Berlin

Kritik an neuem Tegel-Konzept

Kaum Zustimmung für Pläne, den Airport zumindest vorübergehend mit weniger Flugverkehr offen zu halten

Berlin. Der Vorschlag des Flughafen-Experten Dieter Faulenbach da Costa, Tegel mit weniger Kapazitäten zumindest vorübergehend offen zu halten, stößt in den Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus überwiegend auf Ablehnung. „Das bringt uns nicht weiter“, sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. Selbst bei einer Teilnutzung stünde die rechtliche Frage der Offenhaltung weiter im Raum. Sollte der BER nach der Eröffnung zu klein sein, müsse man eher mit außerstädtischen Flughäfen in der Umgebung kooperieren. Zudem gehe es auch darum, das Versprechen zu halten, das man den lärmgeplagten Anwohnern vor vielen Jahren gegeben habe, und Tegel zu schließen.

SPD-Fraktionsvize Jörg Stroedter ergänzte, dass die Airlines nicht ihre Kurzstreckenflüge in Tegel und alle anderen am Hauptstadtflughafen BER würden abwickeln wollen, da dies wirtschaftlich schwierig sei. Auch gehe das Nachnutzungskonzept für das Flughafengelände bei dieser Lösung verloren.

Selbst die Tegel-Befürworter um FDP-Fraktionschef und Volksentscheid-Initiator Sebastian Czaja halten nichts von der Idee. „TXL ohne das Sechseck, als Herzkammer des Airports, ist kein Kompromiss, sondern der Todesstoß für einen funktionierenden Flughafen“, so Czaja. Nur ein Vollflughafen in Tegel könne das „dramatische Kapazitäten-Defizit am BER“ kompensieren.

Wie berichtet sieht das Konzept von Ex-BER-Planer Faulenbach da Costa vor, wenigstens das Terminal C nach der Eröffnung des BER offen zu halten und dort nur innerdeutsche oder kurze europäische Flüge zu bedienen – und auch das nur zwischen sieben und 21 Uhr. Starten und landen sollen die Maschinen nur noch auf der Nordbahn, mit kleineren und leiseren Jets, damit auf Lärmschutz, auf den die Anwohner ab 2019 Anspruch haben, verzichtet werden kann. Die Zahl von durchschnittlich 600 Flugbewegungen am Tag soll sich halbieren.

In das marode Hauptterminal könnten hingegen wie geplant die Studenten der Beuth Hochschule für Technik einziehen. Mit dem Bau von 9000 Wohnungen müsste der Senat hingegen warten. Faulenbach ist überzeugt, dass nur so die drohenden Kapazitätsprobleme am BER gelöst werden können.

Zaghafte Zustimmung kommt aus den Reihen der CDU. „Der Vorschlag ist ein interessanter Debattenbeitrag in der Frage, wie man beide Flughäfen ohne ruinösen Preiswettkampf offen halten könnte“, sagte Fraktionsvize Stefan Evers. Er decke sich mit der CDU-Forderung, Tegel zumindest so lange am Netz zu halten, bis der BER über ausreichend Kapazitäten verfüge.

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