Schulserie

Privatschulen boomen in Berlin: Schon 51.000 Schüler

Der Boom der Privatschulen in Berlin hält an. Freie Träger fordern mehr bezahlbare Grundstücke für Neubauten.

Unterricht in der Kant-Schule in Steglitz. Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder statt auf eine staatliche auf eine Privatschule geben, nimmt weiter zu

Unterricht in der Kant-Schule in Steglitz. Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder statt auf eine staatliche auf eine Privatschule geben, nimmt weiter zu

Foto: Sergej Glanze

Die große Nachfrage nach Privatschulen in Berlin hält unvermindert an. Allein zum neuen Schuljahr sind wieder vier neue allgemeinbildende Schulen in freier Trägerschaft hinzugekommen. Die Gesamtzahl der Schüler an privaten Schulen, inklusive der beruflichen Schulen, stieg erneut um 1500. Ihr Anteil an der Gesamtschülerzahl liegt bei 11,6 Prozent und damit exakt auf dem Vorjahresniveau. Insgesamt lernen nach Angaben der Bildungsverwaltung 51.390 Schüler an Einrichtungen in freier Trägerschaft. Damit halten die freien Schulen Schritt mit der wachsenden Stadt Berlin.

Der anhaltende Boom ist umso erstaunlicher, als die Bedingungen für eine Neugründung derzeit schwierig sind. Größte Hürde ist es, leer stehende geeignete Gebäude oder freie Grundstücke zu finden. Nur wenig Schulträger sind in einer solch komfortablen Situationen wie die Stephanus-Stiftung in Weißensee, die auf eigene Gebäude zurückgreifen kann.

Die Arbeitsgemeinschaft der freien Schulen in Berlin forderte den Senat auf, Grundstücke zu erschwinglichen Konditionen zur Verfügung zu stellen, damit die freien Träger ihren Anteil bei der Schaffung neuer Schulplätze für die wachsende Stadt leisten können. Gegenwind kam vom SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck. Aus seiner Sicht verstoßen viele Privatschulen gegen Artikel 7 des Grundgesetzes, wonach eine „Sonderung der Schüler nach Besitzverhältnissen der Eltern“ nicht gefördert werden darf.

„Arme Schüler nicht von Privatschulen ausschließen“

Langenbrinck hatte Akteneinsicht zur Quote der lernmittelbefreiten Schüler genommen. Von 200 Schulen habe er auffällige Werte an 96 Schulen festgestellt und zu diesen Schulen eine parlamentarische Anfrage gestellt. Das Ergebnis: An diesen Schulen lag die Quote der lernmittelbefreiten Kinder aus armen Familien bei nur 3,7 Prozent. „Die soziale Wirklichkeit muss sich deshalb auch in den Privatschulen abbilden, arme Schüler dürfen nicht vom Besuch einer Privatschule ausgeschlossen sein“, sagte Langenbrinck.

Die Privatschulträger weisen diesen Vorwurf zurück: „Das derzeitige Finanzierungssystem setzt darauf, dass ein erheblicher Teil der Finanzierung freier Schulen über Schulgeld von den Eltern erhoben wird. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die kostenpflichtigen freien Schulen nicht dieselbe soziale Zusammensetzung haben wie die kostenfreien staatlichen Schulen“, heißt es in einer Stellungnahme. Dennoch hätten die freien Schulen ein Interesse daran, in ihrer Schülerschaft die gesamte Gesellschaft abzubilden. Die Arbeitsgemeinschaft der freien Schulen regte daher an, dass das Schulgeld für einkommensschwache Familien vom Staat übernommen werde.

Auch die Montessori Stiftung Berlin, die sechs Schulen betreibt, wehrte sich gegen die von Langenbrinck erhobenen Vorwürfe. An den Schulen der Stiftung würden 44 Prozent der Schüler eine Ermäßigung des Schulgeldes erhalten. Wahr sei, dass Kinder aus einkommensschwachen und vor allem aus bildungsferneren Familien mit dem Angebot der alternativen Schulen schwerer zu erreichen seien.

Tatsächlich gibt es auch private Schulen, an denen sogar mehr als die Hälfte der Kinder aus sozial schwachen Familien kommen. Im Bonusprogramm des Landes, das Brennpunktschulen mit zusätzlichen finanziellen Mitteln unterstützt, befinden sich in diesem Schuljahr 261 öffentliche Schulen und auch 16 Schulen in privater Trägerschaft.

An diesem Sonntag stellen sich die freien Schulen in ihrer Vielfalt auf einem Bildungsmarkt in der Katholischen Akademie, Hannoversche Straße 5 in Mitte von 13 bis 16 Uhr vor. Die freien Schulen wollen diesen 15. Tag der Freien Schulen am Sonntag auch dazu nutzen, Familien zu informieren und mit Vorurteilen aufzuräumen. Zahlreiche Schulen der Hauptstadt stellen sich in der Katholischen Akademie mit Informationsständen vor.

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