Berlin

Hepatitis A breitet sich weiter aus

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Martin Nejezchleba

Trotz Impfkampagne infizierten sich96 Menschen in Berlin

Fünf neue Fälle von Hepatitis A in einer Woche. Das meldet das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) und warnt gleichzeitig vor einem anhaltenden Ausbruch der Infektionskrankheit. Seit Beginn des Jahres registrierte das Lageso 96 Fälle der Leberentzündung, wie aus dem jüngsten Gesundheitsbericht der Behörde hervorgeht. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren infizierten sich im gleichen Zeitraum durchschnittlich 19 Menschen. 83 Prozent der Betroffenen gaben an, Sex mit Männern zu haben. Mit Abstand am meisten Krankheitsfälle wurden in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg gemeldet. Gut ein Drittel der Betroffenen in Berlin musste ins Krankenhaus.

Aktuell laufen in Berlin die Pride Weeks, also mehr als 200 Veranstaltungen der Szene. Höhepunkt ist der Christopher Street Day am 22. Juli – auch verbunden mit Partys, bei denen neue Sex-Kontakte im Mittelpunkt stehen. Hepatitis A kann beim Sex übertragen werden. Kondome gelten nicht als ausreichender Schutz, Schmierinfektionen sind auch damit noch möglich. Empfohlen wird eine Impfung. In Deutschland kostet die etwa 40 Euro. Bei Risikopatienten wird sie von den Krankenkassen bezahlt. Dazu gehören neben homo- und bisexuellen Männern etwa auch Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen.

Insgesamt sind seit Beginn der Hepatitis-A-Welle im November 2016 in Berlin 125 Fälle registriert worden – eine ungewöhnlich große Zahl an Infektionen. Seither beobachtet das Lageso mit dem Robert-Koch-Institut das Geschehen und berichtet wöchentlich.

Hepatitis A ist eigentlich vor allem in Entwicklungsländern verbreitet, das Virus wird oft etwa mit verunreinigtem Wasser aufgenommen. Die Erkrankung hat anders als andere Hepatitis-Formen keine Langzeitfolgen. Zu den Symptomen zählen Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen und eine Gelbfärbung von Haut und Augen.

Der Krankheitsausbruch beschränkt sich nicht auf Berlin. Auch die Europäische Seuchenbehörde European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) rät Besuchern von Pride-Festivals zu Impfungen. 2017 sind laut der Behörde europaweit rund 1500 Menschen an Hepatitis A erkrankt. Die Club- und Schwulenmetropole Berlin gilt allerdings auch laut ECDC als ein Zentrum des Krankheitsausbruchs.

Das Lageso informiert seit Monaten verstärkt in Clubs und Arztpraxen mit Postern und Postkarten über die Krankheit und ruft zur Impfung auf. Allerdings muss laut dem neuen Bericht mit einer weiteren Verbreitung von Hepatitis A gerechnet werden.

( mit dpa )