Berlin-Challenge

Wo man in Berlin am besten Wakeboarden lernt

Reporter der Berliner Morgenpost stellen sich besonderen Herausforderungen. Teil 4 – Wakeboarden im Strandbad Jungfernheide.

Sommerchallenge: Constanze Nauhaus beim Wakeboarden im Strandbad Jungfernheide

Sommerchallenge: Constanze Nauhaus beim Wakeboarden im Strandbad Jungfernheide

Foto: Reto Klar

Am Abend zuvor gebe ich doch noch „Auf Wakeboarden vorbereiten“ bei Google ein. Eigentlich wollte ich ja extremst lässig-naiv an die Sache herangehen. Hang loose eben. Aber die Anspannung siegt. Die zwei Kommentare, die ich in Frage-Foren finde – „Kann man schwer üben, nur durch Praxis“ und „Der Start ist sehr schwer“ – bestätigen meine Meinung über Sinn und Zweck von Frage-Foren.

Am folgenden Morgen treffe ich mich mit Axel Gleimann am Strandbad Jungfernheide, wo ich das erste Mal in meinem Leben auf ein Wakeboard steigen soll. Strandurlauber kennen diesen Wassersport mindestens vom Sehen: schwankende Touristen, die sich auf einem kleinen Board oder Wasserskiern stehend von einem Motorboot an einem Seil über das Wasser ziehen lassen. Statt eines Bootes kann einen auch eine Anlage ziehen, um Berlin herum gibt es davon einige. Innerhalb der Stadtgrenzen ist das bislang einzig im Strandbad Jungfernheide möglich.

Die Anlage ist für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet

Axel ist Geschäftsführer, Bademeister und der David Hasselhoff des Bades. Ein Lebensretter aus dem Bilderbuch. Mit einem lässigen Brustzucken würde er neugeborene Zwillinge aus einem brennenden Haus retten, Hauptsache, die Haare sitzen. Die überprüft er rasch mit einem geübten Blick in den Spiegel, bevor er sich zu uns unter den Sonnenschirm gesellt. „Bist du schon mal auf’m Wasser gewesen?“ Wir wissen beide, dass er weder an ein Tretboot noch an eine aufblasbare Insel mit Palme denkt. „Na ja, ich hab’ einen Windsurf-Schein gemacht, aber das ist schon fünf ...“ – „Ach super, dann kannst du das in drei Minuten. Dann hol dir mal einen Neo.“ Axels Mitarbeiter Marvin hilft mir bei der Auswahl eines passenden Neoprenanzuges, der mich vorm kalten Wasser schützen soll. „Nimm lieber einen langen“, rät Marvin. Auf keinen Fall, mir bricht jetzt schon der Schweiß aus beim Anblick der eigentlich recht harmlos anmutenden Wakeboard-Anlage.

Mit dem auf 100 Meter Länge zwischen zwei Masten quer über den See gespannten Seilpaar erinnert sie ein bisschen an Strommaste. Für Anfänger und Profis sei sie gleichermaßen geeignet, sagt Axel. Für Anfänger, da das eigentliche Fahren einfacher ist als an den großen Anlagen, an denen im Kreis gefahren wird. Und die beiden 180-Grad-Kurven der Zwei-Mast-Anlage wiederum machen den Profis mehr Spaß als das Fahren an einer der verbreiteten Fünf-Mast-Anlagen, sie seien eine wahre Herausforderung. Ich notiere mir in Gedanken: Eine Kurve will ich schaffen, eine!

Es kommt vor allem auf das Gleichgewichtsgefühl an

Meine Wahl fällt auf einen kurzen schwarz-roten „Neo“, wie es auch mir spätestens jetzt ganz locker aus dem Mund kommt. Eine rote Schwimmweste soll ich noch überziehen. Noch ist mir nicht klar, warum. Aber zuerst erklärt mir Axel die wichtigsten Basics. „Das ist ein Training für den ganzen Körper. Mir fällt jetzt keine Muskelgruppe ein, die man nicht benutzt.“ Oh ja, davon werde ich am nächsten Morgen ein Liedchen singen können. Axel selbst stand 1990 nahe seiner Heimatstadt Schwerin das erste Mal auf Wasserskiern, da war er 18 Jahre alt. Seit 2009 betreibt er das Strandbad und geht selbst fast jeden Tag auf die Anlage. Oft kämen Schulklassen, erzählt er. Und die Kleinsten – ab acht Jahren dürfen sie fahren – stünden nach zwei Minuten auf dem Brett, da sie unbedacht an die Sache herangingen. „Je älter man wird, umso ängstlicher wird man“, sagt Axel. Und letztlich käme es vor allem auf das Gleichgewichtsgefühl an.

