Berlin

Mehr Grün gegen Lärm und Dreck

Damit die Potsdamer Straße schöner wird, arbeiten zwei Bezirke zusammen

Nicht nur für Stadtrat Jörn Oltmann (Grüne) ist es schwer vorstellbar, dass die Potsdamer Straße wirklich grün werden kann. Noch tost der Verkehr durch die eng bebaute Hauptverkehrsader, die Feinstaubwerte sind hoch, eine Unterhaltung kaum möglich. Doch die Interessengemeinschaft (IG) Potsdamer Straße, die am Freitag zum „Grünen Tag“ eingeladen hatte, dem Auftakt einer nachhaltigen Entwicklung dort, zeigte Beispiele, mit denen der Anfang der Entwicklung gemacht ist. Blumensäckchen an Fahrradständern, Pflanzen in alten Baustoffsäcken, bepflanzte Baumscheiben sind nur Beispiele. Dazu gehöre auch, dass für die Potsdamer und die Hauptstraße Tempo 30 möglichst noch in diesem Jahr umgesetzt werden sollte, so die IG. Die Initiative Volksentscheid Fahrrad fordert zudem einen breiteren und vom Verkehr abgetrennten Radweg.

„Boulevard Potsdamer – eine Straße wird Grün“ ist eines der drei Gewinnerprojekte des Wettbewerbs „Mittendrin Berlin“, mit dem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zusammen mit der Industrie- und Handelskammer sowie die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe das Vorhaben mit 35.000 Euro unterstützen.

Auch Geschäftsleute erhoffen sich durch die Initiative für mehr Grün eine Verbesserung. „Die Projekte schweißen die Anwohnerschaft auch mit den Geschäftsleuten zusammen. Vor 15 Jahren war das noch anders“, sagte Sulaf Ahmed, Geschäftsführer des Rewe an der Potsdamer Straße 128, der sich als Vorstandsmitglied auch in der IG engagiert und am Freitag mit seinen Kunden die Verbannung der Plastiktüte und statt dessen die Einführung der Papiertragetasche vor einem Jahr feierte.

Da die Potsdamer Straße im nördlichen Abschnitt zu Mitte gehört und ab der Kurfürstenstraße zu Tempelhof-Schöneberg, stellten Oltmann und Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (beide Grüne) auf dem Mittelstreifen unter Beweis, dass sie in der Frage der Potsdamer Straße zusammenarbeiten: Mit einer Schleife verbanden sie zwei Pflanzen.

Stephan von Dassel hat gegen die Bepflanzung von Baumscheiben nichts Grundsätzliches einzuwenden, wie er auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Vor Kurzem hatte das Grünflächenamt den Blumenschmuck in Baumscheiben in Prenzlauer Berg (Bezirk Pankow) entfernt. Schaukeln, Absperrungen mit Stacheldraht oder Zäunen sind laut von Dassel nicht in Ordnung, weil so die Wurzeln der Bäume Schaden nähmen. Das Bezirksamt plane deshalb, auf der Homepage in Kürze Tipps und Infos zur Bepflanzung zu geben.

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