Berlin

Air Berlin entlässt Initiator der Crew-Bewerbung

Leiter der E-Commerce-Abteilung schrieb Aufruf: „Hire us as a team!“ Das fand das Unternehmen gar nicht lustig und kündigte ihm fristlos

Das e-commerce team von Air Berlin suchte geschlossen einen neuen Job

Das e-commerce team von Air Berlin suchte geschlossen einen neuen Job

Foto: Air Berlin e-commerce

In den sozialen Netzwerken wird ihre Bewerbung seit Tagen als "cool" gefeiert, und erste potenzielle Arbeitgeber haben sich bereits gemeldet: Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin suchte die 60-köpfige E-Commerce-Abteilung der Airline via eigener Website einen neuen Job. "Hire us as a team" – "Stellen Sie uns als Team ein", so ihr Aufruf. Beim Noch-Arbeitgeber Air Berlin kam die Werbe-Aktion aber gar nicht gut an. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wurde der Leiter der E-Commerce-Abteilung fristlos entlassen. Die Website ist abgeschaltet.

Wie die Berliner Morgenpost weiter erfuhr, sieht die Führung von Air Berlin in dem Internet-Auftritt "geschäftsschädigendes Verhalten". Denn die Crew-Bewerbung habe interne Informationen über das Unternehmen enthalten, die Rückschlüsse auf die Vermarktungsstrategien von Air Berlin zugelassen haben sollen. Zudem soll die Website während der Arbeitszeit erstellt worden sein.

Inzwischen meldete sich die Agenturgruppe Fischer Appelt über eine Website – Überschrift: "Nice Team, we'll take it" ("Nettes Team, wir nehmen es"). Gegenüber dem Werbeportal W&V sagte eine Sprecherin von Fischer Appelt, man habe Interesse daran, die 60-köpfige Truppe zu übernehmen. Auf Twitter reagieren auch andere Arbeitgeber: "#Namics bietet auch #Jobs im E-Commerce, nicht nur für AirBerlin Mitarbeiter" oder: "#OTTO hat E-Commerce und Jobs. Ganze Teams sind herzlich willkommen." Qatar Airways hatte vergangene Woche Piloten und Co-Piloten zu einer Bewerbungsrunde ins Maritim Hotel in Berlin eingeladen.

In Berlin arbeiten rund 2500 Air-Berlin-Mitarbeiter

Ein Air-Berlin-Sprecher wollte am Sonnabend die Entlassung des E-Commerce-Leiters nicht kommentieren. Air Berlin mache sich dafür stark, dass so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten blieben. Die Arbeitsagentur halte Info-Veranstaltungen ab. In Berlin arbeiten rund 2500 Air-Berlin-Mitarbeiter.

Nachdem auch Topbonus, das Vielfliegerprogramm, Insolvenz angemeldet hat, fordert der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter, dass sich die Justiz damit beschäftigt. In der "Rheinischen Post" nannte er die Insolvenz "sehr fragwürdig". Topbonus sei ein eigenständiges Unternehmen, das zu 70 Prozent Ethihad gehöre. "Wir bedauern, dass Mehrheitseigner Etihad das Topbonus-Programm nicht weiterführt und damit das Meilensammeln und Meileneinlösen nicht mehr möglich ist", so der Air-Berlin-Sprecher. Der India Club in Mitte wirbt damit, dass Gäste für 10.000 Meilen ein Essen "mit viel Beinfreiheit und Fensterplatz genießen können".

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