Für die Schließung

Hunderte Anwohner protestieren gegen Flughafen Tegel

„Weg damit, weg damit!“, tönte es aus dem Publikum am Kurt-Schumacher-Platz. Sie kämpfen für die Schließung.

Jemand hält bei der Tegel-Kundgebung am Kurt-Schumacher-Platz ein Plakat in die Höhe

Jemand hält bei der Tegel-Kundgebung am Kurt-Schumacher-Platz ein Plakat in die Höhe

Foto: Isabel Metzger / BM

Reinickendorf.  Hunderte waren zum Einkaufszentrum am Kurt-Schumacher-Platz gekommen. „TXL, nein danke!“ oder auch „Lärm macht krank“, war auf vielen Schildern zu lesen. Mehrere Unterstützer des Protestes griffen zum Mikrofon, darunter auch Stefan Gelbhaar (Grüne), Jörg Stroedter (SPD) oder Harald Wolf (Linke). Ironie des Schicksals: Auch mit technischer Verstärkung waren die Redner zeitweise nur schwer zu verstehen, weil über den Platz unablässig Flugzeuge donnerten.

Rund drei Wochen vor dem Volksentscheid zu Tegel hatte die Initiative „Tegel schließen“ am Freitagnachmittag zu der Kundgebung aufgerufen. „Weg damit, weg damit!“, tönte es aus dem Publikum: Bürgerinitiativen, betroffene Bewohner. „Bei uns auf der Straße können wir uns nicht normal unterhalten“, sagte Anwohner Goran Gebler. „Ständig kommt ein Flugzeug vorbei.“

Initiative „Tegel schließen“ rechnet sich Chancen aus

Noch im Mai hatte sich in einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der RBB-„Abendschau“ und der Berliner Morgenpost eine große Mehrheit für die Offenhaltung des Flughafens ausgesprochen. Inzwischen rechnen sich Mitglieder der Initiative „Tegel schließen“ aber Chancen aus: „Mittlerweile haben wir das Gefühl, dass in die Sache Bewegung kommt“, so der SPD-Abgeordnete Jörg Stroedter. Zur Abstimmung am 24. September sei mit einem engen Ergebnis zu rechnen.

„Bis zur Wahl bleibt noch Zeit“, so der Grünen-Bezirksverordnete Andreas Rietz. „Wir haben gute Hoffnung.“ Sorgen vor steigenden Mieten und dem Verlust von Arbeitsplätzen im Falle einer Schließung des Flughafens versuchte Stroedter zu zerstreuen: „Auf dem Gelände können in Zukunft 20.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Auch von Gewerkschaften erfahren wir Unterstützung.“ Die Gewerkschaft Verdi wollte sich auf Nachfrage der Berliner Morgenpost zu diesem Thema nicht äußern, da es keine allgemeine offizielle Haltung dazu gebe.

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