polizisten auf Rädern das Unfallgeschehen positiv beeinflussten, heißt es zur Begründung der Fortführung. Der Modellversuch habe insbesondere zu einem Rückgang von Radfahrerunfällen mit Schwerverletzten oder Toten geführt.

Gleichzeitig gab es im Vergleichsgebiet ohne Radstaffel, im Norden Neuköllns, eine Zunahme solcher schweren Unfälle um 30 Prozent. An insgesamt 28 von 32 Schwerpunktorten in Mitte nahmen die Unfälle mit Radbeteiligung ab – und zwar unabhängig davon, ob Radfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer die Unfälle verursacht hatten, hieß es in einer Auswertung der deutschen Versicherer. 2016 waren in ganz Berlin 17 Radfahrer ums Leben gekommen. Das war der höchste Wert der vergangenen Jahre. In den ersten neun Monaten 2017 starben sieben Radfahrer.

Der auf drei Jahre angelegte Modellversuch war vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mitfinanziert worden. Die Anschaffungskosten für Räder, Spezialkleidung und die Unterkünfte der Fahrradstaffel betrugen rund 129.000 Euro. Unter den Polizeirädern sind auch vier sogenannte Pedelecs. Diese Fahrräder bieten nur dann Unterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt.

In einer Schicht fährt ein Polizist bis zu 25 Kilometer

Die Arbeit der Fahrradpolizisten gilt als erfolgreich. Bis Ende vergangenen Jahres ahndeten die Beamten mehr als 30.000 Ordnungswidrigkeiten. Auch aus diesem Grund forderte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine Ausweitung auf mindestens 100 Stellen und ein Einsatzgebiet, das die gesamte Stadt umfasst. Pro Schicht fährt ein Fahrradpolizist etwa 15 bis 25 Kilometer.

Die meisten Vergehen wurden allerdings zu rund zwei Dritteln von Auto- und Lkw-Fahrern begangen. Zu den häufigsten Verstößen gehören etwa das Parken auf Radwegen, Rotlicht- und Abbiegeverstöße, das Fahren auf dem Gehweg und die Benutzung von Handys am Steuer.

Radstaffeln gibt es auch in anderen Städten, etwa in Hamburg und Köln. Als einzigartig am Berliner Projekt gilt bislang, dass die Polizisten keine weiteren Aufgabenbereiche haben und das ganze Jahr über im Dienst sind.

Das Verkehrsklima in der Hauptstadt ist nach Beobachtungen von Unfallforschern und der Gewaltschutzambulanz in den vergangenen Jahren aggressiver geworden. Das liegt auch an einer gewachsenen Zahl von Radfahrern und einem größeren Verteilungskampf um den Straßenraum. Der rot-rot-grüne Senat will bis Ende des Jahres mit einem Mobilitätsgesetz gegen-steuern.

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