Berlin

Engelsfigur auf Berliner Dom hat ihren Triangelstab wieder

Weil Starkregen einen der Engel beschädigte, steigen Industriekletterer dem Dom aufs Dach - "Das hält die nächsten 100 Jahre".

Industriekletterer reparieren am Donnerstag eine Engelskulptur an der Berliner Domkuppel

Industriekletterer reparieren am Donnerstag eine Engelskulptur an der Berliner Domkuppel

Foto: Peter Meissner

Am Donnerstagvormittag steigen zwei Industriekletterer an der Nordwestseite des Berliner Doms hinauf, um den Triangelstab von einer der sechs Engelsfiguren zu reparieren. Die Befestigung des Stabs in der rechten Engelshand hatte sich gelockert und war aufgrund des Starkregens im Juni heruntergefallen. Zwischen 150 und 260 Liter Regen fielen damals pro Quadratmeter, am meisten war Tegel, am wenigstens Schönefeld von den Wassermassen betroffen.

Den Stab hatte der Haushandwerker bei seinen Kontrollgängen bemerkt. "Wir untersuchen den Dachbereich regelmäßig, damit sich kein Schmutz in den Regenrinnen sammelt und in den Dom abfließt. Allerdings finden wir auch Hüte und Schals, die den Besuchern heruntergeweht wurden", so Dom-Sprecherin Svenja Pelzel.

Das erste Mal, seit der Eröffnung des Doms, ist etwas hinuntergefallen

Der Berliner Dom wurde zwischen 1894 bis 1905 nach Plänen von Julius Raschdorff erbaut, Vorbilder waren die italienische Hochrenaissance und der Barock. 2008 wurde dem denkmalgeschützten Gebäude wieder sein restauriertes Kuppelkreuz aufgesetzt. Es sei das erste Mal seit der Dom-Fertigstellung 1905, dass etwas heruntergefallen sei, so Pelzel. Allein nach einem Bombenangriff im Jahr 1942 sei demselben Engel einmal die Triangel aus der Hand gerutscht.

Ausgeführt wird die Reparatur vom Team um den Dachdecker und Indus­triekletterer Thomas Michaelis, der regelmäßig für Außenarbeiten am Berliner Dom hinzugezogen wird. Er und sein Team waren auch bei der Einrichtung des Domkreuzes beteiligt, vor Kurzem hat er eine Rettungsübung am Fernsehturm am Alexanderplatz absolviert. Am Donnerstag sind er und seine beiden Kollegen seit 7 Uhr im Einsatz, bereits am Vortag hatten sie den Kuppelbereich inspiziert. Um die Engelsfigur zu erreichen, entscheiden sie sich für eine sogenannte Seilbahnkonstruktion, die 120 Meter von der Laterne unterhalb des Domkreuzes bis zu einem Geländer direkt am Spreeufer gespannt ist. Die Arbeit findet in der Schräge statt und ist anspruchsvoll. Unten am Boden passt Michaelis' Mitarbeiter Steffen Thomas auf, dass niemand die Seile kappt oder über sie stolpert, während sein Chef und Kollege Marcel Hurra in 60 Meter Höhe schweben.

Behutsamer Umgang mit dem Koloss

Kurz nach 10 Uhr seilen sich die beiden langsam von der Kuppel herab, hängen nahezu waagerecht in ihrer Seilbahn direkt über dem Lustgarten. Die ersten Besucher des Doms bleiben staunend stehen, als sie die Kletterer bemerken. Langsam nähert sich Michaelis dem knapp sechs Meter großen Engel, touchiert behutsam nur mit seinen Fußspitzen die tonnenschwere Figur aus Kupfer, damit er keine Dellen im Material hinterlässt. An den Hüften der Männer klimpern zig Karabiner in allen Größen und Farben, Michaelis trägt zudem zwei kleine Säcke am Gürtel. Aus einem holt er nach ein paar Minuten den knapp 40 Zentimeter langen Triangelstab und prüft dessen Befestigung. Montiert war dieser an zwei Fingern der rechten Engelshand, in die Gewinde eingelassen sind. Für die Montage benötigt der Dachdecker Schrauben, am besten aus robustem Edelstahl, aber dieser würde sich wieder aus dem Kupfer herauslösen. Für den Stab wird er Messingschrauben benutzen, "aber keine aus dem Baumarkt", wie er lachend hinzufügt.

Gegen 12.30 hatte der Engel seinen Stab wieder

Beide Kletterer spannen nach der Inspektion ab und machen sich auf den Weg tief hinab in den Bauch des Doms zu Klaus Cubr, dem Haushandwerker. Dessen Werkstatt befindet sich direkt neben der Hohenzollerngruft, nur eine dicke Metalltür trennt Cubr von den Särgen der Preußenkönige. Nach ein paar Minuten findet Michaelis die gewünschten Messingschrauben, dann erfolgt der Rückweg zur Kuppel, für den er fast eine Viertelstunde benötigt. Immerhin liegen zwischen Gruft und Kuppelrundgang 267 Stufen, die auch die Besucher täglich bewältigen. Doch gegen 12.30 Uhr hat der Engel seinen Stab wieder: "Alles hat gut geklappt und hält die nächsten hundert Jahre", bemerkt Pelzel. Die bisherigen Sommerunwetter hätte der Dom bis auf den verlorenen Stab gut überstanden, so die Sprecherin. Für Mitte August sei die Sanierung des Spreeufers geplant. Dadurch sollen die Büros der Domgemeinde sowie die Hohenzollerngruft besser vor Feuchtigkeit geschützt werden. Während der Sanierung sind die Terrassen an diesem Teil des Ufers für Fußgänger nicht zugänglich.

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