Berlin

Prozess: Gewalt gegen Schwester und Mutter

Wegen brutaler Übergriffe auf seine Schwester und seine Mutter begann am Mittwoch vor einer Moabiter Strafkammer der Prozess gegen einen 32-Jährigen.

Der Anklage zufolge hatte der aus Tschetschenien stammenden Arbi G. am 20. Dezember seiner Schwester gegen 7 Uhr vor dem S-Bahnhof Rummelsburg aufgelauert und sie in seine Wohnung an der Frankfurter Allee (Lichtenberg) geschleppt. Dort soll er die 23-Jährige mit dem Tode bedroht, misshandelt und vergewaltigt haben. Am selben Tag kam es in der Wohnung der Mutter an der Rummelsburger Dolgenseestraße gegen 9.20 Uhr zu einem Streit. Arbi G. soll dabei seine Mutter derart heftig geschlagen haben, dass sie sich in ein Krankenhaus begeben musste. Zuvor soll sie der Angeklagte massiv bedroht haben, falls sie nicht wahrheitswidrig einen Sturz für ihre Verletzungen angeben würde.

Angeklagter war bereits wegen Totschlags verurteilt

Am Nachmittag des 20. Dezember soll Arbi G. dann nochmals seine Schwester vergewaltigt haben. Auch ihr drohte er, die gesamte Familie umzubringen, falls sie zu Polizei gehe. Sie erstattete wenig später dennoch Strafanzeige. Der Bruder wurde noch am Abend festgenommen.

G. kam 2009 aus Tschetschenien nach Berlin und stellte einen Antrag auf politisches Asyl. Seine Familie war schon einige Monate früher geflüchtet. Wegen seines auffälligen, brutalen Verhaltens konnte er jedoch nicht auf Dauer bei der Familie leben und wurde in einem Kreuzberger Flüchtlingsheim untergebracht. Dort tötete er bei einem Streit einen anderen Bewohner mit 30 Messerstichen. Im Juli 2011 wurde Arbi G. von einer Moabiter Strafkammer wegen Totschlags zu vier Jahren verurteilt. Die Strafe war vergleichsweise mild, weil ein Gutachter eine zur Tatzeit stark eingeschränkte Steuerungsfähigkeit bescheinigte. Im aktuellen Prozess könnte die Strafe härter werden. Die Beweisaufnahme wird am 10. Juli fortgesetzt.

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