E-Autos in Berlin

Förderprogramm: Berliner Betriebe sollen Ladesäulen erhalten

Berlins Senat will mehr E-Autos auf die Straße bringen. Handwerker oder Taxiunternehmen könnten unterstützt werden.

Ein Elektroauto an einer Stromtankstelle

Ein Elektroauto an einer Stromtankstelle

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Berlin.  Der Senat will Unternehmen bei der Errichtung von Ladesäulen unterstützen, um mehr Elektroautos auf die Straße zu bringen. "Wir wollen mit einem einstelligen Millionenprogramm für die Ladeinfrastruktur vor allem für die Betriebshöfe von Unternehmen, vom Handwerker über den Pflegedienst bis hin zum Taxi starten", sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Es sei offensichtlich, dass hier gerade seit der Debatte um Diesel-Fahrverbote ein Bedarf entstehe, vor allem bei den Gewerbeflotten. "Viele sagen: Wir würden gerne umrüsten, aber bekommen keine Unterstützung", so Pop. Schnellladesäulen, die bis zu 50.000 Euro kosteten, könne sich nicht jeder Betrieb leisten.

Elektrolieferwagen der Post sind bereits erfolgreich

In der Berliner Wirtschaft stößt die Idee auf ein geteiltes Echo. "Der Gedanke ist gut", sagt Carsten Brönstrup, Sprecher der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). Infrage kämen die Ladesäulen vor allem für die Dienstwagenflotten von Unternehmen und deren Mitarbeiter. Der Kauf eines E-Autos könnte für sie reizvoll werden, wenn auf dem Firmenparkplatz Ladesäulen bereitstünden. Mittelfristig könnten auch Lieferdienste das Angebot in Anspruch nehmen. So ist die Deutsche Post mit ihrem Elektrolieferwagen Street-Scooter bereits äußerst erfolgreich und möchte expandieren. Weniger profitieren würden Baufirmen, für deren Fahrzeuge es noch keine E-Modelle gebe, so Brönstrup.

In der Handwerksbranche reagiert man zurückhaltend. Es bleibe abzuwarten, wie hoch die Förderung ausfiele, heißt es. Dies sei besonders für kleine Betriebe relevant. In der Taxibranche wünscht man sich eher eine Förderung von Hybridautos. Für die meisten Betriebe sei die Anschaffung von E-Autos noch zu teuer. Viele Fahrer teilen sich ein Fahrzeug und parken dieses nachts nicht auf einem Betriebshof oder Parkplatz, sondern vor der jeweiligen Haustür. Ob dort so einfach Ladesäulen gebaut werden können, ist unklar.

In Berlin kommt auf 700 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren nur ein elektrisches, im Januar waren rund 1700 gemeldet. Die Besitzer können sie im öffentlichen Raum an rund 350 Ladesäulen auftanken. Das Land hat davon knapp 200 gefördert, je nach Bedarf sollen noch mal 350 dazukommen. Seinem ursprünglichen Ziel beim Aufbau der Ladesäulen hinkt Berlin aber hinterher. Experten kritisieren, dass bislang nur das Programm des Vorgänger-Senats fortgeführt werde. Auch müsse die Berliner Verwaltung mit gutem Beispiel vorangehen und mehr elektrisch betriebene Dienstwagen anschaffen, fordert UVB-Sprecher Brön­strup.

Kein Senator fährt emissionsfreien Dienstwagen

Tatsächlich ist deren Zahl in den Bezirksämtern überschaubar. Gleiches gilt bis auf wenige Ausnahmen für die Landesunternehmen. Und unter den Senatoren fährt kein Einziger einen emissionsfreien Dienstwagen. Ein Problem sei, dass die Autoindustrie Verbrenner mit sehr günstigen Leasingverträgen bereitstelle, sagt Senatorin Pop. Doch man sei vom Rechnungshof angehalten, das wirtschaftlichste Angebot zu nehmen. Pop: "Ein Dilemma. Hier müsste die Frage der Wirtschaftlichkeit neu definiert werden."

Generell sieht die Senatorin aber die Autoindustrie in der Verantwortung, die "jahrelang verschleppt, betrogen und manipuliert" habe. Sie glaubt auch an Kartellabsprachen zur Verhinderung der Elektromobilität: "Es kann kein Zufall sein, dass es keinen Elektrobus für Handwerker, keinen tauglichen Elektro-Sprinter und auch keinen familientauglichen Elektro-Pkw gibt". Diesel-Fahrverbote wolle Berlin aber nicht in Eigenregie aussprechen: "Dann würde man den Bock zum Gärtner machen. Dann würde man den Handwerker unter Druck setzen, aber nicht die Automobilindustrie." Vielmehr brauche es eine Plakette, die besonders dreckige Diesel-Fahrzeuge aus der Innenstadt ausschließe.

In der Debatte um Diesel-Abgase und drohende Fahrverbote fordert die SPD unterdessen eine Quote für Elek­troautos in der Europäischen Union. Der Vorstoß ist Teil eines Fünf-Punkte-Plans von Kanzlerkandidat Martin Schulz zur Zukunft des Automobilstandorts Deutschland. Deutschland fördert E-Autos bereits mit Kaufprämien. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine solche EU-Quote ab. Sie glaube, dass dieser Vorschlag "nicht richtig durchdacht" sei, kritisierte die CDU-Vorsitzende am Sonnabend in Dortmund – ebenso wie die Union im Bundestag: "Eine feste europäische E-Auto-Quote ist der falsche Weg", sagte CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs. Statt eine Technologie vorzuschreiben, brauche es europaweit ambitionierte Abgasvorschriften.

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