Blumenviertel

Ärger mit Wasser im Keller: Behörde befragt Betroffene

Im Blumenviertel in Rudow und Buckow haben Hauseigentümer massiven Ärger mit Wasserschäden. Jetzt wird ein Fragebogen verschickt.

Fühlt sich vom Senat im Stich gelassen: Brigitte Zeitz (76) im überfluteten Keller ihres Hauses am Glockenblumenweg

Fühlt sich vom Senat im Stich gelassen: Brigitte Zeitz (76) im überfluteten Keller ihres Hauses am Glockenblumenweg

Foto: David Heerde

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz befragt jetzt die Bewohner des Blumenviertels in Rudow und Buckow, ob sie bereit sind, einem Verein oder Verband beizutreten, der sich um die Regulierung des Grundwassers in ihrem Viertel kümmert. 3600 Haushalte sollen bis zum 13. Oktober den Fragebogen zurückgeschickt haben. Während die Senatsverwaltung als Grund für die nassen Keller eine fehlende Abdichtung sieht, sehen die betroffenen Bewohner den Grund darin, dass die Wasserwerke die Grundwasserentnahme verringert haben.

Wie berichtet, haben Hauseigentümer im Blumenviertel, aber auch in angrenzenden Gebieten, Ärger mit Wasserschäden in ihren Häusern. Ende 2017, so die Ankündigung der Senatsbehörde, soll die Brunnenanlage abgeschaltet werden. Noch sorgt sie dafür, dass das Grundwasser nicht noch höher als ohnehin schon steht. Das Angebot der Behörde: die Brunnenanlage dürfe drei bis vier Jahre weiterlaufen, sofern sich die Betroffenen verbindlich bereit erklären, einen Verein oder Verband zu gründen, der in Eigenverantwortung eine neue Anlage baut und betreibt.

"Senatsumweltverwaltung setzt die Bürger unter Druck"

"Damit setzt die Senatsumweltverwaltung die betroffenen Bürger unter Druck, sich um das Problem zu kümmern, für das die öffentliche Hand zuständig ist. Es ist die Aufgabe des Staates für siedlungsverträgliche Grundwasserstände zu sorgen. Das ist Daseinvorsorge, und es ist auch staatliche Aufgabe, das Eigentum des einzelnen zu schützen", kritisiert der Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer, Peter Ohm. Rudow könne zum Präzedenzfall werden.

Berlinweit gebe es 15 Initiativen, die über Grundwasserprobleme klagten. Problematische Gebiete entlang des früheren Urstromtals seien in Pankow, Spandau bis nach Lichtenrade, auch der Südosten mit Köpenick, Kaulsdorf und Biesdorf sei betroffen. Ebenso aber auch die Mitte Berlins. "Ein gesamtberliner Problem darf nicht auf einzelne abgewälzt werden", fordert Ohm deshalb. Sein Verband rate schon deshalb ab, sich auf den Vorschlag der Senatsverwaltung einzulassen, weil die "Risiken unkalkulierbar" seien, sollte ein privatrechtlicher Verein für das Grundwassermanagement zuständig sein. Zudem werde mit "höchst widersprüchlichem Zahlenmaterial" agiert.

Letztlich seien aber alle in der Haftung. Für den Verband gebe es deshalb nur einen Weg: "Der Staat muss sich zu seiner Pflicht bekennen und die Wasserbetriebe beauftragen, eine neue Brunnengalerie zu bauen", sagte Ohm. Und die Wasserwerke müssten beauftragt werden, wieder soviel Wasser zu fördern, dass es siedlungsverträglich sei. Außerdem solle Wasser billiger werden. Der Bürger spare Wasser, weil die Kosten so hoch seien.

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