Berlin

König trifft Salzburger Exulanten

Zehlendorfer Ausstellung widmet sich der Begegnung zwischen Friedrich Wilhelm I. und vertriebenen Protestanten

Berlin. König Friedrich Wilhelm I. hat sich nicht lange bitten lassen. Zwischen dem Emigrationspatent des Salzburger Erzbischofs und seinem Einladungspatent lag nicht einmal ein halbes Jahr. Im Oktober 1731 beschloss der Fürsterzbischof von Firmian, dass alle Salzburger Protestanten das Land verlassen sollten, im darauffolgenden Februar bot der Preußenkönig den „Glaubens-Verwandten seine mildtätige Hand an“. Dass der König im Juni 1732 auf der Zehlendorfer Chaussee auch noch einige Flüchtlinge persönlich begrüßen konnte, war ein Zufall der Geschichte. Wie es dazu kam, ist in der neuen Ausstellung „Salzburger Exulanten in Zehlendorf“ im Heimatmuseum Zehlendorf im alten Schulhaus zu sehen.

Die Sonderausstellung ist ein Beitrag zum Lutherjahr und zur Reformationsgeschichte. Auf 13 Schautafeln ist der Weg der Exulanten von Salzburg nach Ostpreußen, insbesondere aber das Zusammentreffen in Zehlendorf beschrieben. Der Begriff „Exulant“ ist eine lutherische Erfindung, er leitet sich von dem römisch-rechtlichen Terminus „exsul“ – der Vertriebene, Verbannte, Ausgewanderte – ab. Klaus-Peter Laschinsky, Kurator und Vorsitzender des Heimatvereins, hat die Schau mit dem Kulturamt organisiert. Das Landesarchiv Salzburg, das Hugenottenmuseum im Französischen Dom am Gendarmenmarkt und das Jagdschloss Stern in Babelsberg stellten Leihgaben zur Verfügung.

Am 25. Juni 1732 kam es zu der geschichtsträchtigen Begegnung in Zehlendorf. Der Flüchtlingstreck war auf der Potsdamer Chaussee in Höhe Wasgen­straße angekommen, während Friedrich Wilhelm I. auf dem Königsweg Richtung Potsdam unterwegs war. Als der König die Flüchtlinge sah, lenkte er seine Kutsche quer über ein Feld. Der Monarch wollte alles über den Weg und das Befinden der Flüchtlinge wissen. Schließlich versprach er, ihnen Freiheit und Äcker zu geben, um dann mit ihnen das Lied „Auf meinen lieben Gott“ anzustimmen. Unter dem Gesang zogen die Wagen der Flüchtlinge weiter, der König soll ihnen noch hinterhergerufen haben: „Reiset mit Gott.“

Volker Schwartz, ein Nachfahre der Salzburger Einwanderer, der in Wannsee lebt, hat alte Original-Schraubmedaillen aus dem Jahr 1732 als Leigabe zur Verfügung gestellt. Die Bilder darauf erzählen vom Leben und der Flucht der Protestanten. Viele siedelten sich in Ostpreußen an. Dort hatte die Pest gewütet, viele Höfe waren verlassen. Für Friedrich Wilhelm I. kamen die Salzburger gerade recht, um Ostpreußen wieder zu bevölkern.

Salzburger Exulanten in Zehlendorf. Clayallee 355, bis 26. Januar, Mo. und Do. 10–18 Uhr, Di. und Fr. 10–14 Uhr, Eintritt frei