Berlin

Neues Messgerät für Feinstaub in Schöneberg

Wahlkampfaktion der Grünen – allerdings mit Pannen

Die Hauptstraße, die durch Schöneberg und Friedenau führt, gehört zweifellos zu Berlins am stärksten befahrenen Magistralen. Dass die Anwohner dort nicht nur vom Lärm der Autos, sondern auch von Abgasen und Feinstaub akut gefährdet werden, will die Grünen-Abgeordnete Catherina Pieroth-Manelli nun mit eigenen Messungen deutlich machen. Am Freitag hat sie dazu am Wahlkreisbüro an der Hauptstraße 8 einen Sensor angebracht, der die Luftbelastung durch gröbere (Bezeichnung: PM10) und durch die von Medizinern als besonders gefährlich eingestuften feinen Dreckpartikel (PM 2,5) ermitteln soll.

Der Nieselregen am Freitagvormittag konterkarierte diese Absicht zunächst aber. Denn die ersten Werte, die Pieroth präsentierte, lagen klar unter den EU-Grenzwerten. Selbst die deutlich niedrigeren Werte der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden nicht überschritten. „Wenn es nicht regnet, sieht das aber ganz anders aus“, ist sich die Schöneberger Grünen-Politikerin sicher. Sie will mit den auf ihrer Internetseite (catherina-pieroth.berlin) veröffentlichten Schadstoffwerten Anwohner und Politiker für ein Gesundheitsrisiko sensibilisieren, das aus ihrer Sicht noch immer unterschätzt wird.

Renate Künast fährt im Tesla vor, der auf der Busspur parkt

Unterstützung bekam sie dafür vom Berliner Grünen-Urgestein Renate Künast. „Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 10.000 Menschen vorzeitig wegen giftiger Stickoxide“, argumentierte Künast und machte Automotoren dafür verantwortlich. Sie erneuerte die Forderung ihrer Partei, ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos in Deutschland zuzulassen. Sie selbst fuhr in einem Tesla S (Listenpreis ab 73.000 Euro) vor, der dann medienwirksam, jedoch unzulässigerweise auf der Busspur der Hauptstraße parkte. „Ich möchte, dass Menschen nicht durch Reglementierung, sondern durch Einsicht ihr Verhalten ändern“, versuchte Catharina Pieroth-Manelli derweil das Image der Grünen als Verbotspartei zu widerlegen. Und verwies darauf, dass ab Oktober auch durch ihren Einsatz eine Fußgängerampel das Überqueren der Hauptstraße in Höhe Vorbergstraße sicherer mache.

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