Stadtbahn

S-Bahn: Keine Züge zwischen Lichtenberg und Ostkreuz

Der Einbau neuer Technik auf der Ost-West-Verbindung der S-Bahn sorgt für Ausfälle und Ersatzverkehr bis Ende August.

Die S-Bahn hat einen Ersatzverkehr mit Bussen eingesetzt, die auch bis Ostbahnhof fahren

Die S-Bahn hat einen Ersatzverkehr mit Bussen eingesetzt, die auch bis Ostbahnhof fahren

Foto: Reto Klar

Aus der Mitteilung der Vorwoche war einige Zufriedenheit herauszulesen: Ihre Fahrgäste, so das Versprechen der S-Bahn, würden in den kommenden Jahren auf der Stadtbahn nicht mehr durch Bauarbeiten gestört. Nach einer letzten Sperrung am Wochenende sei das neue Zugbeeinflussungssystem (ZBS) auf der 15 Kilometer langen Strecke zwischen Westkreuz und Ostbahnhof endgültig eingebaut. Nach zwei Jahren, 152 Sperrpausen und neuer Technik an 231 Signalen.

Doch es dauerte nach der Wiederaufnahme des Betriebs am Montagmorgen dann nur wenige Stunden, und auf der Stadtbahn gab es wieder Pro-bleme. Wegen einer Signalstörung am Bahnhof Friedrichstraße musste der Fahrplan "ausgedünnt" werden, wie es bei der S-Bahn hieß. So fielen etliche Fahrten der Linien S5 (Spandau–Strausberg Nord) und S7 (Potsdam–Ahrensfelde) aus, die meiste Zeit gab es nur einen Zehn-Minuten-Takt, wenn auch ein "stabiler", wie ein Sprecher betonte.

Einschränkungen auch für den neuen Hertha-Zug

Das ganz große Chaos sei ausgeblieben, wenn auch die Züge sehr voll gewesen seien. Viele Fahrgäste hätten als Umfahrung die U-Bahn genutzt, "darin sind unsere Fahrgäste sehr gut", freute sich der Sprecher. Der Fahrgastverband Igeb war weniger erfreut: "Die S7 erreicht vom Westen nicht mal den Hauptbahnhof", sagte Sprecher Jens Wieseke. Eine solche Halbierung des Verkehrs sei nicht hinnehmbar.

Im Laufe des Nachmittags beruhigte sich die Lage. Und für die S-Bahn gab es noch eine gute Nachricht: Immerhin eine neu gestartete Promo-Aktion konnte stattfinden. Bis Endes des Jahres rollt anlässlich des 125. Jubiläums von Fußball-Bundesligist Hertha BSC ein blau-weiß gestalteter Zug auf der Stadtbahn. Er konnte vom Startpunkt in Wannsee zunächst zwar nur bis Charlottenburg, später dann aber bis Alexanderplatz fahren.

Wie die S-Bahn auf Nachfrage bestätigte, hatte die Störung mit dem Einbau des Zugbeeinflussungssystems zu tun. Eine Überprüfung solle in der Nacht zum Dienstag erfolgen. Überraschend war das nicht. Immer wieder kommt es nach der Inbetriebnahme des ZBS zu Problemen. Die Technik löst die bisherige mechanische Fahrsperre aus den 20er-Jahren ab. Sie verhindert nicht nur wie ihr Vorgänger, dass die Triebfahrzeugführer – wie Lokführer inzwischen genannt werden – ungewollt an Haltesignalen vorbeifahren. Sondern kontrolliert auch das Tempolimit und kann die Geschwindigkeit der Züge überwachen. Wenn erforderlich, sorgt das ZBS für ein Abbremsen. Zusätzlich werden die Fahrer durch elektronische Anzeigen und Ansagen unterstützt.

Bis Ende 2025 soll das gesamte S-Bahn-Netz umgerüstet sein

Dabei ist das ZBS an elektronische Stellwerke gekoppelt, die parallel in Betrieb genommen werden und eine höhere Störanfälligkeit haben. Bei Stromausfällen oder Serverproblemen, aber eben auch nach der Inbetriebnahme. Im Februar vergangenen Jahres etwa kam es auf der S3 zu Signalstörungen, kurz nachdem ein elektronisches Stellwerk zwischen den Bahnhöfen Karlshorst und Ostkreuz installiert worden war.

2012 fiel das Stellwerk in Halensee aus, wodurch der gesamte S-Bahnverkehr in der Stadt über Stunden zusammenbrach – Bahn-Mitarbeiter hatten im Berufsverkehr die Notstromaggregate getestet und dafür die normale Stromversorgung abgestellt. Wegen der erhöhten Sicherheit im Fahrbetrieb ist es für die S-Bahn beziehungs-weise ihren Mutterkonzern Deutsche Bahn aber alternativlos. Bis Ende 2025 soll das gesamte, 332 Kilometer lange S-Bahn-Netz umgerüstet sein. Als letztes großes Projekt steht die Ringbahn auf dem Programm.

Ersatzbusse der S-Bahn fahren im Rudel

Weil die S-Bahn traditionell in der Ferienzeit baut, wird der Einbau des ZBS in den kommenden Wochen fortgeführt. Bis zum 21. August fahren wegen des Einbaus keine Züge zwischen Lichtenberg und Ostkreuz. Hier hat die S-Bahn einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, die auch bis Ostbahnhof fahren (siehe Grafik). Zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof gibt es einen 15-Minuten-Pendelverkehr der S-Bahn. Da die Ersatzbusse für die Strecke erheblich länger fahren, empfiehlt die S-Bahn zur Umfahrungen die angrenzenden U- und S-Bahn-Linien. Die Fahrgastvertreter von der Igeb monieren, dass der Ersatzverkehr nicht so funktioniere wie erhofft. Es hätten Anzeigen und Informationen gefehlt, zudem seien viele Busse in der Gruppe gefahren.

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