Humboldt Forum

Am Tag der offenen Tür besichtigen Berliner ihr Schloss

Von der Baustelle zur Schaustelle: Am Wochenende können Neugierige einen ersten Blick aufs Humboldt Forum werfen.

So schön wird das Berliner Schloss

2019 soll es soweit sein: Das neue Schloss eröffnet an alter Stelle. 2013 wurde mit dem Rohbau angefangen. 2015 wurde Richtfest gefeiert. Die 41.000 Quadratmeter sollen für Museen und Veranstaltungen genutzt werden.

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Die ersten, allerdings ungebetenen Gäste haben den Weg in die imposante, 30 Meter hohe Eingangshalle des Berliner Schlosses bereits gefunden. Ein Taubenpaar flattert, gänzlich unbeeindruckt vom Baulärm, zwischen den prächtigen Sandsteinsäulen des Eosanderportals empor, dreht bei und sucht sich schließlich auf einem der Kapitelle einen Landeplatz. „Ein Taubenproblem wird es aber bei uns nicht geben“, versicherte Hans-Dieter Hegner, Vorstand für den Baubereich der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Später würden Glastüren den Zugang versperren. „Und vielleicht siedeln wir zur Vorsicht auch noch ein Falkenpärchen auf dem Dach des Schlosses an“, sagte Hegner den rund 130 Journalisten aus dem In- und Ausland, die am Mittwoch gekommen waren, um sich vom Fortschritt auf Deutschlands größter Kulturbaustelle zu überzeugen.

Bereits zum fünften Mal ein Baustellenrundgang möglich

Am kommenden Wochenende haben dann wieder Tausende Berliner und ihre Gäste die Gelegenheit, sich bei den Tagen der offenen Baustelle selbst ein Bild zu machen. Bereits zum fünften Mal seien die Berliner nun eingeladen, rief Johannes Wien, Vorstand und Sprecher der Stiftung, in Erinnerung. Vor vier Jahren mussten die Besucher noch in die Baugrube hinabsteigen. Vor zwei Jahren war das Gebäude dann bereits im Rohbau fertig. „Und am kommenden Wochenende werden die Besucher sehen, dass nicht nur das Eosanderportal, das Triumphbogen-Portal im großen Foyer, fertig ist“, so Wien weiter. Auf der Lustgarten-Seite zeige sich das Berliner Schloss an der Fassade zwischen den Portalen 4 und 5 schon in voller Schönheit. „Das Gerüst haben wir hier auf einer Breite von 30 Metern abgebaut, damit die Besucher einen unverstellten Blick haben“, so Wien weiter. Die hellgelbe Putzfassade mit den etwas dunkleren Sandsteinverkleidungen der Fensterarchitrave biete nun einen ersten Eindruck, wie das gesamte Gebäude wirken wird. „Kein dunkler Kasten wie auf historischen Fotos, sondern ein heller, fröhlicher, barocker Neubau entsteht hier“, so der Schlossherr weiter.

Für das 35 Meter hohe Gebäude (mit Kuppel sind es 70 Meter) mit einer Länge von 184 Metern und einer Breite von 117 Metern hat der Bund die Kostenobergrenze bei 590 Millionen Euro gezogen. „Eine Summe, die wir einhalten werden – genauso wie den gesetzten Zeitrahmen“, versicherte Wien. Zudem werde man auch das Spendenziel von insgesamt 105 Millionen Euro erreichen. Von dieser Summe entfällt mit 80 Millionen Euro der Löwenanteil für die Rekonstruktion der historischen Fassade. Für die Rekonstruktion weiterer Bauteile wie der Kuppel und der Innenportale I, II und III sind die restlichen 25 Millionen Euro veranschlagt. Derzeit sind nach Auskunft Wiens bereits 63 Millionen Euro an Barspenden zusammengekommen. Zuzüglich Sachspenden und Spendenversprechen, deren Wert der Chef des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, auf rund elf Millionen Euro beziffert, fehlen noch 31 Millionen Euro.

Klar ist auch, was endgültig auf die Kuppel kommt

Dieses Mal geht es, anders als bei den vorangegangenen Besichtigungstagen, nicht mehr im Wesentlichen um das Gebäude, sondern um das, was nach der Eröffnung Ende 2019 in ihm stattfinden soll. Ein von den Gründungsintendanten Neil MacGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp kuratiertes Programm gibt den Besuchern einen Ausblick auf das Zusammenwirken aller Akteure des Humboldt Forums. Die Besucher erwarten neben Konzerten auch Talks und Präsentationen von Archäologen, Ethnologen, Medizinern, Botanikern, Historikern, Zoologen, Urbanisten und Poeten, die die Verflechtung von Natur und Kultur verdeutlichen wollen. Schließlich soll hier nach dem Willen der Macher mit den außereuropäischen Museen in der Mitte der deutschen Hauptstadt ein Ort entstehen, der sich dem Dialog der Weltkulturen verpflichtet fühlt.

Nur eine Debatte ist nach Auskunft von Schlossherr Johannes Wien endgültig beendet. „Auf der Stiftungsratssitzung am Dienstag gab es ein eindeutiges Bekenntnis zur Kuppel“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Wir halten an der historischen Rekonstruktion fest – und damit auch an dem Kreuz auf der Kuppel“, betonte Wien. Wie berichtet, gab es im Mai eine heftige Debatte um die Frage, ob das Humboldt Forum von einem Kreuz gekrönt werden soll. Die Stiftung Zukunft Berlin hatte sich dagegen ausgesprochen, da das christliche Symbol den Dialog der Religionen behindern würde, so die Argumentation. „Das Kreuz auf der Kuppel war bereits 2009 Bestandteil des Entwurfs von Wettbewerbssieger Franco Stella“, sagte Wien. Das Kreuz sei damit Teil dessen, was damals beschlossen wurde. „Und im Übrigen“, ergänzte er, haben wir bis heute keinen Antrag vorliegen, der das Kreuz von den Kuppel entfernen will.

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