„Also, du setzt dich ins Wasser, schiebst die Füße in die zwei Laschen des Boards und knickst die Beine etwa im rechten Winkel an. Das Board guckt ein Stück aus dem Wasser heraus. Die Arme sind lang, und du schaust hoch zum Mitnehmer.“ Das schwarze Gerät verbindet das Seil mit dem Griff, an dem ich mich gleich festkrallen werde, mit dem über mir gespannten Seilpaar. Dieses wird von Axel, der auf dem Steg steht, per Fernsteuerung bedient. „Wenn’s gar nicht klappt, fahren wir Banane.“ Banane, ha! Sofort setze ich mich ins Wasser. Aha, dafür also die Schwimmweste. „Sobald das Seil zieht, nicht sofort hochkommen“, ruft Axel mir vom Steg aus zu. „Du verdrehst die Hüfte, sodass das Board längs dreht, dann kommst du raus.“ Null problemo, Axel. Das Seil zieht, ich drehe das Board, ziehe und – platsch. Axel zieht mich zurück zum Board. Nach dem vierten Start stehe ich. Ein großartiges Gefühl, stehend übers Wasser zu gleiten. Der Spaß dauert wenige Meter. „Versuch mal, das vordere Bein anzuknicken und das hintere aber fast durchzudrücken. So, dass es eine Achse mit dem Oberkörper bildet. Und ganz viel Spannung in der Mitte!“ Jetzt auch noch nachdenken. Ich versuche, Axels Anweisungen zu befolgen, und siehe da: Ich gleite. „Ich zieh’ dich jetzt mal auf Maximalgeschwindigkeit“, höre ich noch, dann sause ich mit 32 km/h über den Jungfernheidesee. Was für ein Gefühl! Axel ist voll des Lobes. „Das sieht super aus!“ Ich danke meiner Weste, der Sonne und der Anstrengung, die mein rotes Gesicht erklären.

Arme, Beine, Schulterblätter, überall zieht es

Nach mehrmaligem Hin und Her soll ich mal „mit dem Gewicht spielen“. Es ganz, ganz vorsichtig mal auf die Fußballen, mal auf die Fersen verlagern, die Hüfte mitnehmen – so lenkt man nämlich. Also wieder rauf aufs Brett, Po raus und gelenkt. Klappt bestens, zumindest für mein Board. Es fährt zuverlässig nach links, während ich mich wie ein nasser Lappen am Griff hängend weiter geradeaus ziehen lasse. Irgendwann schaffe ich halbe Kurven. „Du musst dich beim Reinfahren ganz klein machen und dann, kurz bevor du herum bist, wieder aufrichten.“ Ich bin schon völlig fertig. Nach einer Dreiviertelstunde spüre ich die Hände kaum noch, die Arme, Beine, Schulterblätter, überall zieht es. Aber ich will diese eine verdammte Kurve noch schaffen! Also noch mal.

Rauf, raus, klein gemacht, gestreckt ... Und dann klappt es endlich! Mit Ach und Krach komme ich herum und falle direkt nach einigen Metern vom Board. Aber das ist mir egal. Mit geschätzt drei Liter geschlucktem Wasser, aber zufrieden und glücklich steige ich aus dem Wasser, um mir mein Lob abzuholen. Zu früh gefreut. „Häng dich noch mal ganz locker und entspannt an den Griff und lass alles lang, ich zieh dich jetzt mit vollem Karacho übers Wasser. Das ist wie eine Ganzkörpermassage“, sagt Axel begeistert. Die Wasseroberfläche verwandelt sich bei vollem Tempo in Stein. So muss sich eine Massage mit Wasserwerfern anfühlen. Da Axels Körper ausschließlich aus Stahl besteht, kann er das natürlich nicht wissen. Etwas weniger glücklich betrete ich erneut das Ufer. „Der Körper braucht 24 Stunden, um sich neue Abläufe zu merken“, gibt mir Axel vor dem Abschied noch mit.

„Würdest du morgen wiederkommen, könntest du die Kurven ohne Pro­bleme fahren.“ Danke, aber ich werde am nächsten Tag auf keinen Fall wiederkommen, sondern in Arnika baden. Gefühlte zehn Kilo schwerer schleiche ich zur Umkleide. Unterwegs spricht mich eine ältere Stammkundin an, die jeden Tag mit ihrem Liegestuhl ins Strandbad kommt und offensichtlich zum Axel-Fanclub gehört. „Also, wenn der hier fährt, nein, fliegt, dann springt er drei, vier Meter in die Höhe, er scheint das Wasser gar nicht zu berühren“, erzählt sie mir mit Herzchen in den Augen. Im Gehen ruft sie mir noch zu: „Das sah großartig aus für das erste Mal, nach fünf Minuten sind Sie schon gefahren!“ Ich bedanke mich artig. Die Frau weiß sicher, wovon sie spricht.

Weitere Infos:

Strandbad Jungfernheide Jungfernheideweg 60 (U Siemensdamm). Tageskarte 24 Euro. Täglich 10–20 Uhr. Buchung unter 70712412.

Wasserskilift in Großbeeren Bahnhofstraße 49 (Bhf. Großbeeren). Tageskarte 31/40 Euro. Tagesaktuelle Öffnungszeiten unter www.wakeboarding-berlin.de.

Wasserskianlage Velten Am Bernsteinsee 1 (Bhf. Velten, dann Bus bis Pinnow, Bernsteinsee). Tageskarte 27/36 Euro. Tagesaktuelle Öffnungszeiten unter www.wakeboard-berlin.de Wasserski Ruhlsdorf: Biesenthaler Chaussee 25 (Bhf. Bernau, dann Bus bis Ruhlsdorf/Kiessee). Tageskarte 27/35 Euro. Tagesaktuelle Öffnungszeiten unter www.wake-and-camp.de.

Wasserskipark Zossen Schünowerstraße 19 (Bhf. Dabendorf, dann Bus bis Horstfelde, Hauptstr.). Tageskarte 25/36 Euro. Die jeweils geltenden Öffnungszeiten unter www.wasserskipark-zossen.de.

Bedeutung: Der Begriff Wakeboarden wird abgeleitet von dem englischen Begriff „Wake“, der Heckwelle des Bootes, das den Sportler auf dem Brett zieht.

Mehr zum Thema:

Stressbewältigung auf dem Pferderücken

Was eine Morgenpost-Reporterin als Bademeisterin erlebte

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.