Bewerbung abgelehnt

Celine Knop ist mit 1,54 Metern zu klein für die Polizei

Celine Knop wird wegen ihrer Körpergröße bei der Berliner Polizei abgelehnt. Doch die 19-Jährige kämpft weiter.

Celina Knop 19 ist aufgrund ihrer Körpergröße nicht zur Polizeiausbildung zugelassen worden

Celina Knop 19 ist aufgrund ihrer Körpergröße nicht zur Polizeiausbildung zugelassen worden

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

"Wenn ich groß bin, will ich Astronaut werden oder Feuerwehrmann oder Polizist …" Früh geäußerte Berufswünsche von Kindern überdauern in den seltensten Fällen die fünfte Schulklasse. Und spätestens in der Pubertät möchte kein Teenager mehr daran erinnert werden. Anders ist es bei Celine Knop. Erwachsen ist sie geworden, aber nicht groß. Zumindest nicht groß genug für den Polizeidienst. Ihr Problem: Bei 1,54 Meter hat sie aufgehört zu wachsen. Da war Celine elf Jahre alt. Ihr Berufswunsch Polizistin ist geblieben. "Für mich kam nie etwas anderes infrage", sagt die heute 19-Jährige. Ihre Tante arbeite als Hauptkommissarin bei der Kriminalpolizei, und der Freund der Mutter sei auch bei der Polizei.

Celine Knop wusste schon als Teenager, dass ihr ihre Körpergröße irgendwann einen Strich durch die Rechnung machen würde. "Mit 13 oder 14 Jahren habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr wachse", sagt sie. "Wir haben dann einen Arzt aufgesucht, der feststellte, dass ich nicht mehr wachsen werde. Maximal wenige Millimeter." Die junge Frau dachte sogar über eine Kur mit Wachstumshormonen nach. Dafür sei es aber nach Meinung der Mediziner zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät gewesen.

Zu klein für die Kripo: Polizeibewerberin klagt gegen Absage

Sechs Zentimeter fehlen ihr zum Traumjob. Mit 1,54 Meter kann Celine Knop jedoch nicht einmal zum Einstellungstest eingeladen werden.
Diese Polizeibewerberin wurde wegen ihrer Größe abgelehnt

Der Wunsch, eine Ausbildung bei der Polizei zu machen, trieb sie weiter an. "In der 9. Klasse habe ich ein Schulpraktikum bei der Schutzpolizei auf einem Abschnitt am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg gemacht", sagt sie. Vor gut eineinhalb Jahren opferte sie ihre Herbstferien für ein Praktikum bei der Kriminalpolizei. Sie habe von allen Beamten viel Lob und Zuspruch erfahren. Trotz aller Bemühungen haben ihr schließlich die Einstellungsvoraussetzungen für den Dienst bei der Berliner Landespolizei dem Berufswunsch vorerst doch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Celine Knop hatte sich im April um die Einstellung in den gehobenen Dienst der Kriminalpolizei beworben. Die Ablehnung kam prompt. Der Polizeipräsident lehnte ihre Bewerbung ab, da die junge Frau "die für die Laufbahn vorgeschriebene Mindestgröße von 1,60 Meter, für männlich Bewerber 165 Zentimeter" unterschreite, heißt es.

Mindestgröße für Bewerber bei der Bundespolizei ausgesetzt

"Ich habe mit der Absage gerechnet", sagt sie. "Trotzdem war ich sehr, sehr traurig und enttäuscht. Ich habe ja noch nicht einmal die Chance bekommen, den Einstellungstest zu machen." Diese Situation, in der andere Teenager ihren Berufswunsch geändert hätten, nahm sie als Herausforderung an. Sie wollte sich mit der Absage nicht abfinden und klagte vor dem Verwaltungsgericht Berlin. Sie begründete ihren Gang vor das Gericht damit, dass ihre "gesundheitliche Eignung für den Polizeivollzugsdienst außer Frage" stehe. Aber das Verwaltungsgericht hat ihre Klage im Juni abgewiesen. Es urteilte, der Arbeitgeber lege zu Recht bestimmte Eignungskriterien fest, die sich an typischen Aufgaben der Bewerber orientieren würden. "Für die Durchsetzungsfähigkeit bei körperlichen Auseinandersetzungen und für die Anwendung unmittelbaren Zwangs müssten körperliche Mindestvoraussetzungen erfüllt sein", heißt es in der Begründung der Klageabweisung.

Das wirft bei Celina Knop Fragen auf, denn die Bundespolizei hat im Rahmen ihrer Einstellungsoffensive die Mindestgrößen für Bewerberinnen und Bewerber ausgesetzt. "Würde ich bei der Bundespolizei mit meinen 1,54 Meter arbeiten, könnte ich dort auch auf Demonstrationen eingesetzt werden", sagt sie. "Aber für den gehobenen Dienst bei der Kripo, also für Ermittlungsarbeiten, soll ich zu klein sein?" Sie ist davon überzeugt, dass sie sich auch bei einer Demonstration oder in einer anderen Situation gegen einen Angreifer wehren könnte.

Dabei würden ihrer Meinung nach die sechs Zentimeter Unterschied bis zur Mindestgröße auch keinen Unterschied machen. "Ich bin sportlich und gesund und während der Ausbildung lernt man auch Selbstverteidigung", sagte sie. "Menschen, die grundsätzlich keinen Respekt vor der Polizei haben, ist auch die Körpergröße des Polizisten, der vor ihnen steht, egal."

Unterstützung erhält Celina Knop aus der Politik

Auch die innenpolitischen Sprecher von SPD und Grünen sprachen nach der Klageabweisung davon, dass die Mindestgrößenanforderung "nicht mehr zeitgemäß und nicht realitätsnah" seien. "Wenn die Bewerber fit sind und die geforderten Leistungen bringen, dann sollten sie auch ihre Chance auf eine Einstellung erhalten", so Benedikt Lux von den Grünen. Tom Schreiber von der SPD sagt, das Land Berlin sei kaum in der Lage, "wegen der Konkurrenz mit den anderen Bundesländern und dem Bund Bewerber abzulehnen". Nach Meinung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) würde sich die körperliche Eignung eines Polizisten nicht über Körpergröße und Alter definieren, sondern über Fitness und Fertigkeiten.

Trotz der Möglichkeiten, die sich bei der Bundespolizei bieten würden, möchte sie sich dort aber nicht bewerben. "Die Bundespolizei hat doch andere Aufgaben, als die Berliner Polizei", sagte sie. "Ich möchte lieber Ermittlungsarbeit leisten." Noch bis August leistet die 19-Jährige einen Bundesfreiwilligendienst in einem Charlottenburger Kinderladen. Aktuell wartet sie, ob ihre Berufung beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen wird. "Ich möchte wenigstens die Chance erhalten, mich bei einem Einstellungstest zu beweisen. Wenn ich den nicht bestehe, habe ich volles Verständnis, wenn mich die Polizei nicht nimmt."

Während sie wartet, will die junge Frau Soziale Arbeit studieren. Und wenn sie in Berlin wegen ihrer Größe nicht Polizistin werden darf, will sie die Stadt verlassen. "Das würde mir sehr schwerfallen, aber wenn ich in Berlin nicht zur Polizei darf, dann werde ich mich in Bremen bewerben", sagt sie. "Dort gibt es keine Mindestgröße."

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