Kommentar

Der Senat hat gute Argumente gegen Tegel vorgebracht

Am BER könnte es eng werden. Aber gegen Tegel gibt es gute Argumente. Die Debatte ist eröffnet, meint Joachim Fahrun.

Der Flughafen Tegel bei Nacht

Der Flughafen Tegel bei Nacht

Foto: dpa Picture-Alliance / Volkmar Heinz / picture alliance / zb

Bisher waren die Vertreter der Koalition mehr oder weniger auf Tauchstation. Während die Befürworter einer Offenhaltung des Flughafens Tegel seit Monaten ihre Argumente rauf und runter vortragen, Gutachten präsentieren und Werbung machen, war von Rot-Rot-Grün wenig zu hören.

Zunächst haben die Regierungsparteien, ebenso wie auch der alte rot-schwarze Senat, die Wucht des von der FDP durchgezogenen Volksbegehrens unterschätzt. Sie dachten, sie kämen im Schlafwagen durch den Sturm. Dann wussten sie offensichtlich nicht, was sie sagen sollten, nachdem sich die Schließungsbefürworter zu lange hinter dem Satz „Geht rechtlich nicht“ verschanzt hatten – und sich damit nicht zu Unrecht den Vorwurf der Denkfaulheit einhandelten. Gut elf Wochen vor der Abstimmung hat sich das geändert. Der Senat hat endlich seine offizielle Gegenrede zum Text des Volksentscheides formuliert. Und egal wie man zu Tegel steht: So schlecht sind die Argumente nicht.

Ein Doppelbetrieb brächte Probleme mit sich

Der Lärm über den Köpfen Hunderttausender Berliner ist ein Problem, ebenso die Sicherheit der Fliegerei über dem Häusermeer. Die Rechtslage ist mindestens unsicher. Seriös kann niemand sagen, wie die zu erwartenden Klagen ausgehen würden. Ein Doppelbetrieb würde die Flughafengesellschaft wohl ins Defizit stürzen. Während dieser Ungewissheit müsste man den BER weiter ausbauen, ohne dessen Eröffnung sowieso niemand TXL schließen wird. Und: Die Stadt könnte den Raum in Tegel gut gebrauchen für moderne Industrie, Jobs, die Beuth Hochschule und viele neue Wohnungen.

Dementgegen steht die Sorge, es könnte eng werden am BER, weil der Ausbau nicht mit dem Passagierwachstum mithält. Wie auch immer: Es ist gut, dass nun die Argumente auf dem Tisch liegen. Denn am 24. September geht es nicht um die Pannen am BER oder um Rot-Rot-Grün. Sondern um eine wichtige Zukunftsfrage für Berlin.

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