Berlin

Kandidatin für Nobelpreis erhält Top-Bedingungen

Für Mikrobiologin Charpentier wird Standort in Berlin gesucht

Berlin.  Emmanuelle Charpentier gehört wahrscheinlich zu den wichtigsten Menschen in Berlin. Dabei ist die 48 Jahre alte Französin den meisten Hauptstädtern unbekannt. Um die Dienste der Mikrobiologin wurde jedoch lange heftig gerungen, denn Charpentier gilt als Nobelpreiskandidatin, der ein Wissenschaftsstandort erstklassige Bedingungen bieten muss, um sie zu halten.

Darum hatten der Senat der Max-Planck-Gesellschaft und die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern beschlossen, für Charpentier eine eigene Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene einzurichten und dazu ihre eigene Abteilung am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie um weitere Forschungsgruppen zu ergänzen. Max Planck lässt sich die Aktion bis zu sieben Millionen Euro pro Jahr kosten. In Berlin soll Charpentier ihre Entdeckung weiterentwickeln und für die medizinische Anwendung nutzbar machen. Sie kann defekte Gene in der menschlichen DNA erkennen und ziemlich exakt herauslösen. Das kann Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Aids oder Erbleiden heilen. Derzeit suchen Max-Planck und der Berliner Senat nach einem Standort für die Forschungsstelle.

Charité im internationalen Hochschulranking verbessert

Aus Sicht von Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach ist der erfolgreiche Kampf um die begehrte Französin ein Beispiel dafür, wie der Bund beim Ausbau des Wissenschaftsstandortes Berlin helfen kann. Mit den mehr als 60 Millionen Euro, die die Bundesregierung jedes Jahr für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) von Charité und Max Delbrück Centrum aufbringt, ließen sich ebenfalls Forscher diesen Kalibers nach Berlin holen. „Das BIG ist ein sehr gutes Beispiel für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bund und Land“, sagte Krach.

Auch in weiteren Fällen möchten die Berliner Wissenschaftspolitiker mit der durch Bundesgeld von fast 1,4 Milliarden Euro gewonnenen Attraktivität des Forschungsstandortes Berlin punkten. So will man verstärkt auf junge Wissenschaftler zugehen, die vom Europäischen Forschungsrat der EU mit einer „Starting Grant“ finanziert werden. Dieses Geld, bis zu 2,5 Millionen Euro, sind nicht an die Institutionen gebunden, sondern an die Personen. Die Ludwig-Maximilians-Universität München, die im Times Higher Education Ranking als beste deutsche Hochschule geführt wird, sei mit dieser Strategie sehr erfolgreich.

In dieser Rangliste liegen die drei großen Berliner Universitäten unter den besten 100 weltweit und unter den ersten zehn in Deutschland. Die allein auf Medizin beschränkte Charité konnte sich deutlich verbessern und rangiert auf Platz 126.

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