Street-Art-Projekt

Abschied von "The Haus": Was vom Kunstprojekt übrig bleibt

Im Herbst dieses Jahres beginnt der Abriss der Immobilie, in der zwei Monate lang das Kunstprojekt "The Haus" begeisterte.

Das Projekt "The Haus" zog knapp 80.000 Besucher an. Jetzt kommt der Abriß

Das Projekt "The Haus" zog knapp 80.000 Besucher an. Jetzt kommt der Abriß

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Nichts sollte übrig bleiben. Das Projekt sollte eine radikale Übung in Sachen Vergänglichkeit sein. Besucher waren angehalten, von den Kunstinstallationen im "The Haus" keine Fotos zu machen. Am Ende kommt es nun doch anders: An den Wänden der temporären Street-Art-Gallery "The Haus" in der Nürnberger Straße fehlen an manchen Stellen kleine viereckige Panele. Sie wurden bereits herausgeschnitten, um Details des Ausnahmeprojekts zu konservieren. Auch ein Virtual-Reality-Video mit einem Rundgang durchs Haus und Statements der 168 beteiligten Künstler ist in Arbeit.

Der Impuls, das Ausnahme-Projekt zumindest in Teilen zu bewahren, kam von keinem anderen als Paul Spies, dem Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Ursprünglich waren die Macher von "The Haus", Kimo von Rekowski und Jörn Reiners, standhaft geblieben. Alles sollte zerstört werden, wenn das alte Volksbank-Gebäude im Herbst abgerissen wird und die Pandion AG dort mit dem Bau von 65 Luxuswohnungen auf 3800 Quadratmetern beginnt. "Aber Spies konnte sie dann überzeugen, wenigstens vorsichtshalber Teile der Austellung zu konservieren, weil sie ein Dokument der Zeitgeschichte seien", sagt Mathias Groß, Niederlassungsleiter Berlin bei der Pandion Real Estate GmbH.

Im The Haus geht es beim Morgenpost Leserforum um Berliner Kunst und Kultur

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Rund 80.000 Besucher in nur zwei Monaten

Am Donnerstag lud diese zu einem Jahrespressegespräch im "The Haus". Der Vorstand des Immobilienunternehmens, Reinhold Knodel, sagte zu Beginn scherzhaft, er werde sich mit seinem Programmpunkt, der Präsentation der Unternehmensentwicklung kurz fassen. "Ich weiß schon, dass sie alle vor allem gekommen sind, um über 'The Haus' zu reden", sagte er. Der Kölner Bauträger zeigte sich zufrieden mit seinem Projektvolumen von 1,6 Milliarden Euro. Alleine in Berlin entstehen derzeit 732 Wohneinheiten, auf der Fischerinsel und am Spittelmarkt beispielsweise, mit einem Projektvolumen von 304 Millionen Euro.

In aller Munde ist aber "The Haus". In den zwei Monaten, in denen man hier Street-Art von Künstlern aus 17 Ländern sehen konnte, kamen rund 80.000 Besucher. "Das ist schon ein Erfolg, der uns selber überrascht hat. Die Documenta in Athen hatte um die 200.000 Besucher, also ist das schon ganz ordentlich", sagte Groß, der das Projekt von Anfang an gefördert hatte. "Ich bin in Prenzlauer Berg aufgewachsen, wo die Zwischennutzung von Räumen für kulturelle Projekte, Kunst, Musik und Partys sehr verbreitet war", sagte er. "Als die Volksbank unsere Räume verlassen hat, dachte ich zuerst daran, das Gebäude an ein anderes Unternehmen zu vermieten, oder es als Pop-up-Store anzubieten." Doch dann kam alles anders. Groß kontaktierte das Netzwerk AußerGewöhnlich Berlin, die wiederum das Künstlerkollektiv "The Dixons" ins Boot holten.

"The Haus": 5 Etagen Streetart in Berlin

Im Gebäude der alten Grundkreditbank und Volksbank gibt es auf fünf Etagen Kunst zu sehen. Das Gebäude ist zur Zwischennutzung gemietet und steht in dieser Zeit 165 Künstlern als Leinwand zur Verfügung. The Haus kann für zwei Monate besichtigt werden
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Street-Art-Künstler treffen auf Immobilienunternehmer

Nach einem ersten etwas holprigen Treffen zwischen den Dixons und der Pandion AG, bei dem zwei tätowierte Männer in Kapuzenpullovern auf zwei Männer in Anzügen prallten, nahm das Projekt Gestalt an. Für den Immobilienunternehmer hat sich das Risiko, eine große Gruppe verschiedener Künstler monatelang die Räume eines alten Bürogebäudes gestalten zu lassen, gelohnt. "Ein besseres Standortmarketing kann man sich nicht vorstellen", sagt Groß. "Gleichzeitig haben wir auch etwas zurückgegeben, und gezeigt, dass Immobilienunternehmer und Street-Art-Künstler sich gegenseitig bereichern können."

Honorare gab es für die Beteiligten zwar nicht. Doch viele der Künstler, deren Arbeiten im "The Haus" zu sehen waren, stellen ab September auch in einem neuen Urban-Art-Museum an der Bülowstraße 97 aus. Auch für das 28 Millionen Euro teure Neubauprojekt war die Zwischennutzung eine gute Werbung: Rund 30 Prozent der 65 Wohnungen sind schon verkauft, 80 Prozent davon an internationale Kunden. Plant die Pandion AG eine ähnliche Zwischennutzung an anderer Stelle? "Wir können uns gut vorstellen, etwas Vergleichbares noch einmal in Kreuzberg zu machen, wo wir mehrere Grundstücke erworben haben", sagt Groß. Wo und wann genau bleibt vorerst geheim.

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