Modernisierung

137 Millionen Euro sollen jetzt in Berlins Bäder fließen

Die Bäder-Betriebe wollen 23 Einrichtungen modernisieren. Außerplanmäßige Schließungen verärgern allerdings Besucher.

Wasserrutsche im Sommerbad in Berlin-Mariendorf (Archivbild)

Wasserrutsche im Sommerbad in Berlin-Mariendorf (Archivbild)

Foto: imago/Sven Lambert / IMAGO

Die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) wollen mit einer Investitions­offensive ihre vielfach maroden Anlagen modernisieren, so ihre Probleme mit kurzfristig geschlossenen Bädern und dem Unmut vieler Gäste lösen. Bäder-Chef Andreas Scholz-Fleischmann legte am Freitag im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses eine Liste mit 23 Millionenprojekten vor, die die Anstalt des öffentlichen Rechts in den nächsten zehn Jahren mithilfe des Landes sanieren will. In der Summe werden 137 Millionen Euro bis zum Jahr 2027 benötigt.

Größte Projekte sind die Sanierung der Schwimmhalle Schöneberg mit allein 15 Millionen Euro, die Grundsanierung des Kombibades Seestraße (Wedding) für 13 Millionen Euro, die Grundsanierung des Kreuzberger Spreewaldbades sowie Ersatzneubauten für die Schwimmhallen an der Götzstraße (Tempelhof) und der Holzmarktstraße (Friedrichshain) mit je zwölf Millionen Euro. Auch die Schwimmhalle an der Krummen Straße in Charlottenburg und das Stadtbad Lankwitz werden komplett saniert. Der Bäder-Chef kündigte an, dass diese Einrichtungen dann bis zu zwei Jahre geschlossen bleiben müssten.

Ausfälle durch technische Probleme und Personalmangel

Noch hat der Aufsichtsrat der Bäder-Betriebe die Pläne zwar nicht gebilligt und auch noch keine Reihenfolge für die Arbeiten festgelegt. Der Kurs des Landes ist aber klar. Die Sanierung der Hallen und Freibäder ist gewünscht. Zuletzt hat das Parlament den Zuschuss für Investitionen an die BBB auf zehn Millionen Euro pro Jahr aufgestockt.

Die Volksvertreter zeigten sich in der Anhörung im Ausschuss jedoch quer durch die Fraktionen unzufrieden mit den Leistungen der Bäder-Betriebe. Der CDU-Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen sagte, obwohl das Parlament die Zuschüsse für die Bäder-Betriebe erhöht habe, komme „zu wenig bis gar nichts“ davon bei den Menschen an. „Das ist ernüchternd“, stellte Zeelen kritisch fest.

Philipp Bertram (Linke) sagte, die BBB hätten sogar noch höhere Landeszuschüsse bekommen, dennoch sei die Entwicklung bei den Besuchern, Wasserzeiten, Personal und Umsatz rückläufig. Scholz-Fleischmann bemühte den „durchwachsenen Sommer 2016“ als Erklärung, ohne jedoch auf den Verlust von 250.000 Besuchern bei den wetterunabhängigen Hallenbädern einzugehen.

2017 hat bislang noch keine Verbesserung gebracht. Im Gegenteil: Aus den vom Bäder-Chef präsentierten Zahlen geht hervor, dass in den ersten vier Monaten des Jahres deutlich mehr Wasserzeiten aus technischen Gründen oder wegen Personalmangels ausgefallen sind als in den letzten vier Monaten 2016. Auch die Umsätze liegen nach Informationen der Berliner Morgenpost zwar über dem Plan, aber unter den Zahlen von 2016.

Das Flaggschiff erlitt eine Havarie

In den Kellern der Berliner Bäder arbeitet häufig Technik aus grauer Vorzeit. Zuletzt musste das Flaggschiff der Bäder-Betriebe, die Sport- und Sprunghalle am Europapark (SSE) an der Landsberger Allee am Donnerstag kurzfristig wegen einer Havarie schließen. Es sei ein Steuerungselement für die Pumpe ausgefallen, berichtete Bäder-Chef Andreas Scholz-Fleischmann am Freitag im Sportausschuss.

