Berlin

Berlins Tor zur Welt

Streit um die Zukunft des Flughafens Tegel bestimmt die politische Debatte dieses Sommers. Eine Zeitreise in Bildern

Es ist das Streitthema des Sommers 2017: Soll der Flughafen Tegel offen bleiben oder – wie vorgesehen – nach der Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld schließen? Am 24. September können die Berliner in einem Volksentscheid parallel zur Bundestagswahl über die Zukunft des innerstädtischen Airports abstimmen.

Dem rot-rot-grünen Senat könnte dabei eine schwere Schlappe drohen. Die Regierung will die Berlinerinnen und Berliner in den nächsten Wochen davon überzeugen, dass „Tegel schließen“ ganz klar eines bedeutet: „Die Zukunft öffnen“. Auf dem Areal des heutigen Flughafens im Norden der Stadt soll ein Forschungs- und Industriepark mit mehr als 17.000 Arbeitsplätzen entstehen. Bis zu 9000 Wohnungen sind denkbar. Mit einem Weiterbetrieb in Tegel würde zudem die Genehmigung für den künftigen Hauptstadtflughafen BER infrage gestellt, warnt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Am gestrigen Mittwoch beriet der Koalitionsausschuss von SPD, Linken und Grünen nach Informationen der Berliner Morgenpost die Kommunikationsstrategie. Sie hatte in der ersten Stufe nicht funktioniert. So gelang es einer Initiative, im Frühjahr mehr als 200.000 Unterschriften für den Weiterbetrieb des Flughafens zu sammeln. Als Gegenkampagne zu der von der FDP mit angestoßenen Offenhaltungsinitiative will Berlins Senat nun bis zum 24. September vehement für die längst beschlossene Schließung des beliebten Airports werben.

Fest steht auch für Brandenburg und den Bund – mit Ausnahme von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU): Tegel muss sechs Monate nach Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens BER schließen. Die Gerichte hatten diese Entscheidung in mehreren Instanzen bestätigt. Der Vizevorsitzende der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus Jörg Stroedter, kritisierte am Mittwoch: „CSU-Mann Dobrindt spielt schlicht die bayerische Karte aus. Ihm geht es nicht um eine realistische Verkehrspolitik für die Hauptstadt Berlin. Ganz im Gegenteil. Dobrindt geht es um eine Schwächung der Hauptstadtregion zugunsten seiner Heimat München.“

Der Senat muss sich übrigens nicht an das Ergebnis des Volksentscheids halten, denn es steht kein Gesetz zur Abstimmung. Auch für die Parteien und Fraktionen sowie für mehrere Initiativen ist die Tegel-Debatte das brennende Thema des Sommers. Viele Berlinerinnen und Berliner fühlen sich emotional eng mit dem kleinen, aber erstaunlich leistungsfähigen innerstädtischen Flughafen verbunden. Die Flughafenanlage Tegel-Süd mit dem 47,5 Meter hohen Tower entstand zwischen 1965 und 1975 nach Plänen des Hamburger Architektenbüros von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Am 23. Oktober 1974 wurde der 430 Millionen Mark teure Flughafen nach viereinhalb Jahren Bauzeit eröffnet. Am 1. November startete der erste Flieger. Tegel ging in Betrieb mit dem Versprechen, durch die dezentrale Verteilung der Schalter noch fünf Minuten vor dem Start abfertigen zu können.

Bis heute steht das sechseckige Hauptterminal-Gebäude für kurze Wege und Übersichtlichkeit. Ursprünglich war Tegel für jährlich bis zu sechs Millionen Passagiere ausgelegt. Nach mehreren geplatzten Eröffnungsterminen des BER zählte der Airport „Otto-Lilienthal“ im Jahr 2016 mehr als 21 Millionen Passagiere – und 185.500 Starts und Landungen. Mehrere Anbauten machen das möglich. Trotzdem eine schier unglaubliche Leistung. Die Berliner Morgenpost hat Bilder aus der langjährigen Geschichte des ungewöhnlichen Flughafens zusammengestellt.

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