Sicherheit

Ministerium verteidigt automatische Gesichtserkennung

Das Pilot-Projekt am Bahnhof Südkreuz ist umstritten. Nun weist das Bundesinnenministerium die Kritik von Datenschützern zurück.

Bodenaufkleber weisen im Bahnhof Südkreuz in Berlin auf Erkennungsbereiche zur Gesichtserkennung hin

Bodenaufkleber weisen im Bahnhof Südkreuz in Berlin auf Erkennungsbereiche zur Gesichtserkennung hin

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Das Bundesinnenministerium hat sich gegen Vorwürfe von Datenschützern gewehrt, nach denen bei dem Berliner Pilotprojekt zur automatischen Gesichtserkennung Testpersonen getäuscht würden. Die eingesetzte Technik könne zwar mehr Daten sammeln als für den Test benötigt würden, diese Möglichkeiten würden aber nicht genutzt und seien abgeschaltet, sagte eine Ministeriumssprecherin am Dienstag. Am Donnerstag will sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Bahnhof über den Test informieren.

Die Datenschutz-Organisation Digitalcourage hatte am Montag kritisiert, der Transponder, den die Testpersonen am Bahnhof Südkreuz zur zusätzlichen Identifikation bei sich tragen müssen, registriere auch Daten wie Beschleunigung, Temperatur und Neigung des Untergrunds. Daraus ließen sich Schlüsse ziehen, was Menschen außerhalb des Testgebiets getan haben. Die Testpersonen hätten so einer Nutzung nicht zugestimmt. Der auf sechs Monate angelegte Versuch müsse abgebrochen werden.

Auf dem Transponder selbst würden keine Daten gespeichert werden

Lisa Häger, Sprecherin von de Maizière erklärte, die Testpersonen würden einen „aktiv sendenden Bluetooth-Transponder mit iBeacon-Funktion und einem Beschleunigungssensor“ bei sich tragen. „Die iBeacon-Funktion sowie der Beschleunigungssensor wurden beide im Auslieferungszustand inaktiv geschaltet und werden nicht genutzt.“ Die eingesetzten Geräte würden pro Sekunde einmal die Transponderadresse (ID), die Signalstärke, den Batteriestand sowie die Temperatur des Geräts senden. Häger betonte, dass auf dem Transponder selbst keine Speicherung der Daten stattfinde.

Mit Hilfe dieser Transponder wird bei dem Versuch festgestellt, wenn eine Testperson im Bahnhof ist. Parallel dazu wird dann untersucht, ob der Mensch auch von drei Überwachungskameras und der Gesichtserkennungssoftware erkannt wurde. Etwa 300 Testpersonen hatten sich freiwillig gemeldet. Fotos ihrer Gesichter wurden gespeichert. Drei Kameras filmen an einem Ein- und Ausgang sowie an einer Rolltreppe des großen Fern- und S-Bahnhofs. Von dem Pilotprojekt versprechen sich Bundesinnenministerium, Bundespolizei und Bundeskriminalamt neue Möglichkeiten zur Abwehr möglicher Terroranschläge.

Die Berliner FDP wies auf die Notwendigkeit der genauen Kontrolle der Technik hin. „Es zeigt sich, dass die von der Bundespolizei bevorzugten Technologien eben schon viel mehr beherrschen, als die bloße Kontrolle der Anwesenheit in einem bestimmten öffentlichem Raum“, teilte der Sprecher für Digitalisierung und Datenschutz, Bernd Schlömer, mit. „Auch das ist eine wichtige Erkenntnis der Piloterprobung und fordert den Gesetzgeber sowie die Datenschutzbeauftragten zusätzlich heraus.“

Mehr zum Thema:

Gesichtserkennung: Datenschützer werfen Polizei Betrug vor

Minister verteidigt Gesichtserkennung am Südkreuz

Am Südkreuz startet Pilotprojekt zur Gesichtserkennung

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.