Deutsche Flughäfen

Tegel und Schönefeld bei Verspätungen und Flugausfällen vorn

An den beiden Flughäfen der Hauptstadt fallen deutschlandweit die meisten Flüge aus. Tegel liegt auch bei den Verspätungen ganz vorne.

Dauert mal wieder länger bis zum Abflug: Fluggäste in Berlin-Tegel

Dauert mal wieder länger bis zum Abflug: Fluggäste in Berlin-Tegel

Foto: Paul Zinken / dpa

Nicht mehr lange, dann wird Berlin zeitleich mit der Bundestagswahl am 24. September in einem Volksentscheid über die Offenhaltung des Flughafens Tegel abstimmen. Das Fluggast-Portal "AirHelp" hat den Flugverkehr der 13 größten deutschen Flughäfen analysiert und stellt fest: Der Westberliner Hauptstadtflughafen ist der mit Abstand unpünktlichste Airport Deutschlands. Mehr als jeder vierte Flug aus Berlin-Tegel startet nicht nach Plan. Auch bei den Flugausfällen belegt Tegel Platz eins, dicht gefolgt vom Flughafen Schönefeld auf Platz zwei.

Berlin, München und Frankfurt am Main laut Ranking am unpünktlichsten

Den Untersuchungen zufolge startete mehr als jeder vierte der 44.000 Flüge aus Berlin-Tegel (26,89 Prozent) im ersten Halbjahr 2017 nicht nach Plan. Auch Frankfurt am Main (22 Prozent) und München (21 Prozent) belegen die Spitzenplätze im Ranking der unpünktlichsten Flughäfen. "Natürlich ist es auffällig, dass die größten Flughäfen des Landes besonders viel mit verspäteten und ausgefallenen Flügen zu kämpfen hatten. Diese Probleme im Flugbetrieb können aber bereits durch vorherige Flüge oder unvorhersehbare Ursachen wie Unwetter entstanden sein", sagt Adrian Kreller, deutscher Country Manager von Air Help.

Am vergangenen Donnerstagabend hat ein Gewitter über Berlin zu Verzögerungen im Flugbetrieb geführt. Das teilten die Flughafenbetreiber auf Twitter mit. Ankommende Flüge hatten laut der Webseite in Schönefeld teilweise mehr als 45 Minuten Verspätung. Auch in Tegel gab es an dem Abend teilweise beträchtliche Verspätungen. Manche Passagiere kamen erst rund eine Stunde später an.

Flüge nach Berlin wegen des Unwetters umgeleitet

Am Wochenende zuvor waren bereits wegen des Unwetters in Berlin und Brandenburg sechs Flugzeuge mit dem Ziel Berlin-Schönefeld umgeleitet worden. Die betroffenen Flüge seien am Samstag nach Hannover und Rostock-Laage ausgewichen, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers BER am Sonntagmorgen. 600 Passagiere aus vier Fliegern kamen in Laage an, sagte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann am Sonntag. 180 wurden noch in der Nacht mit Bussen nach Berlin gefahren. Die anderen mussten bis zum Morgen warten, bis sie die in Laage geparkten Flugzeuge in die Hauptstadt brachten.

Wegen des Unwetters kam es auch zu Verzögerungen in der Abfertigung am Schönefelder Flughafen. Der in der Ferienzeit besonders eng getaktete Flugverkehr staute sich dadurch so lange zurück, dass die letzten Maschinen des Tages mit einer Landung in Schönefeld gegen das dortige Nachtflugverbot verstoßen hätten. Die Airlines würden die gestrandeten Passagiere in solchen Fällen normalerweise mit Reisebussen abholen, sagte der BER-Sprecher.

Am pünktlichsten hoben Flugreisende in diesem Jahr vom Flughafen Hannover-Langenhagen ab. Am größten Flughafen Niedersachsens starteten fast 90 Prozent aller Flüge nach Plan. Zuletzt machte der Flughafen dennoch negative Schlagzeilen, weil dort etwa 1000 Passagiere nach Unwettern gestrandet waren und kaum versorgt wurden. An den Flughäfen Stuttgart, Halle/Leipzig und Köln/Bonn hoben immerhin fast 87 Prozent aller Flüge planmäßig ab.

Teils große Unterschiede bei benachbarten Flughäfen

Die Untersuchung zeigte teils große Unterschiede bei Ausfällen und Verspätungen benachbarter Flughäfen. Obwohl am Flughafen Köln/Bonn etwa sechs Prozent mehr Flüge pünktlich abheben als im nahegelegenen Düsseldorf, fallen in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens anteilig weniger Flüge aus. In dieser Statistik hat die Stadt am Niederrhein sogar den besten Wert der gesamten Untersuchung. Ähnlich verhält es sich auch an den benachbarten Flughäfen Hamburg und Bremen, sowie Halle/Leipzig und Dresden. Zwar gibt es an den Flughäfen Halle/Leipzig und Bremen deutlich weniger Verspätungen, doch in Hamburg und Dresden werden anteilig weniger Flüge gestrichen.

Insgesamt hoben etwas mehr als 85.000 Flüge im ersten Halbjahr 2017 unplanmäßig von den 13 größten deutschen Flughäfen ab. Das macht einen Schnitt von knapp 470 verspäteten Flügen pro Tag. Allein in Frankfurt am Main sind bis zum Juli 2017 fast 23.000 Flüge nicht wie geplant gestartet.

Fluggäste können bis zu 600 Euro Entschädigung erhalten

Fluggäste, deren Maschine sich verspätet oder gar komplett ausfällt, können eine Entschädigung von bis zu 600 Euro erhalten. Alle Verspätungen und Ausfälle zusammengenommen, steht den deutschen Flugreisenden allein aus dem ersten Halbjahr 2017 eine Entschädigungssumme von über 150 Millionen Euro zu. Die Höhe der Entschädigungszahlungen ist abhängig von der Länge der Verspätung am Zielort, der Flugdistanz sowie des Grundes für die Verspätung oder den Ausfall. Betroffene Passagiere können ihren Entschädigungsanspruch bis zu drei Jahre nach ihrem Flugtermin durchsetzen. Das Unternehmen Air Help geht davon aus, dass insgesamt nur zwei Prozent der betroffenen Deutschen das Geld auch tatsächlich einfordert.

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