Der Hersteller habe gesagt, es dauere eine Woche, so ein Teil zu beschaffen. Schließlich sei es aber doch noch gelungen, das Element aufzutreiben. Einige Stunden später vermeldeten die Bäder-Betriebe auf ihrer Internetseite, dass am Freitagabend der Schwimmbetrieb wieder möglich sei. „Es hätte auch eine Woche dauern können“, so der Bäder-Chef.

Der Vorfall beleuchtet exemplarisch die Probleme der Bäder-Betriebe. Die Technik der 1999 eröffneten Schwimmhallen an der Landsberger Allee ist in die Jahre gekommen. Technisch bedingte Ausfälle passieren zunehmend, wie eine Statistik der Bäder-Betriebe belegt. Weil auch die kurzfristigen Schließungen wegen Personalmangels ein anhaltendes Problem darstellen, fielen auch in den ersten vier Monaten des Jahres 2017 Wasserzeiten in erheblichem Umfang aus.

Im März allein blieben die Bäder 729 Stunden ungeplant geschlossen, nur der März 2016 war für die Badegäste noch schlimmer. Insgesamt haben viele regelmäßige Badegäste den Eindruck, die Wasserzeiten seien noch einmal geschrumpft im Laufe des Jahres. Immer wieder stehen Badegäste vor verschlossenen Türen.

„Bis Jahresende verlässliche Leistungen erzielen“

Das liegt auch daran, dass die Bäder nur langsam Personal rekrutieren. Scholz-Fleischmann sagte, man habe derzeit drei Vorstellungsgespräche pro Woche und schon zusätzliche Rettungsschwimmer eingestellt. Mit einer neuen Organisation von regionalen Bäder-Verbünden werde man beim Personaleinsatz flexibler werden. Das werde für 2017 dazu führen, dass die bereitgestellten Personalmittel nicht ausreichen, kündigte der Bäder-Chef an.

Zuletzt hatten die Bäder-Betriebe 2016 trotz gesunkenen Umsatzes nur deshalb ein Plus von 340.000 Euro erwirtschaftet, weil sie das Geld für Personal nicht ausgaben. Mit 606 Mitarbeitern waren 2016 weniger Leute beschäftigt als im Jahr zuvor. Vor allem die Zahl der Techniker, die die alten Anlagen kennen und beherrschen, geht zurück.

Sport-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) zeigte sich am Freitag im Sportausschuss unzufrieden mit den Leistungen des Bäder-Managements. „Wir müssen bis Jahresende verlässliche Leistungen erzielen“, sagte der Sozialdemokrat, der seit einem guten halben Jahr politisch für die Bäder verantwortlich zeichnet.

Scholz-Fleischmann und seine Vorstandskollegin Annette Siering müssen nun in diesem Jahr deutlich bessere Ergebnisse liefern. Das machten die vielen kritischen Stimmen der Abgeordneten im Sportausschuss deutlich. Scholz-Fleischmann reagierte angefasst: „Ich bin es leid zu rechtfertigen, wenn irgendetwas nicht geht“, sagte der Bäder-Chef: „Wir haben Sachzwänge.“

„Relativ lange Vorlaufzeiten“ für neue Bäder

Neben den Bemühungen um mehr Personal und bessere Organisation geht es auch um weitere Investitionen in die Bäder, um technische Ausfälle zu begrenzen. 137 Millionen Euro will der Vorstand bis 2027 ausgeben, um 23 Bäder voll oder zum größten Teil zu sanieren. In vielen Freibädern sollen die Fliesen in den Becken durch widerstandsfähigeres Edelstahl ersetzt werden.

Die zwei geplanten neuen Kombibäder in Pankow und Mariendorf, für die das Abgeordnetenhaus Anfang 2015 jeweils rund 30 Millionen Euro bereitgestellt hat, werden nicht vor 2022 fertig, wie der Bäder-Chef sagte. Es gebe „relativ lange Vorlaufzeiten“. Prognosen, wonach schon 2018 angebadet werden könne, haben sich als komplett unbrauchbar erwiesen. Die Bäder sollen von einem Generalübernehmer geplant und gebaut werden. Der private Unternehmer soll laut Scholz-Fleischmann auch für 15 Jahre die Technik warten.

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