Leuchtturmprojekt

Deutsches Internet-Institut zieht in die City West

Das Leuchtturmprojekt der Wissenschaft startet an der Hardenbergstraße. Berlin steuert vier Millionen Euro bei. Eröffnung Donnerstag.

Das Deutsche Internet-Institut zieht in dieses Bürogebäude an der Hardenbergstraße

Das Deutsche Internet-Institut zieht in dieses Bürogebäude an der Hardenbergstraße

Foto: Jörg Krauthöfer

Im Mai hat Berlin den Zuschlag für das Deutsche Internet-Institut bekommen. Dort sollen die Wechselwirkungen von Digitalisierung und Gesellschaft erforscht werden. Nun ist klar, wo das Institut seinen Sitz nehmen wird. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ziehen die Wissenschaftler in ein großes Bürogebäude an der Hardenbergstraße 32, Ecke Fasanenstraße. Auf einer Etage mit rund 1700 Quadratmetern Nutzfläche arbeiten sie dann mitten in der City West, in unmittelbarer Nähe zu Technischer Universität und Universität der Künste. Am Donnerstag wird das "Deutsche Internet-Institut für die vernetzte Gesellschaft", wie es nun vollständig heißt, mit einem Festakt im Foyer des Konzertsaals der UdK offiziell eröffnet.

Die Freude war groß, als Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Frühjahr verkündete, dass Berlin das Rennen um das begehrte Institut gewonnen hat. Ein Berlin-Potsdamer Konsortium aus fünf Universitäten und zwei außeruniversitären Institutionen konnte sich in einem zweistufigen Wettbewerb des Forschungsministeriums gegen Mitbewerber aus München, Hannover, Bochum und Karlsruhe durchsetzen. Das Ministerium fördert das Institut in den ersten fünf Jahren mit 50 Millionen Euro. Fällt eine dann vorgeschriebene Evaluation der Arbeit positiv aus, ist eine weitere fünfjährige Förderung vorgesehen. Erwartet wird, dass das Institut ein Leuchtturmprojekt der Wissenschaft wird und internationale Strahlkraft entfaltet.

Zum Konsortium gehören das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Freie, Humboldt- und Technische Universität sowie die Universität der Künste, die Universität Potsdam und das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (Fokus). Es hatte im Wettbewerb die international besetzte Jury mit einem Konzept, das eine sozialwissenschaftliche Ausrichtung und einen stark interdisziplinären Ansatz verfolgt.

Sechs Bereiche sollen erforscht werden

Das Deutsche Internet-Institut will den Wandel der Gesellschaft durch die Digitalisierung begleiten und zugleich die vorhandenen Gestaltungsspielräume deutlich machen. Die Forschungsagenda konzentriert sich auf sechs Themenfelder, darunter "Technikwandel", "Wissen, Bildung und Soziale Ungleichheit", "Arbeit, Innovation und Wertschöpfung" und "Demokratie, Partizipation und Öffentlichkeit". Untersucht werden soll etwa, wie ein möglichst großer Teil von Beschäftigten an den anspruchsvollen und flexiblen Arbeitszusammenhängen in einer vernetzten, automatisierten Wirtschaft teilhaben kann.

Die Digitalisierung verändere die Gesellschaft grundlegend, betonte Ministerin Wanka bei der Präsentation des Wettbewerbsergebnisses. Das betreffe das Arbeitsleben ebenso wie den persönlichen Bereich im Alltag aber auch die Forschung. Beim Wandel der vernetzten Gesellschaft spielten rechtliche und ethische Fragen ebenso eine Rolle wie wirtschaftliche. Die rund 160 Mitarbeiter des Instituts sollen unabhängig und interdisziplinär forschen und ihre Ergebnisse in Gesellschaft und Politik rückkoppeln. Das Institut ist als "lernendes Zentrum" angelegt und soll Impulse in der nationalen und internationalen Forschung geben sowie neue Themen aufnehmen.

Das Land Berlin zahlt vier Millionen Euro

Nicht nur der Bund fördert das Institut, auch Berlin trägt viel bei, damit es ein erfolgreiches Projekt wird. Insbesondere sorgt es für das Domizil an der Hardenbergstraße. Im Landeshaushalt sind jährlich 800.000 Euro über fünf Jahre, also insgesamt vier Millionen Euro, für Miete und Betriebskosten vorgesehen. Hinzu kommen einmalig 1,2 Millionen Euro für die Erstausstattung. Bei der Immobilie handelt es sich um einen 1953 errichteten sechsgeschossigen Verwaltungsbau, der 1975 und 1985 durch mehrere An- und Umbauten sowie vor allem durch eine Aufstockung um drei Etagen erweitert wurde. Die 1700 Quadratmeter große Etage für das Institut bietet den Vorteil, das dort Gruppen gut zusammenarbeiten können. Außerdem, so hieß es von Verfahrensbeteiligten, sei der Einzug ohne große Umbauten und Renovierungsarbeiten möglich. Langfristig soll das Internet-Institut aber nach Mitte umziehen, in das altehrwürdige Robert-Koch-Forum an der Ecke Wilhelm- und Dorotheenstraße. Das Gebäude, in dem auch das Einstein Zentrum digitale Zukunft beheimatet ist, will der Senat zum Zentrum für Wissenschaft und Forschung und damit quasi zum Hauptquartier des Berliner Anspruchs entwickeln, die digitale Hauptstadt Europas zu werden.

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