Umzug Gewerkschaftsbund

Hier bauen Gewerkschafter ab 2018 ein Hochhaus

Der DGB will vom Hackeschen Markt in einen Neubau in der City West umziehen - 70 bis 80 Millionen Euro soll der Neubau kosten.

Das zukünftige DGB-Haus in der Keithstraße hat neun Stockwerke und ist circa 32 Meter hoch.

Das zukünftige DGB-Haus in der Keithstraße hat neun Stockwerke und ist circa 32 Meter hoch.

Foto: O&O Baukunst/Finest-Images

Das Eigenheim steht nicht nur bei Bundesbürgern ganz oben auf der Wunschliste, sondern auch beim Deutschen Gewerkschaftsbund DGB. Der Bundesvorstand will sich in der City West eine eigene Zentrale errichten – und raus aus dem derzeitigen Mietverhältnis in der City Ost. Am Mittwoch stellte der Bundesvorstand das 70 bis 80 Millionen Euro teure Bauvorhaben erstmals der Öffentlichkeit vor.

Noch residiert die Zentrale des Gewerkschaftsbundes in einem schicken Bürogebäude am Henriette-Herz-Platz, vis-à-vis vom Hackeschen Markt. Das Gebäude hat jedoch zwei wesentliche Nachteile. Zum einen ist es zu klein geworden. Was noch wichtiger ist: "Es ist nicht unser eigenes Haus, sondern wir sind Mieter und zahlen die ortsübliche Büromiete von mehr als 20 Euro je Quadratmeter", begründet DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell den Schritt. Bei rund 200 Arbeitsplätzen am Standort käme da einiges zusammen. Da die Gewerkschaft in Berlin über eine eigene Liegenschaft verfügt, stand auch schnell fest, wo die neue Zentrale errichtet werden soll: nahe am Wittenbergplatz, an der Ecke Keith- und Kleiststraße in Schöneberg. Das Pro­blem: Das Grundstück steht nicht etwa leer, sondern ist voll vermietet. Unter den Nutzern sind die Buchhandlung Büchergilde Gutenberg, der DGB-Landesbezirk Berlin-Brandenburg, die IG Bau, verschiedene Projektgesellschaften und die Beratungsstelle für Migranten.

Bisherige Mieter werden in der Bauphase umquartiert

"Für die Bauphase haben wir für alle Mieter einen Ersatzstandort gefunden", sagt Körzell. Während die Büromieter in ein Ausweichquartier am Kapweg in Wedding ziehen, hat die Büchergilde gleich ums Eck an der Welserstraße eine neue Bleibe gefunden.

"Natürlich haben wir auch geprüft, ob sich unser traditionsreiches altes Haus nicht sanieren und erweitern ließe", versichert Körzell. Schließlich sei das alte Gewerkschaftshaus, dessen Baustart im Jahr 1961 mit dem Mauerbau zusammenfiel, Teil der Berliner Geschichte. Das 1964 bezogene Gebäude sei jedoch "heftig in die Jahre gekommen", habe erhebliche bauliche Mängel, wirtschaftlich mache die Sanierung daher keinen Sinn.

Neubau wird 23 Meter höher als das alte Gebäude

"Außerdem wollen wir uns ja auch vergrößern", so Körzell weiter. Und so wird das neue Gebäude nun deutlich höher: Das jetzige Haus an der Keithstraße hat an seiner höchsten Stelle neun Stockwerke und ist rund 32 Meter hoch. Künftig wird das Eckgrundstück von einem Turm gekrönt, der 55 Meter hoch aufragt und 14 Stockwerke zählt. Damit wird der neue Turm exakt so hoch wie das denkmalgeschützte Dorlandhaus auf der gegenüberliegenden Seite der Keithstraße.

Auch entlang der Kleiststraße wird das Haus höher. Während der derzeitige Riegel dort nur ein bis zwei Geschosse hoch ist, wird der Block dort künftig, wie auch die Häuser auf der anderen Straßenseite, sechs Geschosse haben. Statt bisher 120 sollen im neuen Gebäude nun rund 350 Arbeitsplätze entstehen, die Nutzfläche von derzeit 5800 Quadratmetern auf 13.000 Quadratmeter erweitert werden.

Ende 2020 soll der Bau fertig sein

Platz genug auch für mehrere Veranstaltungssäle sowie eine große Kantine, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Und genug Platz auch für einen mehr als 500 Quadratmeter großen "Pocket Park" im Inneren des Blockes, der von den Besuchern der Kantine und den Mitarbeitern genutzt werden kann.

"Das Gebäude komplettiert so die städtebauliche Situation aus traditionellen Berliner Stadtblöcken und den in den 50er-Jahren Jahren entstandenen Hochhäusern der Nachkriegszeit", ergänzt Markus Penell vom Architekturbüro Ortner & Ortner die Ausführungen des DGB-Vorstandes. Das Büro hat den geladenen Wettbewerb zur Architektur des Gebäudes gewonnen. Das Gebäudeensemble mit seiner Fassade aus Sichtbeton und Glas solle "die Robustheit, Solidität und Offenheit des DGB verdeutlichen und sich selbstbewusst in das vorgefundene Stadtbild einfügen", erklärt der Architekt seinen Siegerentwurf. Läuft alles wie geplant, werden die Mieter zum Jahresende in ihre Übergangsquartiere umziehen. Im Frühjahr 2018 werden dann, vorbehaltlich der Baugenehmigung des Bezirks, die Abrissbagger anrücken und die Bauarbeiten damit offiziell beginnen. "Den Bauantrag werden wir im Herbst dieses Jahres einreichen", so Körzell weiter. Ziel sei es, das neue Gebäude zum Ende des Jahres 2020 fertigzustellen. Dann könnten auch die alten Mieter wieder zurück, versichert der Vorstand.

DGB will auf gute Bezahlung der Bauarbeiter achten

Für den DGB als Bauherr sei es selbstverständlich, dass "die Bauarbeiter auf unserer Baustelle gut bezahlt werden", fügt der Gewerkschafter noch hinzu. Man wolle sehr sorgfältig darauf achten, welche Baufirmen bei der Ausschreibung zum Zuge kommen werden. "Wir werden Sorge dafür tragen, dass die Baufirmen nach Tarif zahlen", so Körzell.

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