Original-Triebwagen

Am Sonntag fährt die Straßenbahn wieder zum Bahnhof Zoo

Zug-Liebhaber bringen zwei historische Wagen der Linie 55 auf die Straße. Auf Tiefladern werden sie über die frühere Strecke rollen.

Die Oldtimer-Tram, die am Wochenende zur Jubiläumsfeier zu sehen sein wird, stand vorher im BVG-Betriebshof Marzahn

Die Oldtimer-Tram, die am Wochenende zur Jubiläumsfeier zu sehen sein wird, stand vorher im BVG-Betriebshof Marzahn

Foto: Massimo Rodari

Die Straßenbahn rollt wieder durch Spandau und Charlottenburg – wenn auch nur auf Tiefladern. Berliner Nahverkehrsenthusiasten haben erreicht, dass 50 Jahre nach ihrer letzten Fahrt von Hakenfelde zum Bahnhof Zoo zwei Original-Triebwagen der Linie 55 am Sonntag per Laster über die alte Strecke fahren. Ein Triebwagen der Baureihe „TM36“ kommt aus dem Deutschen Technikmuseum Berlin, das den Wagen 3566, Baujahr 1929, aus dem Abschiedskorso der Linie 55 seit Jahren ausgestellt hat. Der zweite Wagen, Nr. 3495, Baujahr 1928, stammt aus dem Bahnmuseum Schönberger Strand bei Kiel.

Initiatoren der spektakulären Aktion sind die Berliner Bahnfans Frank von Riman-Lipinski (52) und Dennis Gransee (34). Beide hatten eine Idee, die von Riman-Lipinski „total verrückt“ nennt. 50 Jahre nach dem Aus der Straßenbahn im damaligen West-Berlin wollten sie nicht einfach keinen Original-Waggon, sondern einen Verbundzug nach Hakenfelde bringen. Ein Verbundzug habe damals aus zwei Triebwagen bestanden, sodass die Fahrtrichtung ohne Wendemanöver gewechselt werden konnte, erläutert von Riman-Lipinski. Dass Wagen 3566, der den Abschiedskorso der Straßenbahn durch West-Berlin 1967 angeführt hatte, im Technikmuseum stand, war den Zug-Liebhabern klar. Den zweiten Wagen für das ehrgeizige Vorhaben aber musste der Köpenicker Gransee in ganz Deutschland suchen. Beim Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn Schönberger Strand bei Kiel wurde er fündig. Ein ehemaliger Berliner hatte in den 70er-Jahren zwei alte Straßenbahnwagen gekauft und nach Norddeutschland geholt.

In 3000 Arbeitsstunden alten Triebwagen restauriert

Ein Jahr lang haben Deutsche-Bahn-Mitarbeiter Gransee und sein Freund Norbert Walter die historische Bahn wieder hergerichtet. Geschätzte 3000 Arbeitsstunden, ihre gesamte Freizeit, investierten die beiden Berliner, um die alte Straßenbahn-Dame wieder flottzumachen. Erst Mitte September kam sie per Laster nach Berlin. Im BVG-Betriebshof Marzahn erhielt der historische Wagen dann von ehrenamtlichen Helfern den letzten technischen Schliff.

Der Spandauer von Riman-Lipinski – BVG-Mitarbeiter, Vorsitzender des Fördervereins Traditionsbus Berlin und nach eigenen Angaben stolzer Besitzer der „mit Abstand größten Sammlung von Original-Straßenbahn-Schildern im ehemaligen West-Berlin“ – kümmert sich seit Monaten um die Organisation der Jubiläumsaktion. Schon am Sonnabend konnten Fans der Schienenfahrzeuge die beiden historischen Straßenbahnwagen an der früheren Endschleife der Linie 55 in Hakenfelde bei einem Jubiläumsfest bewundern. Dort hat die BVG für das Comeback der Tram in Spandau eigens 30 Meter Gleise verlegt.

Heute werden die Museumszüge wieder auf Lastwagen verladen. Punkt 11.06 Uhr, zur selben Zeit, zu der die 55 am 2. Oktober 1967 zu ihrer letzten Fahrt gestartet war, werden sich dort die Tieflader mit den beiden 15 Tonnen schweren Triebwagen in Bewegung setzen. Begleitet von drei historischen Omnibussen und einem Taxi-Oldtimer fahren sie die alte Strecke der Straßenbahn-Linie 55 über Niederneuendorfer Allee/Streitstraße/Neuendorfer Straße, Siemensstadt, Osnabrücker Straße, Tegeler Weg, Tauroggener Straße, Otto-Suhr-Allee bis zum Hardenbergplatz. Dort soll der Tross zwischen 12 und 12.30 Uhr ankommen.

Die für den Korso erforderlichen Genehmigungen hatte von Riman-Lipinski erst Anfang der Woche zusammen. „Alle Genehmigungen liegen nun vor, und alles findet wie geplant statt“, teilte er erleichtert mit. Der Spandauer rechnet fest damit, dass wie schon 1967 auch heute wieder viele Berliner an der Strecke stehen werden, um die alte Straßenbahn der Linie 55 zu sehen.