Modularbauten

In welchen Bezirken Berlin neue Flüchtlingsunterkünfte baut

32 Modularbauten sollen langfristig auch anderen Nutzern offenstehen. Berlin rechnet mit 800 Asylbewerbern pro Monat.

Berlin.  Der Senat plant 32 Unterkünfte für Flüchtlinge, die in modularer Bauweise errichtet werden und eine Lebensdauer von mindestens 50 Jahren haben. Laut einer Liste für den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses, die der Berliner Morgenpost vorliegt, sind diese Unterkünfte in zehn Bezirken vorgesehen. Ausgenommen sind wegen des Mangels an geeigneten Grundstücken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. In Pankow sollen sechs modulare Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) errichtet werden, in Treptow-Köpenick fünf, in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf je vier. Jeweils drei dieser Gemeinschaftsunterkünfte werden in Reinickendorf, Spandau und Neukölln geplant, zwei in Steglitz-Zehlendorf und jeweils eine in Tempelhof-Schöneberg und in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die 32 Häuser werden letztlich alle in Landesregie gebaut. Zehn will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung errichten, zwölf MUF bauen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und die übrigen zehn die Berliner Gesellschaft zur Errichtung von Flüchtlingsunterkünften (BEFU). Sie wird zu 51 Prozent vom Land Berlin und zu 49 Prozent vom landeseigenen Immobiliendienstleister Berlinovo getragen. Drei dieser Heime mit insgesamt mehr als 1100 Plätzen sind bereits in Betrieb, zwei in Marzahn-Hellersdorf, eines in Reinickendorf. Drei weitere in Marzahn-Hellersdorf und Pankow mit insgesamt 1350 Plätzen sollen nach Angaben des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten im Juli bezogen werden.

In diesem Jahr sollen nach der aktuellen Planung fünf weitere modulare Unterkünfte mit insgesamt knapp 1650 Plätzen in Lichtenberg (zwei), Spandau, Neukölln und Treptow-Köpenick fertiggestellt werden. Im ersten Halbjahr 2018 sollen fünf MUF in Steglitz-Zehlendorf (zwei), Pankow, Reinickendorf und Lichtenberg in Betrieb gehen. Dabei handelt es sich um größere Objekte mit insgesamt rund 2400 Plätzen.

Unterkünfte auch für Wohnungslose oder sozial schwache Senioren

Die MUF werden zwar für Flüchtlinge gebaut, sollen aber langfristig auch von anderen Gruppen genutzt werden. Geplant ist, dort zum Beispiel Wohnungslose, Studenten oder sozial schwache Senioren unterzubringen, wenn der Bedarf an Wohnplätzen für Geflüchtete nicht mehr so hoch ist. Die Häuser sind in unterschiedlich große Wohnungen unterteilt, sehen aber auch Gemeinschaftsräume und eine soziale Betreuung vor. Es gebe Überlegungen, dort in fernerer Zukunft auch Flüchtlinge gemeinsam mit anderen Nutzergruppen zu beherbergen, bestätigte eine Sprecherin der Sozialverwaltung. Das Zusammenleben müsse natürlich verträglich gestaltet werden, dafür seien aber verschiedene Konzepte möglich.

Die Neubauten sind im Vergleich zu den Containerdörfern und insbesondere zu prekären Notunterkünften wie dem ICC oder den Hangars in Tempelhof wesentlich hochwertiger konzipiert. Die Flüchtlinge wohnen dort in Wohnungen für drei bis sechs Personen. Gebäude, Zimmer, Gemeinschaftsräume und Außenanlagen sind so gestaltet, dass einerseits die Privatsphäre gewahrt, andererseits eine soziale Betreuung möglich ist.

