Nachruf

Einstiger Morgenpost-Chefredakteur Bruno Waltert gestorben

Bruno Waltert stand von 1988 bis 1996 an der Spitze der Berliner Morgenpost. Nun starb er mit 80 Jahren in Berlin.

Trauer um den ehemaligen Chefredakteur Bruno Waltert

Trauer um den ehemaligen Chefredakteur Bruno Waltert

Foto: imago stock / imago stock&people

Er hatte sich von einer Lungenentzündung erholt, die Koffer für einen Erholungsurlaub auf der Insel Sylt waren schon gepackt. Doch dann erlitt er plötzlich einen Herzinfarkt: Vor einigen Tagen ist Bruno Waltert, von 1988 bis 1996 Chefredakteur der Berliner Morgenpost, in Berlin gestorben. Er wurde 80 Jahre alt.

Der studierte Jurist war das, was man einen Vollblutjournalisten nennt. Nach Jahren in der Staatskanzlei des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger wechselte er nach Bonn zur „Welt“. Deren stellvertretender Chefredakteur war er dann in den Jahren 1980 bis 1984. Nächste Station: die „Main-Post“ in Würzburg, bevor Bruno Waltert 1988 die Chefredaktion dieser Zeitung übernahm. Mit dem Fall der Mauer und dem Weg hin zur Wiedervereinigung Deutschlands erreichte seine journalistische Karriere ihren Höhepunkt.

Waltert informierte Momper über den Mauerfall

Er war es, der den damaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper während der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ im Journalistenclub des Springer Verlags am 9. November 1989 als erster über die legendäre Schabowski Pressekonferenz und deren absehbare Folgen informierte. Die Mauer war gefallen, was für ein glücklicher Tag für Waltert. Wenn nicht in der Redaktion, dann machte er sich auf in den wieder zugänglichen Ost-Teil der Stadt, um Hintergründe und Perspektive der historischen Wende zu ergründen und in Kommentaren zu begleiten.

Unter seiner Ägide begann denn auch die Rückkehr der Berliner Morgenpost nicht allein in die östliche Stadthälfte, auch weit hinein ins brandenburgische Land. Um die Authentizität der Berichterstattung zu verstärken, wurden unter seiner Verantwortung viele unbelastete Kollegen ehemaliger DDR-Medien bei der Berliner Morgenpost eingestellt.

Es folgte der „Hauptstadtbrief“. Zusammen mit dem Berliner Verleger Detlef Prinz und dem früheren Fernsehjournalisten und Bonner Hauptstadtkorrespondenten Ernst-Dieter Lueg entwickelte er diesen Informations- und Hintergrund-Dienst aus der deutschen Hauptstadt. Dieser erscheint monatlich, richtet sich an Entscheider und Multiplikatoren in Politik und Wirtschaft. Der Hauptstadtbrief liegt auch einmal monatlich der Berliner Morgenpost bei.

Obwohl gesundheitlich schon länger angeschlagen, wollte Bruno Waltert von Ruhestand wenig wissen. Ewig neugierig, wie es sich für Journalisten geziemt, suchte er immer neue Herausforderungen. So übernahm er noch die Chefredaktion der englischsprachigen Zeitschrift „German Times“ und „The Atlantic Times“.

Redaktion und Verlag der Berliner Morgenpost trauern gemeinsam mit den Angehörigen um Bruno Waltert.

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