Berlin

Wo Berlins neue U-Bahnen gebaut werden

Der Schienenfahrzeughersteller in Pankow hat große Pläne. Elf Züge werden noch in diesem Jahr geliefert.

Produktion von Schienenfahrzeugen bei Stadler in Pankow

Produktion von Schienenfahrzeugen bei Stadler in Pankow

Foto: DAVIDS/David Darmer

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) wollte es genau wissen. „Wie ist das nun eigentlich mit den Blumenbrettern?“, fragt sie Firmenchef Peter Spuhler, der die Politikerin am Dienstag durch das Werk der Stadler Pankow GmbH, dem deutschen Ableger der Schweizer Fahrzeugherstellers, führte. Denn in den Hallen in Wilhelmsruh werden derzeit nicht nur Straßenbahnen für Stuttgart oder Flirt-Triebwagen für die Bayrische Oberlandbahn, sondern eben auch neue U-Bahnzüge für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) montiert.

Die elf Züge, die noch in diesem Jahr ausgeliefert werden, weisen dabei eine technische Besonderheit auf: Sie können in beiden Teilnetzen der Berliner U-Bahn eingesetzt werden. Weil die Wagen eigentlich für das schmalere Kleinprofil (Linien U1 bis U4) entwickelt wurden, muss allerdings der Spalt zu den Bahnsteigen im breiteren Großprofil (U5 bis U9) überbrückt werden. Diesen Notbehelf gab es schon mal nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Da wurden kurzerhand Holzbohlen – die berühmten „Blumenbretter“ – an die Wagenkästen angeschraubt. „Wir haben natürlich eine elegantere Lösung gefunden“, sagt Torsten Trogisch, Geschäftsführer der Stadler Pankow GmbH. An den Standorten in Wilhelmsruh, Reinickendorf, Velten und neuerdings auch Chemnitz arbeiten inzwischen rund 1200 Mitarbeiter.

U-Bahn leidet an Fahrzeugmangel

Der erste Zug der neuen Baureihe IK (Spitzname „Icke“) ist im Juni von der BVG präsentiert worden, die Wagenkästen der übrigen zehn Züge stehen bereits im BVG-typischen Sonnengelb lackiert in der Montagehalle. Sie werden noch im Jahresverlauf an die BVG ausgeliefert. Wegen des jahrelangen Sparkurses in Berlin leidet die BVG speziell bei der U-Bahn an einem akuten Fahrzeugmangel. Die IK-Züge werden daher dringend erwartet. Insgesamt hat die BVG bei Stadler 40 neue U-Bahnzüge bestellt. Stadler-Chef Spuhler hofft, von der neuen Mobilitätspolitik in Berlin weiter zu profitieren. „Berlin will die Elektromobilität und den öffentlichen Nahverkehr stärken – wir haben die Lösungen dafür“, wirbt er. Erst zu Jahresbeginn hatte die BVG zwei europaweite Ausschreibungen zur Beschaffung neuer U-Bahnen und Straßenbahnen im Gesamtwert von drei Milliarden Euro gestartet. Nicht zuletzt um Aufträge dieser Größenordnung stemmen zu können, kündigte er den Bau einer neuen Montagehalle in Pankow an. „Wir wollen mit der neuen Produktionsstätte unsere Effizienz weiter erhöhen, auch um im Wettbewerb mit der starken Konkurrenz in Zentraleuropa bestehen zu können.“

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