Rechnemodell zur Prognose des Bedarfs verändert

Die Senatsverwaltungen für Soziales und Finanzen haben ihr Rechenmodell zur Prognose des künftigen Unterbringungsbedarfs für Flüchtlinge verändert. Erstmals werden auch andere Wohnungslose einbezogen. Das Rechenmodell bildet die Planungsgrundlage für den Bau, die Anmietung, aber auch die Schließung von Unterkünften. Demnach geht der Senat davon aus, dass künftig 800 Asylbewerber pro Monat nach Berlin kommen. Diese Zahl entspricht in etwa dem Zugang der vergangenen Monate. Berücksichtigt wurde in der Bedarfsrechnung auch ein Familiennachzug: 1,6 Angehörige je anerkanntem Flüchtling.

Die Prognose geht von einem "stabilen Bestand" von 10.000 Wohnungslosen ohne Fluchthintergrund aus und rechnet mit 3000 Menschen pro Jahr, die aus Unterkünften in normale Wohnungen umziehen könnten. Daraus ergebe sich ein aktueller Bedarf von knapp 41.000 Plätzen und von 47.000 Plätzen zum Jahresende 2019. Derzeit, so Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke), halte das Landesamt knapp 38.000 Plätze vor. Darunter seien aber noch Tausende Plätze in teils prekären Notunterkünften, die schnellstmöglich aufgegeben werden sollen. Daher sei der Ausbau der Kapazitäten notwendig.

Auch Containerquartiere für Flüchtlinge werden gebaut

Neben den Modularbauten lässt die Landesregierung Containerquartiere für Flüchtlinge, sogenannte Tempohomes, errichten. Dafür ist die landeseigene Berliner Immobilien-Management GmbH (BIM) zuständig. 15 Unterkünfte mit rund 3700 Plätzen hat die BIM jüngst fertiggestellt und an das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten übergeben beziehungsweise will das nach eigenen Angaben bis zum Spätsommer tun. Dazu gehören der Doppelstandort Buchholzer Straße (Elisabeth-Aue) in Pankow, Unterkünfte an der Dingolfinger Straße in Marzahn-Hellersdorf, an der Lissabonallee und der Finckensteinallee in Steglitz-Zehlendorf, an der Alten Jakobstraße in Friedrichshain-Kreuzberg, an der Neuköllner Karl-Marx-Straße sowie der umstrittene Vierfachstandort am ehemaligen Flughafen Tempelhof mit mehr als 1100 Plätzen.

Es dauert zwei bis drei Monate, bis die baulich fertiggestellten Quartiere eingerichtet sind und bezogen werden können sowie ein Betreiber ausgewählt wurde. Die Senatssozialverwaltung geht davon aus, dass die bereits fertiggestellten Tempohomes am Oberhafen (Spandau), an der Fritz-Wildung-Straße (Stadion Wilmersdorf) sowie an der Hohenschönhauser Straße (Lichtenberg) in den kommenden Wochen belegt werden können. Die zusätzlichen Plätze versetzen das LAF in die Lage, ein Haus zu schließen, das der Verwaltung schon in der vergangenen Legislaturperiode ein Dorn im Auge war: die Erstaufnahmeeinrichtung an der Spandauer Motardstraße. Nun sollen aber die dort noch verbliebenen 360 Flüchtlinge Ende Juni ausziehen.

FDP kritisiert mangelndes Tempo des Senats

Im ersten Quartal dieses Jahres konnten alle Turnhallen freigezogen werden, im zweiten Quartal baut die Sozialverwaltung drei Notunterkünfte in Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick zu besser ausgestatteten Gemeinschaftsunterkünften um. Die FDP ist dennoch unzufrieden: "Der Fortschritt beim Freizug der Turnhallen im ersten Quartal ist zu begrüßen. Andererseits wohnen fast zwei Jahre nach ihrer Ankunft immer noch Flüchtlinge im ICC und im Flughafen Tempelhof unter menschenunwürdigen Bedingungen", kritisierte die Finanzexpertin der Abgeordnetenhausfraktion, Sibylle Meister. Zudem habe der Senat nur die Hälfte der ursprünglich angekündigten Standorte für modulare Unterbringungsmöglichkeiten geplant, geschweige denn gebaut. "Wie auch beim regulären Wohnungsbau kommt der Senat nicht mit dem gebotenen Tempo voran", rügte die FDP-Landeschefin.

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