Dresdner Bahn

Bau der Bahntrasse zum BER startet noch 2017

Das Leipziger Urteil macht den Weg frei für die Strecke. Sie wird Teil eines transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes.

Die Bahn reagierte prompt. Nicht einmal eine Stunde, nachdem am Donnerstagvormittag die Bundesrichter in Leipzig damit begonnen hatte, ihr Urteil zur "Dresdner Bahn" zu verlesen, kam per Presseerklärung bereits die Ankündigung: Noch in diesem Jahr wird mit den Arbeiten für die umstrittene Gleisverbindung begonnen.

Als erstes werden die Bauarbeiter wohl am Bahnübergang an der Säntis- straße südlich des S-Bahnhofs Marienfelde anrücken. Weil die Züge einmal mit Tempo 160 durch den Berliner Süden rasen sollen, darf es aus Sicherheitsgründen an der insgesamt 16 Kilometer langen Gleisstrecke keine Schranken-Übergänge mehr geben. Sie werden durch Brücken – oder, wie im Fall der Säntisstraße, durch Bahn-Unterführungen – ersetzt.

Der Bahn-Bevollmächtigte für Berlin, Alexander Kaczmarek, begrüßt derweil den Leipziger Richterspruch: "Das ist ein guter Tag für die Eisenbahn." Die Verbindung sei schließlich nicht nur wichtig für die schnelle Anbindung des neuen Hauptstadtflughafens BER, sondern auch für den internationalen Zugverkehr nach Prag und Wien.

Nur mit der als "Dresdner Bahn" bezeichneten kurzen Gleisverbindung durch die Stadt könne die Fahrzeit von Berlin nach Dresden auf 80 Minuten reduziert werden. Den Anwohnern verspricht Kacz­marek: "Niemand muss sich Sorgen machen. Die Anwohner werden einen hervorragenden Schutz vor Lärm und Erschütterungen bekommen."

"Ich wollte nie, dass ein Gericht über das Schicksal eines ganzen Ortsteils entscheidet"

Schwer enttäuscht zeigt sich dagegen der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak über die Entscheidung der Bundesrichter, die die Klagen gegen den ebenerdigen Bau allesamt abgewiesen hatten. Dies sei "ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die seit 20 Jahren für die Tunnellösung kämpfen", erklärte der Politiker.

Und weiter: "Ich wollte nie, dass ein Gericht über das Schicksal eines ganzen Ortsteils mit seinen 50.000 Menschen entscheidet, sondern habe immer eine politische Lösung für Lichtenrade angestrebt." Die von den Anwohnern angestrebte Tunnellösung sei aber letztlich daran gescheitert, dass sich das Land Berlin nie unmissverständlich hinter diese Variante gestellt habe. "Dafür trägt wesentlich Michael Müller als Stadtentwicklungssenator und jetziger Regierender Bürgermeister die Verantwortung", so Luczak.

Bedauern auch beim aktuellen Regierungspartner der Berliner SPD, den Grünen. Deren verkehrspolitischer Sprecher Stefan Gelbhaar sieht die Verantwortung für das letztliche Scheitern der von den Anwohnern geforderten Tunnelvariante beim alten rot-schwarzen Senat, der sich nicht ausreichend für eine bessere Lösung eingesetzt habe. "Nun ist es wichtig, dass das Umfeld der Bahnanlagen in Lichtenrade gemeinsam mit den Anwohnern so stadtverträglich wie möglich gestaltet wird", fordert Gelbhaar.

Ursprünglich war ein Pendelverkehr mit nur zwei Zwischenstopps am Potsdamer Platz und in Südkreuz geplant

Dafür könnte durchaus noch Zeit bestehen. Denn nach dem aktuellen Zeitplan der Bahn wird die "Dresdner Bahn", die vor allem der schnellen Anbindung des neuen Hauptstadtflughafens BER an die Berliner City dienen soll, nicht vor 2025 fertiggestellt sein.

Doch wie soll der Airport in Schönefeld bis dahin mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden? Ungeachtet der nach wie vor unbeantworteten Frage nach der Eröffnung des neuen Großflughafens, haben sich der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und die Deutsche Bahn als Eigentümer der Gleistrassen jetzt auf ein Konzept zur Bahnanbindung geeinigt. Kernpunkt des Konzepts ist der neue Regionalexpress RE9, der im Halbstundentakt und in einer Art Kreisverkehr (entgegen dem Uhrzeigersinn) zwischen der Berliner Innenstadt und dem BER fahren soll.

Ursprünglich war ein Pendelverkehr über die "Anhalter Bahn" mit nur zwei Zwischenstopps am Potsdamer Platz und in Südkreuz geplant. Doch weil ab Dezember, nach Eröffnung der neuen Schnellfahrstrecke Erfurt – Nürnberg, über die Trasse mehr ICE als bisher in Richtung München fahren werden und es zudem an der Genshagener Heide einen neuralgischen Abzweig auf den Außenring gibt, reichen die Kapazitäten auf der "Anhalter Bahn" für die geplante Zahl von RE-Verbindungen nach Schönefeld nicht aus.

Im Spätsommer will der Flughafenchef einen Zeitplan für die Inbetriebnahme bekannt geben

Nachteil der Lösung: Die Fahrzeiten werden etwas länger sein als die ursprünglich geplante halbe Stunde. Nach VBB-Angaben wird der RE9 regulär 32 Minuten vom Hauptbahnhof zum BER benötigen, für den Rückweg über Lichtenberg und Gesundbrunnen 36 Minuten. Zum Vergleich: Der "Flughafenexpress" (FEX), der ab 2025 im 15-Minuten-Takt über die "Dresdner Bahn" fahren soll, kann den BER in nur 20 Minuten erreichen.

Starten soll der RE9 am 10. Juni 2018, zu diesem Termin sind zumindest die Trassen bei der Deutschen Bahn angemeldet. Dass der neue Hauptstadtflughafen bis dahin tatsächlich eröffnet sein wird, gilt indes als höchst unwahrscheinlich. Erst im Spätsommer will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup seinen Zeitplan für die BER-Inbetriebnahme bekannt geben.

Weiter für die Flughafen-Anbindung vorgesehen sind die bereits bestehenden Linien RE7 und RB14, die jedoch über die Stadtbahn fahren. Das hat zur Folge, dass sich Fluggäste, die nach Schönefeld wollen, im Hauptbahnhof stets neu orientieren müssen, wo genau der nächste Zug zum Flughafen abfahren wird: Auf den oberen Fernbahn-Bahnsteigen (RE7 oder RB14), oder in "Hauptbahnhof tief" (der RE9). "Nicht gerade die reine Eisenbahnerlehre", räumt der Bahn-Bevollmächtigte Kacz­marek ein. Wirklich besser werde es erst, wenn die Züge endlich über die "Dresdner Bahn" fahren können.

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